Digitalisierung an Schulen: Neues Geld, alte Probleme

Digitalisierung an Schulen: Neues Geld, alte Probleme

Von Martin Teigeler

Kurz vor der Bundestagswahl kündigt NRW-Schulministerin Gebauer (FDP) ein neues Programm für Digitalisierung an. Schon die Zahl der digitalen Endgeräte zeigt, dass in NRW noch viel zu tun ist.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) verspricht, bei der Digitalisierung nachzubessern. 184 Millionen Euro sollen in ein zweites Ausstattungsprogramm für Schülerinnen und Schüler fließen, wie Gebauer am Donnerstag in Düsseldorf sagte. Das Geld für eine Ausstattung mit digitalen Endgeräten soll nach "sozialen Faktoren" an "besonders belastete" Schulen gehen.

Yvonne Gebauer

NRW-Schulministerin Gebauer

Rund 370.000 Schülerinnen und Schüler sollen von der Förderung profitieren, sagte Gebauer. Lehrkräfte, Eltern und Schüler kritisieren regelmäßig die Defizite beim digitalen Lernen in NRW. Beim Distanzunterricht in der Corona-Pandemie war die veraltete Ausstattung an vielen Schulen negativ aufgefallen. Laut Studien leidet vor allem der Lernfortschritt von Schülern aus ärmeren Familien darunter.

Dass an den Schulen in Nordrhein-Westfalen weiterhin noch viel zu tun ist, wurde bei der Pressekonferenz der Ministerin deutlich: Auf Nachfrage "vermutete" Schul-Staatssekretär Mathias Richter (FDP), dass den rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in NRW derzeit etwa eine Million digitale Endgeräte zur Verfügung stehen.

Längst nicht an allen Schulen schnelles Internet

Nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2017 hatte Gebauer versprochen, dass bis 2021 alle Schulen an ein leistungsfähiges Gigabit-Netz angeschlossen sein sollen. Stand jetzt sind es 68 Prozent der Schulen (3.702). Die Ministerin verweist darauf, dass es 2017 nur 13 Prozent gewesen seien. Nun sollen alle Schulen bis 2022 ans Gigabitnetz angeschlossen sein. 2022 ist das Jahr der Landtagswahl.

Digitalcourage: Kostenfreie Software für Schulen

WDR 5 Westblick - aktuell 17.08.2021 03:39 Min. Verfügbar bis 17.08.2022 WDR 5


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Mit dem sogenannten Digitalpakt Schule wird der Ausbau der IT-Infrastruktur bundesweit gefördert. Laut Landesregierung haben die Schulträger von den insgesamt dafür zur Verfügung stehenden 1,05 Milliarden Euro bislang rund 535 Millionen Euro beantragt.

Im letzten Zwischenbericht des Bundesbildungsministeriums liegt NRW beim Mittelabruf der Digitalpakt-Gelder im Vergleich der 16 Bundesländer nur auf dem zwölften Platz.

Lehrergewerkschaften kritisieren schleppendes Tempo

Laut Verband Bildung und Erziehung (VBE) ist es "höchste Zeit, dass eigentlich Selbstverständliches nicht nur mittels einer theoretischen Strategie, sondern auch durch praktische Umsetzung und Unterstützung selbstverständlich wird." Die Probleme in NRW seien flächendeckend und vielfältig, aber zu spät angegangen worden, teilte die Lehrergewerkschaft GEW mit. An vielen Schulen gebe es noch immer kein funktionierendes WLAN, es mangele an IT-Fachkräften zur Unterstützung, es brauche dringend umfassende Fortbildungen.

Kritik kam von den Landtags-Grünen. "Verspätung und Versäumnisse prägen die Digitalstrategie von Ministerin Gebauer. Die Förderrichtlinien für die Mittel aus dem Digitalpakt des Bundes, der schon seit 2019 zur Umsetzung ansteht, und die Ergänzungsprogramme ließen zu lange auf sich warten", sagte die Grünen-Bildungsexpertin Sigrid Beer. Und die Zahl von knapp 70 Prozent der Schulen mit einem leistungsfähigen Netz spiegele "nicht die Realität vor Ort wider".

Stand: 23.09.2021, 20:03

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