Bauern in NRW warten auf Dürrehilfen

Die Dürre nach der Dürre Westpol 28.04.2019 UT DGS Verfügbar bis 28.04.2020 WDR

Bauern in NRW warten auf Dürrehilfen

Von Christian Wolf und Anne Bielefeld

  • Politik hatte nach Dürresommer 2018 schnelle Hilfen für Bauern versprochen
  • Fast 640 Landwirte in NRW haben Gelder beantragt
  • Auszahlung läuft aber schleppend

Im Dürresommer 2018 war sich die Politik schnell einig, den hitzegeschädigten Landwirten zu helfen. Der Bund und das Land NRW versprachen sogenannte Dürrehilfen. Allein für Nordrhein-Westfalen wurde ein Topf mit fast 18 Millionen Euro gefüllt.

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) versprach noch im August: "Es ist jetzt die richtige Hilfe, um jetzt schnell Hilfe leisten zu können."

Schleppende Auszahlung

Heinrich Bottermann, NRW-Staatssekretär  im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

Staatssekretär Heinrich Bottermann

Doch schnell scheint die Hilfe nicht anzukommen. Im Gespräch mit dem WDR-Magazin Westpol räumt der für Landwirtschaft zuständige Staatssekretär Heinrich Bottermann ein, dass erst 107 Betriebe eine Entschädigung bekommen haben. 7,5 Millionen Euro wurden ausgezahlt.

Laut Landwirtschaftskammer NRW floss bis Ende März sogar noch kein Geld. Dabei haben 637 Landwirte die Hilfen beantragt.

Einer dieser Bauern ist Felix Beckmann. "Noch ist es gar keine Hilfe, wir haben sie noch nicht bekommen. Deswegen kann man auch nicht von Hilfe sprechen", sagt er.

Milchbauer Felix Beckmann

Milchbauer Felix Beckmann

Der Milchbauer muss teures Kraftfutter für seine Kühe zukaufen, da die Mais- und Grasernte schlecht ausfiel. 100.000 Euro Schaden wurden geltend gemacht. Bis zu 50 Prozent könnte erstattet werden. "Natürlich würde uns das Geld helfen. Das ist kein unerheblicher Betrag", sagt der 26-Jährige.

Viele Anträge für Dürre-Hilfen in NRW

WDR 5 Westblick - aktuell 18.01.2019 03:59 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 WDR 5

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Aufwendiges Verfahren

Das Hauptproblem scheint der bürokratische Aufwand zu sein. Die Regeln seien "relativ aufwendig" und es sei ein "hoher Verwaltungsaufwand" nötig, räumt Staatssekretär Bottermann ein.

Die Bauern mussten nachweisen, dass sie wegen der Dürre in ihrer Existenz gefährdet sind. Das Ministerium rechnet nun damit, dass bis Ende Juni die Gelder ausgezahlt werden.

Bund und Land sparen Geld

Einen positiven Nebeneffekt scheint der bürokratische Aufwand zu haben. Er hat offenbar viele Bauern davor abgeschreckt, die Hilfen zu beantragen. Obwohl für die NRW-Landwirte ursprünglich 17,8 Millionen Euro zur Verfügung standen, haben die 637 Anträge nur ein Volumen von 15,5 Millionen Euro. Der Bund und das Land sparen also Geld.

Milchbauer Sebastian Bützler aus Bad Münstereifel

Bauer Sebastian Bützler hat keine Hilfen beantragt

Auch Sebastian Bützler aus Bad Münstereifel hat auf einen Antrag verzichtet. Zwar muss auch der Milchbauer viel Futter zukaufen und hat Mehrkosten im hohen fünfstelligen Bereich.

Die Hilfe bringe ihm trotzdem nichts. "Das wäre für die Arbeit, die wir damit gehabt hätten, gar nicht vereinbar gewesen. Wahrscheinlich wären wir auf plus/minus null rausgekommen. Da kann ich mich besser um meine Mädels kümmern, als dass ich mich zwei, drei Tage ins Büro setzen muss", sagt er mit Blick auf seine Kühe.

Stand: 28.04.2019, 06:00