Landtag diskutiert schwindenden Zeitungsmarkt

Eine Lokalzeitung wird über andere Zeitungen gehalten, 18.06.2018

Landtag diskutiert schwindenden Zeitungsmarkt

Von Christoph Ullrich

  • Landtag debattiert Große Anfrage zum Zeitungsmarkt
  • Papier hatte dramatische Auflagenverluste offenbart
  • Lösungen durch die Politik schwer umsetzbar

Als die SPD-Fraktion im vergangenen Sommer ihre traditionelle Große Anfrage zum Zeitungsmarkt stellte, konnte man ahnen, dass es "Print" sicher nicht rosig geht. Die Antwort der Landesregierung im Januar 2020 zeigte dann aber eine dramatischere Situation, als viele erwartet hatten.

Die Auflagen der Regionalzeitungen waren in den letzten drei Jahren um elf Prozent gesunken. Die Boulevardblätter kamen sogar noch stärker unter die Räder, verloren in diesem Zeitraum bis zu ein Viertel ihrer Auflage. Wenig überraschend, dass Vertreter nahezu aller Fraktionen von einer "alarmierenden Lage" sprachen.

CDU und FDP lehnen Finanzhilfen für Journalismus ab

Alexander Vogt (SPD) sprach von einer Gefahr für die Demokratie. "Wer kontrolliere Beschlüsse des Rates, wenn es vor Ort keine Lokalzeitung mehr gibt?", fragte er. Die Landesregierung - so Vogt - liefere keine Ideen, die abnehmende Medienvielfalt zu verhindern.

Von den Regierungsparteien kam Widerspruch. Es sei nicht Aufgabe der Politik, erfolgreiche Geschäftsmodelle für die Verleger zu entwickeln, so Andrea Stullich (CDU). Ihr FDP-Kollege Thomas Nückel verwies auf die geänderte Mediennutzung. Man könne den Verlagen nicht vorwerfen, sie hätten ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Digitale Angebote seien vorhanden, kompensierten aber nicht die Verluste im Print-Bereich.

Mehr Medienkompetenz für höhere Auflagen?

Der Grüne Medienpolitiker Oliver Keymis sagte dagegen, dass trotz der Veränderung durch das Internet die Verlage doch eine Schuld an der Misere treffe. Vielerorts habe man sich zu stark aus dem Lokalen zurück gezogen. Dadurch sei das Interesse der Leser weggebrochen. Keymis schlug vor, bei Jüngeren die Medienkompetenz stärker zu schulen, um auch den Wert der Zeitung zu zeigen.

Die Zeitungen sterben! Wer rettet den Lokalteil?

WDR RheinBlick 30.01.2020 32:32 Min. Verfügbar bis 29.01.2021 WDR Online

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Auf die Vorwürfe in Richtung der Landesregierung antwortete Bau- und Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU). Sie verwies auf die bundespolitischen Entscheidungen, den Zeitungsvertrieb von Abgaben zu entlasten. Hier habe NRW positiv dazu beigetragen, dass zumindest der Kostendruck gesenkt wurde. Staatliche Unterstützung für redaktionelle Inhalte lehnte sie dagegen ab.

AfD unterstellt CDU und SPD Geschäftsinteressen

Der AfD-Politiker Sven Tritschler warf SPD und CDU geschäftliches Interesse am Zeitungsmarkt vor. Die SPD hält mit ihrer Verlagsgesellschaft Anteile an Zeitungen, Europaminister Holthoff-Pförtner (CDU) ist Gesellschafter der Funke-Mediengruppe. Diese gibt unter anderem die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) heraus. Tritschler nannte den NRW-Zeitungsmarkt deshalb eine "verkommene Medienlandschaft" und "Monokultur einer politisch korrekten Brühe".

Stand: 14.02.2020, 13:30