WWF: Genug Platz für Ökostrom in NRW

WWF: Genug Platz für Ökostrom in NRW

Von Christian Wolf

  • Laut WWF genug Flächen in NRW für Wind- und Solarenergie
  • Bessere Planung und Bürgerbeteiligung gefordert
  • Verbraucher in NRW zahlen für erneuerbare Energien

Zur Diskussion über den Ökostrom in NRW

Der Ausbau der erneuerbaren Energien sorgt immer wieder für Ärger mit Anwohnern und Naturschützern. Dabei müsste das gar nicht sein. Laut einer Studie für den Umweltverband WWF gibt es genug Platz für eine vollständige Versorgung mit Ökostrom - auch in NRW.

Photovoltaik-Panelen auf einem Scheunendach bei Niederkrüchten vor einer Windkraftanlage

Laut WWF gibt es genug Platz für Ökostrom

In der am Dienstag (16.10.2018) veröffentlichten Untersuchung heißt es, dass bei einer Vollversorgung 2,4 Prozent der Fläche von NRW für Photovoltaik und Windanlagen gebraucht würden. Werde der Fokus auf Solarenergie gesetzt, komme man mit 1,5 Prozent der Fläche aus. Es gebe "genug Platz für ein sauberes Energiesystem", sagte WWF-Klimaexperte Michael Schäfer. Konflikte mit dem Naturschutz ließen sich durch bessere Planung und Bürgerbeteiligung lösen.

Der Bau neuer Windräder landet nämlich immer wieder vor Gericht. Kläger sind häufig Naturschutzverbände, die Verstöße gegen den Vogelschutz kritisieren. In NRW hatte zuletzt das Verwaltungsgericht Aachen den Bau eines Windparks in der Eifel gestoppt.

Wenig Geld aus EEG-Umlage nach NRW

Dabei scheint NRW beim Ausbau der erneuerbaren Energien hinterherzuhinken. Das zeigt die Statistik zur EEG-Umlage. Sie wird von den Verbrauchern gezahlt und finanziert den Ausbau des Ökostroms. Nach NRW fließt aber vergleichsweise wenig. Laut Bundesnetzagentur waren es 2016 rund 2,37 Milliarden Euro. An der Gesamtsumme von über 24 Milliarden waren das weniger als zehn Prozent.

Laut dem Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) ist NRW der größte Netto-Zahler im Vergleich zu anderen Ländern. "Weil weniger Vergütung für regenerative Energien nach NRW fließt, als wir an EEG-Umlage für unseren Strom zahlen", erklärt der Vorsitzende Reiner Priggen. In der Summe stehe ein Minus von etwa drei Milliarden Euro.

NRW-Regionen mit Plus


Dabei könne es auch anders gehen. Die Kreise Steinfurt und Paderborn machten zum Beispiel ein Plus in Millionenhöhe, weil dort viel erneuerbarer Strom produziert werde. "Deutlich mehr Regionen in NRW könnten also profitieren, wenn die Landesregierung ihre Blockadehaltung bei der Energiewende aufgeben würde", sagt Priggen, der lange Jahre Vorsitzender der Grünen im NRW-Landtag war.

Als Beispiel nennt der Verband eine aktuelle Bundesratsinitiative aus NRW. Die sehe vor, dass die Länder künftig "willkürlich" die Abstände zwischen Windrädern und Gebäuden festlegen könnten. "Statt neuer Hürden für den Ausbau der erneuerbaren Energien brauchen wir ein klares Signal für die Energiewende", kritisiert Priggen.

So beeinflusst die EEG-Umlage den Strompreis

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 15.10.2018 04:20 Min. WDR 5

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Stand: 16.10.2018, 16:20

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Lobbyistenland 18.10.2018, 10:16 Uhr

    die derzeitige Landesregierung zeigt immer wieder, wie sehr sie am Gängelband der umweltschädlichen Industrie hängt. Gestern ging es noch um die Atomindustrie, wo sich NRW-Koalition weigert, einer Initiative des Bundesrates zuzustimmen! Für den Umweltschutz ist es mittlerweile 12:00 Uhr und dies haben die von den Lobbyisten unterstützten Politiker der regierenden Parteien schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen, beziehungsweise ignorieren sie dies immer wieder. Für mich gehört der Braunkohletagebau sofort gestoppt!!!! Ebenso sind Fahrverbote für Dieselfahrzeuge unumgänglich und mit der Autoindustrie muss endlich Klartext geredet werden, denn dann geht es auch ohne Fahrzeuge mit Dieselantrieb, siehe Porsche, die keine Dieselfahrzeuge mehr bauen wollen! Und diese NRW Landesregierung verschläft mal wieder die Zeit. Mit Arbeitsplatzverlusten zu argumentieren, ist der falsche Ansatz! ! ! Das gab es schon beim Steinkohlebergbau und führt zu nichts ! ! !

  • 1 Hörer 17.10.2018, 21:10 Uhr

    "Statt neuer Hürden für den Ausbau der erneuerbaren Energien brauchen wir ein klares Signal für die Energiewende", spricht der Lobbyist. Die Bürger in den betroffenen Gebieten in denen die Industriewindanlagen, viel höher als der Kölner Dom, gebaut werden, werden von Priggen und seinen Auftraggebern kalt enteignet. Ihre Häuser, oft als Teil der Altersvorsorge eingeplant, sind dann nur noch Schrottimmobilen... Wenn Priggen nur noch die Höhe der EEG-Umlage als Argument einfällt - auf gut deutsch die institutionalisierte Abzocke aller Stromkunden - dann ist die Landesregierung bei der Einlösung ihres Wahlversprechens - die Wind-Industrieanlagen nicht in direkter Nähe von menschlichen Siedlungen zuzulassen - wohl auf dem richtigen Weg!