NRW-Wirtschaft: "Corona - die große Unbekannte"

NRW-Wirtschaft: "Corona - die große Unbekannte"

Von Sabine Tenta

  • Einige Branchen bereits von Coronavirus betroffen
  • Ob und wie sich die Krise auswirkt, ist völlig offen
  • Landesregierung stellt Hilfen in Aussicht

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagte mit Blick auf das Coronavirus, dass die Auswirkungen nur schwer abschätzbar seien: "Corona ist konjunkturell die große Unbekannte", so Pinkwart am Dienstag (03.03.2020) in Düsseldorf.

Ein Großteil der NRW-Unternehmen verspüre noch keine Folgen, betroffen seien jedoch Branchen, die auf Zulieferungen aus China angewiesen seien. Auch die Bereiche Logistik, Tourismus und Messebau hätten Einbußen.

Hilfen für betroffene Unternehmen

Entscheidend sei nun eine "passgenaue Hilfe", sagte Pinkwart. Dazu zähle ein Sofortprogramm zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen. Konkret könnten die Bürgschaftsbank NRW und das Landesbürgschaftsprogramm Kredite bis zu 1,5 Millionen Euro absichern.

Sollte ein Unternehmen gar unter Quarantäne stehen - aktuell trifft dies laut Pinkwart auf kein Unternehmen in NRW zu - dann könnten Betriebe eine Entschädigung für die Fortzahlung von Löhnen und Gehältern in Höhe von 90 Prozent beantragen. Zuständig seien die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe.

Pinkwart ermunterte Unternehmer auch, sich frühzeitig über mögliche Hilfen zu informieren. Die landeseigene Förderbank NRW.BANK und die regionalen IHK böten Beratung an.

Kurzarbeit als zentrales Instrument

Doch das wichtigste Instrument ist für Pinkwart die Kurzarbeit. Hier sei die Bundesregierung gefragt, ein sogenanntes "Kurzarbeitergeld Null" zu ermöglichen. Es greift auch dann, wenn die Mitarbeiter die Arbeit zeitlich befristet ganz einstellen müssen. Dieses Instrument habe sich in der Finanzkrise 2008/2009 bewährt.

Angesichts des Fachkräftemangels, der zu den großen Sorgen der Unternehmen in NRW gehört, sei es wichtig, das Personal halten zu können, betonte Pinkwart.

Höhepunkt der Krise März und April

Roland Döhrn vom RWI Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung sagte ebenfalls "da liegt vieles momentan im Dunkeln". Der Außenhandel werde in Mitleidenschaft gezogen und es würden "Wertschöpfungsketten gestört".

Zulieferungen aus China, die per Container kommen, bräuchten sechs Wochen. Darum sei ein Höhepunkt der Auswirkungen "erst im März, April" zu erwarten.

Zuversicht trotz Krise

Auch wenn die weitere Entwicklung voller unkalkulierbarer Risiken ist, in Summe ist Pinkwart zuversichtlich, dass die NRW-Wirtschaft nach der Coronakrise "schnell wieder in die Spur findet". Denn anders als während der Finanzkrise sei die Wirtschaft nun deutlich stabiler. Die Konjunktur in NRW habe zum Jahresanfang "einen Aufwärtstrend" gezeigt.

Schwere Zeiten für Messebauer

Nach der Absage etlicher Großveranstaltungen sehen sich vor allem Messebauer in der Krise. "Die aktuelle Lage ist dramatisch", sagte Jan Kalbfleisch vom Fachverband Messe- und Ausstellungsbau (Famab). "Wenn eine große Messe abgesagt wird, reißt das ein Riesenloch in die Auftragsbücher." Problematisch seien vor allem kurzfristige Absagen - etwa der Tourismusbörse ITB oder der Eisenwarenmesse in Köln. Zu diesem Zeitpunkt sei der Aufbau oft schon zu 90 Prozent abgeschlossen.

Corona: Wie gefährlich ist das Virus?

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.03.2020 04:16 Min. Verfügbar bis 03.03.2021 WDR 5


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Stand: 03.03.2020, 14:54

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