Gehen wieder mehr Leute demonstrieren?

Gehen wieder mehr Leute demonstrieren?

Tausende Menschen sind am Sonntag (16.09.2018) in NRW auf die Straße gegangen - aus Protest gegen Rechts und gegen Rodungen im Hambacher Forst. Geht ein Ruck durch die Gesellschaft?

Zur Diskussion über vermehrte Proteste in NRW

Ein Wochenende mit zahlreichen Demonstrationen und Kundgebungen liegt hinter NRW. Mehrere tausend Braunkohlegegner demonstrierten am Hambacher Forst gegen die geplante Rodung des uralten Waldes. Des Weiteren protestierten in zahlreichen Städten tausende Menschen gegen Rechts und Rassismus. Gehen wieder mehr Menschen für ihre Anliegen auf die Straße. Fragen an Daniel Schily vom Verein "Mehr Demokratie".

WDR: Gehen jetzt wieder mehr Menschen auf die Straße, um zu demonstrieren?

Demo: Köln zeigt Haltung (Heumarkt)

Daniel Schily: Im Moment haben wir ein Gefühl bei vielen Menschen, dass man sich einsetzen muss. Und das kann man erstmal als etwas Positives einschätzen. Wir haben offensichtlich auch eine jüngere Generation, die stark mitmacht und sich auch aufgrund vieler bedauerlicher Vorfälle wie in Chemnitz natürlich angespornt fühlt.

WDR: Warum gehen die Menschen auf die Straße?

Schily: Sie gehen auf die Straße, weil sie beunruhigt sind, weil sie sich aufregen, aber auch weil sie etwas Neues wollen. Das gilt auch für die konservative Seite. Menschen, die sich bei Pegida engagieren, machen es auch, weil sie in einer großen Geschichte dabei sein wollen.

In diese große Geschichte müssen wir alle gemeinsam eintreten. Die Demokratie muss wieder verjüngt werden. Wir sind in der dritten Generation nach dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt müssen jüngere Leute die Demokratie erneut in die Hand nehmen.

Protestforscher: Größere Bereitschaft zu zivilem Ungehorsam

WDR 2 17.09.2018 03:55 Min. WDR 2

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WDR: Bringt es denn was, wenn sich viele Menschen einbringen oder demonstrieren?

Schily: Das ist wie beim Stuttgarter Bahnhof, der gebaut wird. Die Unruhen haben sich dennoch gelohnt. So ähnlich ist es mit der Braunkohle. Jetzt engagieren sich viele Menschen, weil sie wollen, dass der Abbau der Braunkohle endlich zuende gebracht wird.

WDR: Die Proteste gegen Stuttgart 21 haben nicht viel gebracht, oder?

Schily: Doch. Stuttgart 21 hat dafür gesorgt, dass wir heute alle Großvorhaben mit Bürgerbeteiligung begleiten. Die Menschen wollen mitgenommen werden, wollen gehört werden. Sie wollen in der großen Geschichte dabei sein.

Das Interview führte Claudia Weber.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Stand: 17.09.2018, 18:28

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Frau Holle 19.09.2018, 11:46 Uhr

    Wo ist mein Kommentar? Oder wurde er wegen Brisanz abgelehnt?

    Antworten (1)
    • WDR.de 19.09.2018, 12:00 Uhr

      Liebe Frau Holle, wir haben hier nochmal unter diesem Beitrag nachgeschaut und leider keinen Kommentar von Ihnen gefunden. Liebe Grüße, das WDR Social-Media-Team

  • 3 Udo Unverständnis 18.09.2018, 19:57 Uhr

    Im Hambacher Forst wird demonstriert,auch von Grünen.Im Münsterwald Aachen wurde ein ganzer -geschützter - Wald abgeholzt um Windkraftanlagen zu bauen . Der Vorsitzender der Windenergiefirma ist ein ehemaliger grüner Politiker,der auch in Hambach demonstriert hat !!!! Was ist das noch für ein verlogenes Deutschland ?????

  • 2 Klaus Keller 18.09.2018, 17:59 Uhr

    Es gibt zwei ganz massive Fehlentwickungen, aus denen man nicht mehr so leicht rauskommen kann. Das eine ist die Schere zwischen Arm und Reich, das andere ist die Zuwanderung. Wir haben eine repräsentative Demokratie. Wir haben nicht die Wahl zu bestimmten Themen, wir können uns nur für eine Partei entscheiden, die dann eine Reihe von Themen abdeckt oder nicht. Als Anhänger der Sozialen Markwirtschaft sind die etablierten Parteien seit Schröder für mich unwählbar geworden, also wurde ich Wähler der Linkspartei. Mit ungesteuerter Zuwanderung ohne Obergrenze nach Version der Linken geht aber kein Sozialsystem. Also muss ich mich für die AfD bei der Wahl entscheiden, obwohl es laut Wahl-O-Mat nur 67 % Übereinstimmung gibt (Linke 44%, Etablierte 30%-36%). Da ist die Straße durchaus ein Mittel der Politik und den Mitbürgern eine Rückmeldung zu geben. Bleibt das friedlich hat keiner Probleme damit, zivilen Ungehorsam würde ich auch dazu zählen wo immer man da die Grenze ziehen möchte.

  • 1 Martha Heselmann 18.09.2018, 15:00 Uhr

    Ich habe schon das Gefühl, dass viele Leute in gewisser Weise "aufwachen" und aus ihrer Komfortzone herauskommen. Man bezieht vielleicht stärker Position (und dazu gehören für mich auch Demos) als das noch vor ein paar Jahren der Fall war - einfach, weil man sonst zu sehr Populisten das Feld überlassen würde, denn die melden sich in der Regel schnell und lautstark zu Wort.