533 Wörter, die alle Grundschüler können müssen

Die Uni Bonn hat mehrere Methoden im Deutschunterricht überprüft

533 Wörter, die alle Grundschüler können müssen

Von Sabine Tenta

  • Schulministerin stellt Handreichung für Grundschulen vor
  • Verbindlicher Grundwortschatz für alle
  • Weg dorthin bleibt Schulen überlassen

"Richtig schreiben ist erlernbar", davon ist NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) überzeugt. Eine wichtige Feststellung, wenn man bedenkt, dass fast ein Viertel der Grundschüler in NRW die Rechtschreibung nicht richtig beherrscht. Das hatte der IQB-Bildungstrend 2016 festgestellt.

Darum hat das NRW-Schulministerium nun eine "Handreichung" zur Vermittlung der Rechtschreibung für die Grundschulen erarbeitet. Vorgestellt wurde das 80-seitige Papier von der Ministerin am Dienstag (26.03.2019) in Düsseldorf. Es enthält einen Grundwortschatz, der ab dem Schuljahr 2019/2020 an allen Grundschulen in NRW vermittelt werden soll. Erstmals in NRW werde ein derartiger Wortschatz eingeführt, betonte die Ministerin.

Der Grundschulwortschatz

Der Wortschatz, den alle Kinder nach Klasse 4 beherrschen sollen, besteht aus zwei Teilen: aus einem gemeinsamen Grundwortschatz mit 533 Wörtern und einem individuellen Wortschatz mit 200 Wörtern. Letzterer kann je nach Klasse oder Schule anders gestaltet werden.

Im gemeinsamen Wortschatz werden systematisch Wortgruppen erfasst, also zum Beispiel mit Doppelkonsonanten (stellen, wollen, Mutter) mit "ie" (Brief, vier, Dieb) oder mit Umlautungen (Ball/Bälle, alt/älter). Der Grundwortschatz enthält darüber hinaus eine Mischung aus "Nachdenk- und Merkwörtern".

Nachdenkwörter folgen einer Rechtschreibregel. Schreibt man Hund am Ende mit "t" oder "d"? Nachdenken über den Plural "Hunde" hilft hier weiter. Merkwörter hingegen folgen keiner Regel, sie müssen stur gepaukt werden (nämlich, wird, man).

Die pragmatische Schulministerin - wie Yvonne Gebauer ruhige Schulpolitik macht

WDR RheinBlick 22.03.2019 29:59 Min. Verfügbar bis 22.03.2020 WDR Online

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Die Handreichung

Eingebettet ist der Grundwortschatz in eine Handreichung für die Lehrer mit Hinweisen und Materialien. Dazu gehört der Rat, Kindern, die anfangen, schreiben zu lernen, "Hinweise auf normgerechte Schreibungen zu geben", damit sie nicht denken, dass man schreibt, wie man spricht.

Es sei wichtig, dass die Kinder "Richtigschreiben beim Textschreiben lernen", "Rechtschreibphänomenen auf den Grund gehen" und "Wörter sichern durch sinnvolles Üben".

Die Verbindlichkeit

Nach Auskunft von Gebauer wird der Grundwortschatz verbindlich für alle Grundschulen eingeführt. Aber die Methoden, wie er vermittelt wird, bleibt den Schulen freigestellt.

Wobei die Ministerin klar macht, dass sie sich wünscht, dass "Lesen durch Schreiben", auch bekannt als "Schreiben nach Hören", nur in der ersten Klasse eingesetzt wird. Aber verbieten will sie es nicht. Sie hofft lieber, dass der Wunsch einer Ministerin Gewicht hat.

Kinder lernen nach alter Fibel besser als nach der freier Methode Aktuelle Stunde 17.09.2018 02:02 Min. Verfügbar bis 17.09.2019 WDR

Stand: 26.03.2019, 15:07

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 isso 27.03.2019, 13:30 Uhr

    Es wäre für alle Beteiligten einfacher, wenn das Schreiben und das Lesen wieder mit System gelehrt würden. "Meine liebe Fibel" lässt sich bestimmt wieder neu auflegen. Kinder sind keine Versuchskaninchen. Die Furcht, rückständig zu wirken, ist unbegründet. Wissen war noch nie hinderlich, und bei Stromausfall lässt sich damit auch die handylose, die schreckliche Zeit, überbrücken.

  • 1 Detlefaus Duisburg 27.03.2019, 12:51 Uhr

    Die "Schreib-wie-du-hörst-Methode" gehört zu dem größten pädagogischen Unfug, der jemals betrieben wurde und dazu führt, dass manche Kinder bis zum Abitur nicht richtig, also fehlerfrei schreiben können. Beim Rechnen können die Kinder ja auch nicht antworten, dass 2+2 irgend etwas zwischen 3 und 5 beträgt, Genaueres folgt dann ab Klasse 3. Mangelhaftes Schriftdeutsch ist, auch im Zeitalter von Internet, Laptop (oder ;Läbtopp"?), Twitter & Co, ein schwerer Nachteil für berufliches Fortkommen und einfach nur peinlich. Gut, dass man dem ein hoffentlich baldiges Ende bereiten wird.

    Antworten (1)
    • CFG1645 27.03.2019, 14:10 Uhr

      So ist es.