Worum es bei dem Streit um Datteln 4 geht

Steinkohlekraftwerk Datteln 4, 15.01.2020,

Worum es bei dem Streit um Datteln 4 geht

Von Thomas Drescher

  • Neue Proteste gegen Steinkohlekraftwerk in Datteln
  • Block 4 soll im Sommer 2020 ans Netz gehen
  • Ausgleich für CO2-Ausstoß weiter unklar

Vor ziemlich genau einem Jahr, Ende Januar 2019, empfahl die Kohlekommission "für bereits gebaute, aber noch nicht in Betrieb befindliche Kraftwerke eine Verhandlungslösung zu suchen". Das Ziel dieser Verhandlungslösung sollte es sein, diese Meiler "nicht in Betrieb zu nehmen".

Es gibt genau ein Kohlekraftwerk in Deutschland, auf das dieser Passus zutrifft: Datteln 4. Bundesregierung, Kohleländer und Energiekonzerne haben nun vereinbart, dass der 1000-Megawatt-Meiler regulär ans Netz geht. Das ist das glatte Gegenteil von dem, was die Kohlekommission empfohlen hat – und was die Bundesregierung "eins zu eins umsetzen" wollte.

Für Freitag (24.01.2020) haben unter anderem die Klimaschützer von "Fridays for Future" zu einer Demonstration gegen das Kraftwerk Datteln 4 aufgerufen.

Proteste gegen Datteln 4

WDR 5 Morgenecho - Interview 24.01.2020 04:18 Min. Verfügbar bis 23.01.2021 WDR 5

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Warum ist Datteln 4 so umstritten?

Den Kohleausstieg damit zu beginnen, erstmal ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb zu nehmen und damit gegen den Kohlekompromiss zu verstoßen, das will vielen Umwelt- und Klimaschützern nicht einleuchten. Sie trauen den Beteuerungen der Landes- wie der Bundesregierung nicht, dass unterm Strich zumindest nicht mehr CO2 ausgestoßen wird und es doch besser sei, wenn ein modernes Kohlekraftwerk Strom liefert und dafür viele alte Stinker abgeschaltet werden.

Aber welche genau das sein sollen, steht nicht fest. Grüne und Umweltverbände sprechen von einem "Angriff auf den Kohlekompromiss". Am 29. Januar soll das Bundeskabinett das Kohleausstiegsgesetz verabschieden. Darin soll der "Ausstiegspfad" für die Steinkohle festgelegt sein.

Wird mit dem Kraftwerk Datteln 4 mehr oder weniger CO2 ausgestoßen?

Das lässt sich noch nicht beantworten. Denn dafür müsste man wissen, welche Meiler zum Ausgleich vom Netz gehen – und das sollen ausschließlich Steinkohlekraftwerke sein.

Datteln 4 hat eine Nennleistung von 1000 Megawatt, also einem Gigawatt. In ersten Entwürfen des Kohleausstiegsgesetzes war vorgesehen, dafür die entsprechende Leistung alter Kraftwerke abzuschalten.

Diese Rechnung ist allerdings schief. Denn viele der alten Öfen haben nur noch eine Auslastung von etwa 20 Prozent. Man kann also alte Kraftwerksleistungen nicht eins zu eins gegen die Leistung von Datteln 4 verrechnen.

Hinzu kommt: Für Datteln 4 wird eine sehr viel höhere Auslastung erwartet, weil Bahn und RWE dort vertraglich vereinbarte Mengen kaufen müssen.

Wie steht es um die Wirtschaftlichkeit von Datteln 4?

Müsste Uniper, der Betreiber von Datteln 4, den Kohlestrom zu den derzeit marktüblichen Preisen anbieten, sähe es für die erwarteten Erträge wohl nicht so rosig aus. Aber Uniper hat langfristige Abnahmeverträge mit RWE und mit der Deutschen Bahn geschlossen. Und die müssen den künftigen Strom aus Datteln viel teurer bezahlen, als es das aktuelle Preisniveau hergibt. RWE hat mehrfach gerichtlich versucht, die 15 Jahre alten Verträge zu kündigen – vergeblich.

Diese teuren Abnahmeverträge sind möglicherweise auch der Grund dafür, dass die Bundesregierung Uniper nicht entschädigen wollte. Denn die Garantie zum Geldverdienen mit Datteln 4 hätte der Konzern sich gewiss teuer bezahlen lassen.

Kohlekompromiss: "Druck auf NRW-Landesregierung wächst"

WDR 5 Morgenecho - Interview 21.01.2020 04:07 Min. Verfügbar bis 19.01.2021 WDR 5

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Stand: 24.01.2020, 08:27