Experten uneins über Diesel-Hardware-Nachrüstung

Ende eines Auspuffrohrs, darunter ein Schild Diesel-Fahrverbot, daneben das Verkehrschild "Durchfahrtsverbote für Kraftwagen", über allem Rauchschwaden

Experten uneins über Diesel-Hardware-Nachrüstung

Von Sabine Tenta

  • Experten-Anhörung auf Antrag von SPD und Grünen
  • Fahrverbote sollen vermieden werden
  • Vorschläge für alternative Maßnahmen

Im Landtag gab es am Donnerstag (12.04.2018) eine Anhörung mit Verkehrsexperten zu möglichen Diesel-Fahrverboten. Sie sind nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zulässig. Geladen waren unter anderem die IHK NRW, der Landkreistag, die Verbraucherzentrale und ein Vertreter der Autoindustrie.

Fahrverbote vermeiden

Die Experten sind sich einig: Fahrverbote sind das letzte Mittel der Wahl und sollten vermieden werden. Als Alternativen wurden zahlreiche Maßnahmen genannt. Aber der grüne Abgeordnete Johannes Remmel fragte: "Was davon wirkt in den nächsten ein bis zwei Jahren?"

Hardware-Nachrüstung

Immer wieder nannten die Experten die Hardware-Nachrüstung als schnell wirksames Instrument. Die Kosten dafür solle die Autoindustrie tragen. Dem widersprach Joachim Damasky vom Verband der Automobilindustrie. Die Software-Updates seien hinreichend. Für eine Hardware-Nachrüstung bräuchte die Industrie "zwei bis drei Jahre", um sie zu entwickeln und einzubauen.

Was kostet die Hardware-Umrüstung?

Der Umweltexperte Axel Friedrich rechnete vor, dass die Nachrüstung eines Diesel in der Größe eines VW-Passat lediglich 1.500 Euro kosten würde, inklusive Einbau. Bereits jetzt sei die Technik verfügbar: "Wir können jedes Fahrzeug nachrüsten." Es sei nur eine rechtliche Frage, keine technische.

Weitere Maßnahmen

Groß war die Fülle an Ideen, was alles anders gemacht werden kann, um die Luftqualität zu verbessern und Verkehr anders zu organisieren:

  • ÖPNV ausbauen
  • Rad- und Fußverkehr ausbauen,
  • einheitliche Tarife bei Busse und Bahnen,
  • Anreize durch niedrigere Preise,
  • Diesel-Busse nachrüsten
  • intelligente Verkehrsleitsysteme
  • Flugverkehr drosseln
  • bessere Ampelschaltungen
  • besseres Baustellen-Management
  • Service des Landesumweltamtes verbessern, mehr Daten für die Städte und Bezirksregierungen
  • den Verkehr durch Home-Office und Videokonferenzen entlasten.

Der Verband "Zukunft Erdgas e.V." forderte, auch andere Technologien neben der E-Mobilität zu fördern. Die Stadt Stuttgart beispielsweise würde aktuell die Flotte der Müllabfuhr auf Erdgasfahrzeuge umstellen.

Da hakt es zurzeit

Die Experten erklärten aber auch, wo es hakt. Axel Welge vom Städtetag sagte klar: "Das, was bisher geschieht, ist zu wenig." In den letzten Jahren habe es viel zu wenig Bewegung in der Verkehrspolitik gegeben.

Und Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg Essen sagte, der Ausbau des ÖPNV "würde das System überfordern." Schon jetzt seien viele Verkehrsbetriebe an ihren Kapazitätsgrenzen.

Stand: 12.04.2018, 15:08