Nach Erdogan-Besuch: NRW hofft auf Umdenken bei Ditib

Erdogan Anhänger versammeln sich in der Nähe der Ditib Moschee in Köln-Ehrenfeld

Nach Erdogan-Besuch: NRW hofft auf Umdenken bei Ditib

Von Rainer Kellers

  • Kooperationen zwischen Ditib und NRW liegen auf Eis
  • NRW hofft noch auf ein Umdenken der Ditib
  • Keine Alternative für Ditib in Sicht

Seit den Spitzelvorwürfen gegen Ditib-Imame liegen die Beziehungen zwischen dem Land NRW und der türkischen Islam-Organisation auf Eis. Ditib solle sich von Ankara lösen, damit eine langfristige Zusammenarbeit möglich ist, wiederholt seitdem Landesintegrationsminister Joachim Stamp (FDP).

Doch davon scheint die Ditib nach dem Besuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln weit entfernt. Wie geht es nun weiter mit der Ditib?

Um Religion kümmern, statt um Politik

Für Serap Güler (CDU), Staatssekreträrin im Integrationsministerium, ist das keine einfache Frage. Sie hoffe auf ein Umdenken der Ditib, sagte sie am Montag (01.10.2018) im WDR. Wenn die Ditib weiter Politik betreiben wolle, anstatt sich um Religion zu kümmern, könnte sie nur noch "bedingt oder so gut wie gar nicht mehr Kooperationspartner sein".

Kooperationen liegen auf Eis

Bis auf Weiteres ruhen die Kooperationen zwischen NRW und der Ditib. Dazu gehören:

  • die Mitarbeit im Beirat für den islamischen Religionsunterricht in NRW.
  • das Aussteigerprogramm für Islamisten "Wegweiser"
  • die muslimische Seelsorge in NRW-Gefängnissen - nur noch vier Ditib-Imame sind an dieser Stelle aktiv.

Darüber hinaus prüft nach WDR-Informationen der Bundesverfassungsschutz, ob Ditib beobachtet werden soll.

Ohne Ditib wird es schwer

Nach einer Normalisierung der Beziehung sieht das nicht aus. Nur: Ohne die Ditib Politik für Muslime in NRW zu machen, ist schwierig. Einen Dachverband, der alle Muslime vertritt, gibt es nicht. Und von den Einzelverbänden ist Ditib der größte. Laut Güler betreibt er 300 Moscheen in NRW. "Es ist nicht einfach, Ditib bei jeglicher Kommunikation außen vor zu lassen", sagt die Staatssekretärin.

Moschee-Eröffnung: "Ditib hat Chance verpasst"

WDR 5 Morgenecho - Interview 01.10.2018 07:22 Min. WDR 5

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Hinzu kommt, dass auch die anderen muslimischen Verbände umstritten sind. Der Islamrat zum Beispiel vertritt auch die "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs", die seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Islamrat und Zentralrat der Muslime haben jahrelang einen Rechtsstreit um den islamischen Religionsunterricht gegen das Land NRW geführt - und verloren.

Ditib war lange der zuverlässigste Partner

Die Ditib war in dieser Gemengelage immer der zuverlässigste Partner der NRW-Politik. Mit den Veränderungen in der Türkei hat sich allerdings auch die Haltung der Ditib geändert.

Staatssekretärin Güler setzt nun auf Andersdenkende in der Ditib. Viele Moscheegemeinden seien mit dem aktuellen Kurs nicht einverstanden, sagt sie. Ditib selbst reagierte am Montag zunächst nicht auf Anfragen.

Stand: 01.10.2018, 16:37