Dürrebeihilfe: Die Hürden sind hoch

Trockenes Maisfeld

Dürrebeihilfe: Die Hürden sind hoch

Von Sabine Tenta

  • Landesregierung hat am Dienstag (06.11.2018) Dürrebeihilfe beschlossen
  • Zahl der interessierten Bauern bei nur knapp 700
  • Hürden für die staatlichen Beihilfen sind hoch

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Landwirt Wilhelm Neu

Landwirt Wilhelm Neu

Diesen Sommer wird Wilhelm Neu aus Hamminkeln nicht vergessen: Der Landwirt hatte wegen der Dürre große Ernteeinbußen: 50 Prozent weniger Mais und Gras für seine Kühe, Futter musste er zukaufen.

Landesregierung beschließt Dürrebeihilfen

So wie ihm ging es vielen Landwirten. Darum beschloss die Bundesregierung Finanzhilfen für die Landwirtschaft. Die Länder müssen sich zur Hälfte an der "Dürrebeihilfe" beteiligen. Am Dienstag (06.11.2018) hat die Landesregierung die dazu nötige Förderrichtlinie beschlossen. "Betriebe, die in Notlage geraten sind, werden jetzt auch finanzielle Hilfen erhalten“, sagte NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU).

Ab dem 8. November können interessierte Landwirte Anträge bei der Landwirtschaftskammer stellen. Bislang haben sich nach Auskunft der Kammer knapp 700 Landwirte gemeldet - rund zwei Prozent aller Bauern in NRW.

Das muss ein Bauer nachweisen

Die staatliche Finanzspritze ist an mehrere Bedingungen geknüpft: Zum einen muss der Landwirt seinen Ernteschaden nachweisen, zum anderen seine Bedürftigkeit. Der Ertragsschaden auf Acker und Grünland muss also im Schnitt 30 Prozent geringer sein als in den letzten drei Jahren.

Doch das ist nur die erste Hürde. Fünf weitere klären die Bedürftigkeit:

  1. Ledige Landwirte dürfen nicht mehr als 90.000 Euro, Verheiratete nicht mehr als 120.000 Euro Einkünfte haben. Grundlage sind die letzten drei Steuerbescheide.
  2. Die Einkünfte aus nichtlandwirtschaftlichen Betriebszweigen müssen unter 35 Prozent liegen.
  3. Es darf kein hohes Privatvermögen geben. Grob gilt: nicht mehr als das 1,5-fache des Dürreschadens.
  4. Extrem leistungsfähige Betriebe werden ausgenommen.
  5. Der Betrieb muss auch ohne Dürrehilfe existenzfähig sein. Dies soll verhindern, dass marode Betriebe ohne Zukunft unterstützt werden.

Die Dürre 2018 und ihre Folgen

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche | 16.10.2018 | 14:23 Min.

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Bürokratischer Aufwand

Landwirt Wilhelm Neu wird keinen Antrag stellen - wegen des hohen bürokratischen Aufwands. Er kritisiert die Dürrehilfe als "langatmig und schwerfällig". Und das Offenlegen aller Betriebsfakten "kommt auch noch dazu".

Landwirt fordert Klima-Versicherung

Nach Auffassung von Milchbauer Neu wären die staatlichen Zuschüsse besser in einer Art Klima-Versicherung angelegt, die Ertrags-Schäden absichert. "Da könnte der Staat ja mithelfen und zum Beispiel auf die Versicherungs-Steuer verzichten."

Die Landwirte in den Nachbarländern Niederlande, Belgien und Luxemburg hätten so eine Versicherung. Denn für Neu ist klar: "Der Klimawandel hat noch einiges auf dem Kasten."

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Stand: 06.11.2018, 20:24

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Silke Snow 06.11.2018, 22:15 Uhr

    DAS ist doch unglaublich!!! Lieber bezahle ich meine Steuern um den Landwirten zu helfen, damit deren Existenz gesichert wird, als für Dinge, die Deutschland nicht braucht. Für allen Mist werden Steuergelder verschwendet, wie zum Beispiel einen Kreisverkehr mit Ampel!! Aussichtsplattformen ohne Aussicht, Schilderwälder bei denen keiner mehr durchblickt und so weiter und so weiter..... Einfach unfassbar!!!!!!!!!!!!!!!Ich wäre zu gerne dieser Dame von der CDU durchs TV aufs Haupt gesprungen. Naja, ich hab den Haufen ja nicht gewählt.

  • 1 Bernd Schmitz, AbL-NRW 06.11.2018, 11:37 Uhr

    Dûreehilfen in dieser Form sind nicht hilfreich für die Bauern, deren Schäden jetzt akut sind und die kurzfristig eine bessere Finanzsituation auf den Betrieben brauchen. In NRW sind das im wesentlichen die Betriebe mit Tieren, die fast ausschließlich vom Hof eigenen Gras versorgt werden, wie das in vielen Milchviehbetrieben der Fall ist. Wir als Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft haben im Sommer zwingend notwendige Preiserhöhung für die Lebensmittel gefordert. Geld, das von Handel und Verarbeitern wie Molkereien direkt an die Höfe hätte weiter gereicht werden können. Den dazu geforderten Runden Tisch in Berlin hat es nie gegeben, der Verantwortung haben sich alle Verantwortlichen entzogen. Stattdessen verkündet Ministerin Klöckner medienwirksam Hilfe, die aber nie ankommen wird, wenn im Einzelfall dann erst im Sommer 2019. Bis jetzt bekommt kein Bauer einen Cent mehr Milchgeld! Die Verantwortlichen der Wertschöpfungskette sollten sich mit der Politik zusammen schämen