Corona und Großveranstaltungen - Wer entscheidet was?

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

Corona und Großveranstaltungen - Wer entscheidet was?

Von Sabine Tenta

  • NRW-Gesundheitsminister Laumann trifft Kommunalvertreter
  • Gesundheitsbehörden stimmen sich mit Veranstaltern ab
  • Checkliste des RKI ist Entscheidungsgrundlage

In der Corona-Krise stimmen sich in NRW vor allem drei offizielle Akteure ab: das Gesundheitsministerium, die örtlichen Gesundheitsämter und, als zentrale Fachstelle, das Robert Koch Institut in Berlin. Das NRW-Gesundheitsministerium teilte am Montag (09.03.2020) mit, der Minister werde noch im Verlauf des Tages Kommunalvertreter treffen, um das weitere Vorgehen zu klären.

Am Sonntagabend hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in der ARD-Sendung "Anne Will" angekündigt, die Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) umzusetzen, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abzusagen.

Die Rolle der Gesundheitsämter

In NRW gibt es 53 Gesundheitsämter. Sie sind dafür verantwortlich, vor Ort Veranstaltungen konkret abzusagen oder Auflagen für die Durchführung zu formulieren. Eine Sprecherin der Stadt Köln betonte mit Blick auf das Derby zwischen Mönchengladbach und dem FC Köln am Mittwoch (11.03.2020): "Die Eigenverantwortung von Veranstaltern kann man hier nicht mal eben wegdiskutieren."

Die Verantwortlichen seien nicht nur aufgerufen, sondern auch verpflichtet, ihr Gesundheitsrisiko einzuschätzen. Die Stadt gebe Veranstaltern eine Checkliste zur Risikoeinschätzung an die Hand.

Es entsteht der Eindruck, als würden sich Veranstalter und Behörden gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Beide Seiten schrecken wohl vor Absagen zurück. Strittig ist nämlich die Frage, wer die Kosten dafür in welcher Höhe trägt.

Das Robert Koch Institut

Geht es um die Riskioeinschätzung, ist das Robert Koch Institut in Berlin die zentrale Anlaufstelle für alle Behörden, Ministerien und auch Veranstalter. Das Fachinstitut für Infektionskrankheiten ist als Bundesoberbehörde direkt dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt.

Das RKI bietet eine Checkliste zur Risikoeinschätzung von Großveranstaltungen (Stand: 28.02.2020). Konkret geht es um

  • die Zusammensetzung der Teilnehmer
  • die Art der Veranstaltung
  • den Ort der Veranstaltung und die Durchführung

Dazu gehören Fragen wie: "Kommt eine hohe Anzahl von Menschen zusammen, hohe Dichte?" "Keine zentrale Registrierung der Teilnehmenden" oder auch "Begrenzte Möglichkeiten/Angebote zur ausreichenden Handhygiene".

Erhöhter Gesprächsbedarf

Zumindest das lässt sich zurzeit sicher sagen: Die Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zu einem erhöhten Abstimmungsbedarf zwischen Ministerien, Behörden und Veranstaltern geführt. Am Ende wird es wohl viele individuelle, gut abgewogene Entscheidungen geben - hoffentlich.

Fluch und Segen: Politische Interessen und das Corona-Virus

WDR RheinBlick 05.03.2020 21:01 Min. Verfügbar bis 05.03.2021 WDR Online

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Stand: 09.03.2020, 16:21