Corona-Lockdown: Eine Woche Kontaktverbot in NRW

Menschen mit Mundschutz warten mit Abstand zueinander vor einer Filiale der Sparkasse in Oberhausen

Corona-Lockdown: Eine Woche Kontaktverbot in NRW

Von Jörn Kießler

  • Auflagen und Kontaktverbot wegen Coronakrise bis mindestens Ostern
  • Soziologe: Manche ignorieren die Gefahr
  • Wirtschaft versus Solidarität mit Schwachen?

Seit einer Arbeitswoche gelten in NRW die Leitlinien zur Beschränkung der sozialen Kontakte, die Bund und Länder wegen des Coronavirus beschlossen haben. Neben des Kontaktverbots für mehr als zwei Personen ist vor allem die Wirtschaft betroffen.

Viele Händler, Dienstleister und Gastronomen mussten ihre Betriebe am Montag (23.03.2020) schließen. Die Einschränkung wird mit dem Schutz für ältere und vorerkrankte Menschen begründet - es soll das Risiko gesenkt werden, dass sie sich anstecken und schwer erkranken.

Aus Politik und Wirtschaft kommen aber nun bereits Forderungen, die Einschränkungen zu lockern. Eine erste Zwischenbilanz.

Wie lange müssen die Einschränkungen wegen des Coronavirus noch aufrechterhalten werden?

Offiziell gelten die Auflagen bis mindestens zum 5. April. Allerdings hat Kanzleramtschef Helge Braun klargestellt, dass es vor Ostern keine Lockerungen der bestehenden Einschränkungen geben werde. "Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen", sagte der CDU-Politiker dem "Tagesspiegel".

Zuvor hatt auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betont, dass man noch nicht "über den Berg" sei. "Wir sind mitten in der Krise und werden zum Ende der Osterferien beurteilen, wo wir stehen."

Wieso halten sich nicht alle Menschen an die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen?

"In Krisensituationen gibt es nach grober anthropologischer Einordnung drei Typen von Menschen", erklärt der Potsdamer Soziologe und Risikoforscher Ortwin Renn. "Die Totsteller, die Flüchtenden und die Kämpfer."

Während die Flüchtenden während der Corona-Krise kaum noch das Haus verließen und die Kämpfenden sich mit Hamsterkäufen eindeckten, um etwas zu tun, ignorierten die sogenannten Totsteller laut Renn die Situation einfach. "Solche Menschen reden sich dann ein, dass sie das Virus sicher nicht haben und sicher auch nicht die Menschen, mit denen sie Kontakt haben", so Renn.

Dass gerade junge Menschen diese Einstellung an den Tag legten, weil sie nicht zur Risikogruppe gehören, hält er für unwahrscheinlich. "Dafür müssten sie sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und wissen, dass sie vor allem als Überträger des Virus eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung spielen können", sagt Renn. Vielen sei aber nicht bewusst, dass sich auch junge Leute anstecken und dann das Virus übertragen könnten.

Wie lange übersteht die NRW-Wirtschaft den Ausnahmezustand?

"Darüber kann man keine seriöse Aussage treffen", sagt Thomas Meyer, Präsident der IHK NRW. Trotzdem sei es extrem wichtig, dass bereits jetzt überlegt werde, wie man die Wirtschaft in NRW schrittweise wieder hochfahren kann. "Eine Wirtschaft in kürzester Zeit lahmzulegen ist einfach, sie aber wieder zu beleben, ist schwierig."

Umso wichtiger sei es, dass sich die Menschen an die Auflagen hielten, damit diese nicht weiter verschärft würden. Systemrelevante Betriebe dürften nicht geschlossen werden. Und wie steht es mit der Solidarität? - Meyer betont: "Bei allen wirtschaftlichen Problemen, die durch das Coronavirus entstehen: Das Wichtigste ist die Gesundheit der Menschen."

Düsseldorfs OB: Über Lockerung der Einschränkungen nachdenken

WDR 2 27.03.2020 06:23 Min. Verfügbar bis 27.03.2021 WDR Online

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Stand: 28.03.2020, 10:00