Abgeordneter aus Wesel schon im November gehackt

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Abgeordneter aus Wesel schon im November gehackt

Von Thomas Drescher

  • FDP-Abgeordneter aus Wesel von Datendiebstahl betroffen
  • Polizei schon vor zwei Monaten informiert
  • Widerspruch zu Angaben von Bundesbehörde BSI

Es war am Vormittag des 13. November 2018, als der Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther (FDP) aus Wesel plötzlich viele WhatsApp-Nachrichten erhielt. Alle wiesen ihn darauf hin, dass mit seinem Facebook-Profil etwas nicht stimmen kann. Seit dem Morgen wurden dort unter seinem Namen Links zu fremdenfeindlichen Videos gepostet – im Minutentakt.

An die Aufregung dieses Vormittags im November wurde Reuther letzten Donnerstag (03.01.2019) erinnert, als ihn die Verwaltung seiner Bundestagsfraktion im Urlaub anrief, um ihm zu sagen, dass persönliche Daten von ihm im Netz veröffentlicht wurden. Bernd Reuthers Daten sind Teil der jüngsten Daten-Affäre, über die das ganze Land spricht.

Bernd Reuther (FDP) im Westblick-Interview

WDR 5 Westblick - Interview 07.01.2019 05:37 Min. WDR 5

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"Kein schönes Gefühl"

Nicht nur sein Facebook-Profil hatten der oder die Angreifer gekapert. Auch der Zugang zu seinem privaten E-Mail-Postfach wurde geknackt. Dort fanden sich etwa seine Geburtsurkunde und eine Mitgliederliste seines Schützenvereins am Niederrhein.

Das sei "kein schönes Gefühl, wenn man nicht mehr Herr der eigenen Daten ist und wenn plötzlich hetzerische Inhalte unter meinem Namen veröffentlicht werden", sagte er dem WDR.

Noch mehr Betroffene

Der Abgeordnete erstattete sofort Strafanzeige. Das Kommissariat für Staatsschutz nahm Ermittlungen auf. In der Vernehmung hätten ihm die Beamten damals im November von mindestens zwei weiteren Fällen berichtet, bei denen Parlamentarier Opfer ähnlicher Hackerangriffe geworden waren. Auch von einer Abgeordneten der Grünen im Europaparlament weiß Reuther. Sie hatte sich bei ihm erkundigt, wie man mit gekaperten Facebook-Profilen umgeht.

Die Staatsschützer hätten ihm nach Bekanntwerden des großen Daten-Leaks Anfang Januar 2019 versichert, sie hätten alle Informationen an die zuständigen Bundesbehörden weitergeleitet. Auch die Bundestagsverwaltung hatte Reuther informiert.

Wer wusste wann wie viel?

Wenn ihm schon im November klar war, dass der Angriff auf seine Daten kein Einzelfall ist, warum wusste das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nicht früher davon, wundert sich Reuther.

Tatsächlich schrieb das BSI am 05.01.2019, es sei Anfang Dezember von einem Bundestagsabgeordneten über Unregelmäßigkeiten in dessen E-Mail- und Social-Media-Accounts informiert worden und habe diesen Fall in das Nationale Cyer-Abwehrzentrum eingebracht. Alle Beteiligten seien aber von einem Einzelfall ausgegangen.

Wie dies mit den Erkenntnissen des Abgeordneten aus Wesel zusammenpasst, wird sicherlich auch den Innenausschuss interessieren.

Stand: 07.01.2019, 17:28