Boostern nach vier Wochen - für alle?

Stand: 13.12.2021, 20:34 Uhr

Bereits vier Wochen nach der Zweitimpfung gegen Corona sollen sich besonders gefährdete Frauen und Männer boostern lassen können. NRW setzt damit eine Empfehlung der Stiko um. Und löst Verwirrung aus.

Vollständig gegen Corona geimpft? Bereits vier Wochen nach der Zweitimpfung können sich Frauen und Männer in NRW in den Impfstellen von Kommunen und Kreisen boostern lassen. Das regelte das Landesgesundheitsministerium am Montag in einem Erlass.

Die Empfehlung richte sich an Personen mit schwer eingeschränktem Immunsystem und einer erwartbar stark verminderten Immunantwort, hieß es. Damit setzte NRW eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) um.

Aber auch Menschen, bei denen die Grundimmunisierung weniger als fünf Monate zurückliege, dürften nicht abgewiesen werden, heißt es in dem Erlass - sofern ein Mindestabstand von vier Wochen erreicht ist.

Vierwöchiger Mindestabstand ist eine Untergrenze

Bei dem vierwöchigen Mindestabstand handele es sich ausdrücklich nicht um eine Empfehlung, sondern lediglich um eine Untergrenze, stellte eine Sprecherin auf Nachfrage des WDR klar.

Gibt es genug Impfstoff?

Ob es genug Impfstoff gibt, wenn die Booster so früh einsetzen und wie die Gemeinden den Erlass umsetzen, bleibt abzuwarten. Der Kreis Olpe beispielsweise machte bereits am Montag auf seiner Homepage auf die Möglichkeit zur Booster-Impfung schon vier Wochen nach einer Zweitimpfung aufmerksam. Der Kreis werde den neuen Landeserlass umgehend umsetzen, hieß es dort.

Stiko empfiehlt sechs Monate

Die Stiko empfiehlt im Regelfall bisher einen Abstand von sechs Monaten. Angesichts der erwarteten schnellen Ausbreitung der Omikron-Variante haben zuletzt aber Fachleute wie der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, auf eine Verkürzung des Abstands zwischen zweiter und dritter Impfung gedrängt.

Raschere Auffrischimpfung kann Ausbreitung beeinflussen

Eine raschere Auffrischimpfung könne die Ausbreitung sowohl der Delta- als auch der Omikron-Variante beeinflussen, "das zeigen die Erfahrungen aus Israel sehr eindrücklich", hatte Salzberger am Samstag den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt.

Drei Monate "sinnlos"

Zu enge Abstände zwischen der zweiten und dritten Ipfungen empfehlen die Fachleute hingegen nicht: Die Präsidentin der Immunologischen Gesellschaft, Christine Falk, hatte am Freitag in der "Aktuellen Stunde" erklärt, schon eine zweite Auffrischung nach drei Monaten sei immunologisch "wenig sinnvoll". Nach drei Monaten habe man immer noch ein hohes Niveau an Antikörpern im Blut. "Wenn Sie noch so hohe Spiegel haben, bringt der Booster nicht so viel", so Falk. "Irgendwann erreicht das Immunsystem auch sein Maximum."