Chempark Currenta

Heinen-Esser äußert sich: Currenta leitete weiteres Gift-Gemisch in den Rhein

Stand: 20.01.2022, 10:21 Uhr

Die Bezirksregierung Köln hat drei Sondergenehmigungen erteilt, mit denen Currenta mehr kontaminiertes Wasser in den Rhein leiten konnte als bisher bekannt war. Ministerin Heinen-Esser äußerte sich am Mittwoch im Landtag.

Von Daniela Becker

Nach dem Brand in der Sondermüllverbrennungsanlage von Currenta in Leverkusen-Bürrig Ende Juli wurde weit mehr kontaminiertes sogenanntes "Ereigniswasser" und Spülwasser aus den Tanks in die Kläranlage und damit in den Rhein geleitet als bisher bekannt. Das geht aus einem Bericht des NRW-Umweltministeriums an den Landtag hervor. Danach hat die Bezirksregierung Köln insgesamt drei Sondereinleitungen genehmigt. Am Mittwoch äußerte sich Ministerin Heinen-Esser dazu auch im Landtag.

Die Chronologie. Am 20.08.21 wurde Currenta "die Erlaubnis erteilt, den leeren Stapeltank 3 zu spülen und ca. 7.000 Kubikmeter über die Kläranlage in den Rhein einzuleiten", heißt es dort. Der Vorgang erstreckte sich über drei Tage.

Weitere Mengen des "aufgefangenen Ereignis-und Reinigungswassers" (1.120 Kubikmeter) wurden über ein "zweistufiges Aktivkohlesystem" ebenfalls über die Kläranlage in den Rhein abgegeben. Dazu steht im Bericht: "Die Einleitung ist noch nicht abgeschlossen".

Weitere Einleitungen in den Rhein – mit Genehmigung

Ursula Heinen-Esser, 14.06.2018

Umweltministerin Heinen-Esser

Außerdem genehmigte die Bezirksregierung Köln am 25.10.2021, dass Currenta einen Mix aus flüssigem Sonderabfall, Löschwasser und Spülwasser der Tanks von insgesamt 15.000 Kubikmeter (15 Mio. Litern) in Kläranlage und Rhein abließ. Dem Chemparkbetreiber wurde dabei die Auflage gemacht, "das Wasser mittels Aktivkohle vorzubehandeln und begleitend auf kritische Parameter" zu untersuchen, heißt es im Bericht von Umweltministerin Ursula-Heinen Essser (CDU) an den Landtag.

Diesen hat die Ministerin am Mittwoch im Umweltausschuss vorgestellt. In der Sitzung räumte Heinen-Esser ein, erst im Dezember von dem Vorgang gewusst zu haben. Sie wisse, dass das jetzt nicht gut aussehe, so die Ministerin. Das müsse intern aufgearbeitet werden. Dennoch blieben im Ausschuss viele Fragen offen: zum Beispiel, warum noch immer kontaminiertes Löschwasser in die Kläranlage eingeleitet und nicht abtransportiert und verbrannt wird. Man sollte doch denken, so der Grünen-Politiker Norwich Rüße, dass eine solche Einleitung von Umweltgiften in Kläranlage und Rhein im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich wäre.

Sonderabfall wurde zum Abwasser – kaum Abtransport zur Verbrennung

Nur ein geringer Anteil des belasteten Gemischs wurde als Sonderabfall in der entsprechenden Anlage von Currenta in Dormagen verbrannt. Laut Bericht bislang rund 105.000 Liter.  

9,5 Millionen Liter ohne Genehmigung im Rhein

Der WDR hatte Ende Dezember berichtet, dass Currenta ohne vorherige Genehmigung der Bezirksregierung 9,5 Mio. Liter mit Chemikalien belastetes Löschwasser in den Rhein gepumpt und dies Öffentlichkeit und Landtag verschwiegen hatte.

Der BUND erstattete nach weitergehenden Berichten des WDR-Magazins Westpol Anzeige gegen Currenta wegen Gewässerverunreinigung und unerlaubtem Umgang mit Abfall sowie gegen Mitarbeiter der Bezirksregierung Köln. Der Vorwurf: Strafvereitelung im Amt und Beihilfe zu einer Straftat.

Auch die politische Verantwortung für dieses Täuschungs- und Vertuschungsmanöver müsse geklärt werden, fordert der Gewässerschutzexperte des BUND, Paul Kröfges.

Chemieunfall - Wurde Giftmüll rechtswidrig entsorgt?

Westpol 16.01.2022 28:53 Min. UT DGS Verfügbar bis 16.01.2023 WDR

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