Jahrhunderthochwasser in der Eifel durch Regenfälle

Wiederaufbau: Bahnstrecken in der Eifel werden elektrifiziert

Stand: 10.02.2022, 16:51 Uhr

Bei der Flutkatastrophe wurden Bahnstrecken in der Eifel stark beschädigt. Nun werden sie wieder aufgebaut und dabei elektrifiziert. Die Verkehrsministerin spricht von Klimaschutz, den Grünen geht es zu langsam.

Von Samuel Acker

Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 sind viele Bahnstrecken in der Eifel stark beschädigt worden. Auf manchen Abschnitten fährt immer noch Ersatzverkehr. Am Donnerstag sprach NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes aber von einer "großartigen Nachricht" für den Zugverkehr in der Region.

Denn zusammen mit Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn AG und Norbert Reinkorber, Geschäftsführer des Nahverkehrs Rheinland (NVR), unterzeichnete sie eine Finanzierungsvereinbarung für eine Modernisierung und Elektrifizierung der Eifelstrecken.

Hendrik Wüst vereidigt Ina Brandes vor der ersten Kabinettssitzung.

Verkehrsministerin Ina Brandes (links)

Die Elektrifizierung bezieht sich auf die Eifelstrecke zwischen Hürth-Kalscheuren und der Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz, auf die Voreifelbahn zwischen Bonn und Euskirchen sowie die Erfttalbahn zwischen Euskirchen und Bad Münstereifel. Mit dem Bau von Hochspannungsleitungen soll es möglich werden, Züge mit Elektro-Triebwagen auf der Strecke einzusetzen. Bislang werden in der Region laut dem NVR ausschließlich Diesel-Züge eingesetzt.

"Verlässlicher, leiser und pünktlicher"

Züge mit Elektroantrieb seien "verlässlicher, leiser und pünktlicher", so Bahn-Vorstand Pofalla. Und natürlich werde der Bahnverkehr mit dem Wechsel auf Elektroantrieb klimafreundlich. Bis zu 600.000 Tonnen CO2 ließen sich im Jahr sparen, wenn die gesamten Eifelstrecken elektrifziert würden, so Pofalla - dabei würden aber auch Abschnitte in Rheinland-Pfalz mitgerechnet.

Norbert Reinkorber vom NVR ergänzte, mit einer Strecke unter Strom wäre beispielsweise eine Direktverbindung von Trier nach Bonn möglich. "Weil die Fahrzeuge schneller sind, sie können schneller beschleunigen. Dadurch gewinnen wir die paar Minuten Zeit, um dieses auf diesen eng belasteten Streckenabschnitten hinzukriegen".

Neben der Zukunftsmusik ging es aber auch um aktuelle Probleme: So könne etwa der Streckenabschnitt von Rheinbach nach Euskirchen weiterhin nicht befahren werden, so Reinkorber. "Dort rechnen wir damit dass im Juni, Juli der Betrieb aufgenommen werden kann". Beim Abschnitt zwischen Kall und Nettersheim, beides im Kreis Euskirchen, wird es vermutlich sogar bis zum Dezember 2023 dauern, bis dieser wieder befahren werden kann - das alles unter der Voraussetzung, "dass das Wetter keine Schnippchen schlägt". Die Ersatzverkehre auf den noch nicht wieder befahrbaren Strecken würden "sehr stabil laufen", aber sie benötigten natürlich länger als die normalen Verbindungen.

"Beitrag zum Klimaschutz"

Die Gesamtkosten für die Elektrifizierung liegen bei rund 400 Millionen Euro. NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes sagte heute, sie gehe davon aus, dass der Großteil davon aus Bundesmitteln finanziert werden könne. Sie betonte zudem, dass für die Erreichung ehrgeiziger Klimaziele ein starker, leistungsfähiger Nahverkehr in NRW ein wichtiger Bestandteil sei. Daher sei der Plan für die Elektrifizierung der Eifelstrecken ein "starker Beitrag zum Klimaschutz".

Grünen-Abgeordneter: Elektrifizerung dauert zu lange

Kritik kommt von den Grünen. Generell sei der Wechel von Diesel auf Elektro natürlich sinnvoll, so Johannes Remmel, der im Verkehrsausschuss des Landtags sitzt und früher Umweltminister war. Aber fünf Jahre seien für die Elektrifizierung der Eifelstrecken zu lange: "Meines Erachtens nach geht das innerhalb von eineinhalb, zwei Jahren, mit gutem Willen." Bei Straßen, zum Beispiel der A45, sehe man, dass Baumaßnahmen durchaus beschleunigt werden können.