Eltern in NRW gegen Einschulung von Fünfjährigen

Erster Schultag für Erstklässler in Grundschule in Rostock

Eltern in NRW gegen Einschulung von Fünfjährigen

  • Petition für Liberalisierung des Schulgesetzes
  • Bisher 19.000 Unterstützer
  • Initiativen in Bayen und Niedersachsen erfolgreich

Gegen die starren Regeln zum Einschulungsalter in NRW regt sich Widerstand: Im Gegensatz zu anderen Bundesländern haben Eltern in Nordrhein-Westfalen kaum eine Möglichkeit, den Zeitpunkt der Einschulung zu beeinflussen. Alle Kinder, die bis zum 30. September sechs Jahre alt werden, müssen im Sommer zur Schule. Viele sind dann erst fünf Jahre alt.

Nur bei "erheblichen gesundheitlichen Gründen" kann die Schulpflicht um ein Jahr aufgeschoben werden - das letzte Wort haben dabei nicht die Eltern, sondern die Schulleitungen.

Ruf nach Wahlfreiheit

"Wir möchten einfach die Wahlfreiheit haben", sagt Sylvia Montanino aus Essen, "und als Eltern entscheiden dürfen, ob der Zeitpunkt der richtige ist oder nicht." Die Mutter einer kleinen Tochter hat Anfang Februar eine Online-Petition auf den Weg gebracht, die binnen weniger Tage schon mehr als 19.000 Unterstützer gefunden hat (Stand: 12.02.2019).

Die Unterzeichner fordern, dass der Einschulungsstichtag vom 30. September auf den 30. Juni vorgezogen wird. Viele Kinder seien zum Zeitpunkt der Einschulung noch zu klein und überfordert, sagen die Aktivisten um Montanino.

Wann ist ein Kind schulreif?

WDR 5 Leonardo Top Themen 05.10.2017 06:34 Min. WDR 5

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Schlechtere Leistungen als Resultat?

Eine Überforderung im frühen Kindesalter könne gravierende Folgen haben, warnt Montanino. "Das untermauern Studien und Artikel, die wir im Internet gefunden haben." Demnach zeigten Kinder, die erst mit sieben Jahren eingeschult wurden, insgesamt bessere Leistungen und bekämen häufiger eine Empfehlung fürs Gymnasium.

Tafel mit Aufschrift 1. Schultag

Einschulung - Freude oder Stress?

Eine Einschätzung, die die Landesregierung nicht teilt. Es gebe "keine Bestrebungen, Änderungen vorzunehmen", heißt es in einem knappen Statement aus dem NRW-Schulministerium. Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) verweist außerdem darauf, dass die Regeln für die Zurückstellung eines schulpflichtigen Kindes bereits 2017 gelockert wurden.

Schulgesetz müsste geändert werden

Zwar sei immer noch ein schulärztliches Gutachten entscheidend. Aber Stellungnahmen von anderen Ärzten oder Therapeuten und präventive Gesichtspunkte würden berücksichtigt. "Weitergehende Veränderungen wird es nicht geben", heißt es aus dem Ministerium.

Ähnliche Initiativen von Eltern in Niedersachsen und Bayern waren erfolgreich: Dort wurde der Stichtag auf den 30. Juni vorverlegt. Auf allzu schnelle Veränderungen sollten Eltern aber trotzdem nicht hoffen: Für eine Änderung des Schulgesetzes müsste noch eine politische Mehrheit gefunden werden.

Stand: 12.02.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

44 Kommentare

  • 44 Ute K. 14.02.2019, 00:21 Uhr

    Kurzer Nachtrag: Die Grundschullehrerin meiner Schwester hat bereits 1987 meinen Eltern gesagt, wie deutlich reifer und schulfähiger fast 7Jährige sind, gegenüber Kindern die, zu der Zeit Stichtag noch 30.6., gerade erst 6 Jahre alt geworden sind. Man bemerke 1987. Fällt was auf????

  • 43 Ute K. 14.02.2019, 00:03 Uhr

    Ute K. Ich hoffe wir bewegen mit der Petition in NRW auch etwas. Als Mutter erlebe ich es gerade am eigenen Leib, was es heißt sein Kind scheitern zu sehen, weil es zu unreif ist und es bricht mir das Herz. Als Erzieherin im sozialen Brennpunkt beobachte ich mit Schrecken, wie wenig Kompetenzen und Fertigkeiten heutzutage, bereits bei 2 und 3 Jährigen, altersentsprechend ausgebildet sind. Warum muss die Regierung unser höchstes Gut, unsere Kinder, so als Versuchskaninchen benutzen? Stichtag 30.6. Dann 30.9. Zum Glück haben sie vom 31.12. abgesehen. Dann 13 Jahre bis zum Abi. Dann 12 Jahre. Jetzt wieder 13. Schreiben nach Gehör. Katastrophe!!!! Bitte hört auf damit. Wir werden doch eh alle Älter heutzutage. Warum muss man so an den Kids zerren. Lasst ihnen ihre Kindheit. Sie brauchen heutzutage mehr Zeit denn je, weil viele gar nicht mehr altersentsprechend entwickelt sind. Ich kann mich bald vor Rückstellkindern und Inklusionsanträgen nicht mehr retten.

  • 42 Grimaldi 13.02.2019, 20:52 Uhr

    Ich bin selber Erzieherin und Mutter. Ich betrachte das ganze System sehr kritisch. Mit Grundschulen war ich oft im Austausch und ich kann die Meinung vieler auch bestätigen. Die meisten jüngeren Kinder sind oft vom sozialen sehr überfordert, mit dem ganzen System Schule. Und da die vorschule leider auch vor ein paar Jahren abgeschafft wurde, wird es um so schlimmer.

  • 41 Christiane Michel 13.02.2019, 16:31 Uhr

    Hallo miteinander! Ich freue mich, dass dieses Thema öffentlich diskutiert wird. Ich bin selbst Grundschullehrerin seit vielen Jahren. Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass die meisten "jungen" Schulkinder, die nach dem 30.6.geboren sind, tatsächlich überfordert sind. Das Anforderungsprofil an ein Schulkind hat sich vor allem in den letzten Jahren sehr verändert. Es geht bei der Einschulung nicht nur um einen geistigen Entwicklungstand , sondern auch - und das wird leider häufig übersehen- um eine emotionale und auch körperliche Befähigung. Eine Verlegung auf den 30.6. würde ich sehr begrüßen. Kinder , die den Anforderungen gewachsen sind, können doch gern auf Antrag früher eingeschult werden. Leider werden LehrerInnen zu dieser Thematik gar nicht angehört. Es ist so schade, dass ein motivierender Schulstart vielen -zu jungen "Sommerkindern" verwehrt wird durch die momentane Regelung. Die Petition werde ich sicherlich unterstützen.

  • 40 Martin Muetherich 13.02.2019, 11:02 Uhr

    Die starren Regelungen in NRW sind problematisch. Gerade auch bei Zwillingskindern sind andere Bundesländer viel wirklichkeitsnäher aufgestellt. Des besteht dringender Handlungsbedarf

  • 39 Landgraaf 13.02.2019, 10:42 Uhr

    2 unserer Kinder sind am 03.08. bzw. 15.09. geboren. Bei beiden haben wir als Eltern darauf bestanden (wir wohnen in den Niederlanden), dass sie erst ein Jahr später eingeschult wurden. Unser Wunsch wurde problemlos akzeptiert. Beide haben die Grundschule mit besten Noten geschafft und haben später NL-Abitur gmacht. Sie hatten eine sorglose, stressfreie Grundschulzeit. Ob das Alter ausschlaggebend war, kann ich nicht beurteilen; jedoch habe ich oft genug das Elend von (zu) früh eingeschulten Kindern mitgemacht, die mit dem Schulstoff überfordert waren und noch in der Grundschule sitzen blieben. Unfassbar, dass sich in Deutschland die Regierung anmaßt, über das Wohl des Kindes (ja, es geht hier um das Wohl des Kindes!) zu entscheiden. Diese Entscheidung kann den ganzen weiteren Lebensweg massiv beeinflussen, vor Allem in negativer Hinsicht.

  • 38 Guido 13.02.2019, 09:26 Uhr

    Unser Sohn ist am 28.09. geboren. D.h. er wurde mit 5 eingeschult. Wir hätten ihn gerne noch ein Jahr im Kindergarten gelassen, da er noch sehr verspielt ist, sich einfach ablenken lässt und auch sich noch nicht so lange konzentrieren kann. Wir haben mit allen möglichen Leuten gesprochen. Schulamt, Kinderarzt und Amtsarzt. nichts hat genutzt. Er musste eingschult werden! Über unsere Köpfe hinweg hat der Staat entschieden das Kind muss eingeschult werden. Obwohl wir als Eltern das nicht wollten. Wir kennen unser Kind am Besten und wissen was es kann und was nicht! Die Schuleingangstests sind eine Farce und werden eigentlich von jedem Kind geschafft. Ich bin auch im September geboren, damals 1978 wurde ich mit 6 eingeschult. Was bringt es ein Kind so früh einzuschulen? Damit es mit 17 das Abitur fertig hat? Um die Defizite der Kinder aufzufangen sind die Schulen nicht in der Lage. Chronisch unterbesetzt. Also muss Privat mit Ergo nachgeholfen werden. Macht das wirklich Sinn?

  • 37 Charlotte 13.02.2019, 08:34 Uhr

    Jedes Kind ist anders und entwickelt sich im eigenen Tempo, je jünger Kinder sind, desto größer noch die Unterschiede. Deshalb darf ein Stichtag nicht das wichtigste und stärkste Kriterium sein, wenn er bestimmte Kinder nachhaltig benachteiligt. Die endgültige Entscheidung muss im Einzelfall flexibel sein und sollte von den Menschen mitgetragen werden dürfen, die das Kind am besten beurteilen können: Eltern, Erzieher und Kinderarzt. Im Übrigen würde ich gerne eine Begründung hören, warum der Stichtag so gewählt wurde, dass 5jährige eingeschult werden müssen. Während sich die Gegner der frühen Einschulung ständig rechtfertigen sollen, habe ich noch kein Argument für den späten Stichtag gehört. Will man die Kinder aus der Statistik raushaben, damit die Zahl der fehlenden Plätze etwas geringer ausfällt? Ich wäre sehr interessiert an einer Erklärung. Studien untermauern eher die Nachteile der früheren Einschulung. Also, was ist der Grund dafür, dass 5jährige eingeschult werden müssen?

    Antworten (2)
    • Charlotte 13.02.2019, 10:44 Uhr

      *aus der Kita-Statistik. Werden Kinder früher eingeschult, werden früher wieder Kita-Plätze frei, von denen NRW viel zu wenige hat.

    • Ute K. 14.02.2019, 00:38 Uhr

      Als Erzieherin kann ich sagen, dass die Rückstellungen mehr werden. Und die Kinder die Inklusionsbedarf haben. Das heisst, Kind wird zurückgestellt, Kita Platz bleibt belegt. Bei Inklusion werden sogar Plätze gestrichen. Oder das Kind zählt als 1 1/2 Kinder.

  • 36 Manuscha 13.02.2019, 06:43 Uhr

    Ich bin Jahrgang 1964 und zu meiner Zeit war - wenn mich nicht alles täuscht - Stichtag 31.08. Wer kurz danach geboren wurde, musste - wenn Einschulung erwünscht - eine weitere Prüfung/Untersuchung über sich ergehen lassen. Wiederholer in der ersten gab es auch. Alles war also möglich. Aber 30.09.64 wäre definitiv im nächsten Jahr eingeschult worden. Wie oft hat man in den letzten Jahren an den Gesetzen herumgedoktert? Die wievielte Rechtschreibreform haben wir? Es ist schon schlimm, wie starr und verkrustet das System dann wieder ist.

  • 35 Claudia 12.02.2019, 22:23 Uhr

    Hallo, dieses Thema ist bei uns aktuell und wir sind richtig verärgert u traurig über die Einschulung Stichtag 30.09. Unsere Tochter ist am 15.9. geboren und kam mit 5 Jahren in die Schule, uns wurde mehrfach gesagt eine Rückstellung ist unmöglich. Das erste Schuljahr war eine Quälerei für sie und uns, auch für die Beziehungen in der ganzen Familie. Als Eltern tat uns unser Kind so leid, wußten genau was das Problem war dass sie einfach noch zu jung war, auf der anderen steht man auch als Eltern unter dem wahnsinnigen Druck das Kind zu fördern, "durch" zu bringen, es Beweisen wollen dass das Kind nicht Dumm ist! Die Entscheidung war schwer aber wir haben entschlossen sie nach dem ersten Halbjahr in der 2.Klasse zurückzustellen um dem Kind nicht die Chance für eine angenehme Schulzeit zu nehmen nur weil die Politik so ein unsinniges Gesetz macht. Sie ist seitdem super in der Schule, allerdings litt sie emotional sehr darunter zurück gestellt worden zu sein. Hätte nicht sein müssen!

    Antworten (1)
    • Ute K. 14.02.2019, 00:26 Uhr

      Genau das steht uns jetzt in Klasse 3 bevor. Bisher war die Schulzeit für uns alle eher eine Qual.

  • 34 Claudia 12.02.2019, 22:16 Uhr

    Hallo, dieses Thema ist bei uns aktuell und wir sind richtig verärgert u traurig über die Einschulung Stichtag 30.09. Unsere Tochter ist am 15.9. geboren und kam mit 5 Jahren in die Schule, uns wurde mehrfach gesagt eine Rückstellung ist unmöglich. Das erste Schuljahr war eine Quälerei für sie und uns, auch für die Beziehungen in der ganzen Familie. Als Eltern tat uns unser Kind so leid, wußten genau was das Problem war dass sie einfach noch zu jung war, auf der anderen steht man auch als Eltern unter dem wahnsinnigen Druck das Kind zu fördern, "durch"zu bringen, es Beweisen wollen dass das Kind nicht Dumm ist! Die Entscheidung war schwer aber wir haben entschlossen sie nach dem ersten Halbjahr in der 2.Klasse zurückzustellen um dem Kind nicht die Chance für eine gute Schulzeit zu nehmen nur weil die Politik so ein unsinniges Gesetz macht. Sie ist seitdem super in der Schule, allerdings litt sie emotional sehr darunter zurück gestellt worden zu sein. Hätte nicht sein müssen!