Fast jeder zehnte Mensch in NRW hat Diabetes

Hände setzen Pen auf Bauchdecke, im Hintergund sieht man das Gesicht des Kindes, das die Spritze bekommt.

Fast jeder zehnte Mensch in NRW hat Diabetes

Von Tobias Zacher

  • "Volkskrankheit Diabetes" breitet sich in NRW aus
  • Fast jeder Zehnte betroffen
  • Ruhrgebiet und Kreise Heinsberg, Düren, Siegen-Wittgenstein besonders betroffen

Diabetes breitet sich in Nordrhein-Westfalen weiter aus. In fast allen Altersgruppen steigt die Zahl der Erkrankten. Das geht aus einer Antwort des NRW-Gesundheitsministeriums auf eine Große Anfrage der SPD-Fraktion hervor. Insgesamt leidet fast jeder zehnte Mensch in Nordrhein-Westfalen unter Diabetes. Vor allem in der so genannten mittleren Altersklasse gab es einen deutlichen Anstieg der Erkrankungen.

Welche Arten von Diabetes gibt es - und wie unterscheiden sie sich?

Die Diabetes Typ 1 macht nur rund 5 bis 10 Prozent der Diabeteserkrankungen aus. Sie ist eine Autoimmunkrankheit, die relativ plötzlich auftritt, vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Ursachen sind bis heute medizinisch nicht vollständig geklärt. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass sie erblich, also durch genetische Veranlagung, begünstigt wird.

Wesentlich verbreiteter ist Diabetes Typ 2, sie macht rund 90 Prozent der Diabetes-Erkrankungen aus und wird durch ungesunden Lebensstil begünstigt. Also: zu wenig Bewegung, und eine Ernährung mit viel Zucker, viel Fett, viel Salz. Auch hier gibt es genetische Veranlagungen, ein hohes Alter spielt ebenso eine Rolle - weil der Lebenswandel aber bei diesem Krankheitsbild eine so große Rolle spielt, wird diese Form der Diabetes auch oft als Wohlstands- oder Zivilisationskrankheit bezeichnet.

Welche Menschen in NRW sind besonders von Diabetes betroffen?

Kurz zusammengefasst: Je älter und je ärmer ein Mensch in NRW ist, umso häufiger hat er statistisch betrachtet Diabetes. Im Alter von 80 bis 84 Jahren leidet fast jeder dritte Mensch (32 Prozent) hierzulande unter der Krankheit. Den größten Anstieg der Erkankten gab es zuletzt bei den 40- bis 44-Jährigen: Hier verzeichnet das Gesundheitsministerium einen Anstieg von 61 Prozent in den Jahren von 2008 bis 2017. Vergleichsweise selten sind junge Menschen von Diabetes betroffen.

Außerdem spielt die soziale Situation eine Rolle: Je geringer der Sozialstatus (berechnet aus den Faktoren Beruf, Bildung und Einkommen) ist, umso häufiger sind Nordrhein-Westfalen an Diabetes erkrankt. Im Jahr 2018 litten Menschen mit niedrigem Sozialstatus nahezu doppelt so häufig (14,2 Prozent) an Diabetes wie Menschen mit hohem Sozialstatus (8,0 Prozent).

Auch regional gibt es Auffälligkeiten. So sind überdurchschnittlich viele Menschen an Diabetes in mehreren Ruhrgebietsstädten erkrankt (Duisburg, Essen, Bochum, Gelsenkirchen, Herne, Dortmund). Das Gleiche gilt für die Kreise Heinsberg, Düren, Siegen-Wittgenstein und den Märkischen Kreis. Auch in Mönchengladbach und Leverkusen ist Diabetes besonders häufig.

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Wie ist die Versorgung von Diabetespatienten in Nordrhein-Westfalen?

Beide Formen von Diabetes sind Stoffwechselkrankheiten, die früher oft tödlich verliefen, sind inzwischen gut behandelbar - sei es durch angepassten Lebenswandel, Tabletten oder Injektionen von Insulin. 83 Prozent der Erkankten nehmen an speziellen Programmen teil, die das Leben mit Diabetes erleichtern sollen, den so genannten Disease Management-Programmen (DMP).

Vor diesem Hintergrund sieht das Gesundheitsministerium keine Notwendigkeit für einen landesweiten Diabetesbeauftragten - und auch nicht für einen Beruf wie staatlich anerkannter Diabetesberater. Stattdessen setze die Landesregierung weiterhin auf Aufklärung und Information der Bevölkerung. Dies kritisiert SPD-Gesundheitsexpertin Angela Lück: "Der Gesundheitsminister macht sich einen schlanken Fuß, wenn er die Hauptaufgabe darin sieht, einen gesunden Lebensstil zu vermitteln." Menschen mit Diabeteserkrankung bräuchten "weitaus mehr Unterstützung.

Stand: 22.01.2020, 07:03

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