Einzelhandel hofft auf Abschaffung der 2G-Kontrollen

Stand: 07.02.2022, 13:42 Uhr

Seit im Einzelhandel jeder Kunde am Eingang auf 2G kontrolliert werden muss, sind die Umsatzzahlen noch weiter gesunken. Die geplante neue Coronaschutzverordnung könnte ein Lichtblick sein.

Von Nina Magoley

Wenn am kommenden Mittwoch die aktuelle Coronaschutzverordnung ausläuft und neu formuliert wird, gehören Einzelhändler zu jenen, die sehnlichst auf Lockerungen hoffen. Besonders für die 2G-Regel gibt es dort kaum noch Verständnis.

"Die Einzelhändler halten sie mittlerweile für absolut sinnlos", sagt Carina Peretzke, Sprecherin beim Handelsverband NRW. Kunden würden abgeschreckt angesichts der Warteschlangen vor manchen Geschäften. Gleichzeitig sei der Personalaufwand immens: "Eine volle Kraft muss durchgehend am Eingang stehen, um Impfnachweise und Personalausweise zu kontrollieren." Von den ohnehin gesunkenen Umsätzen müsse diese zusätzliche Kraft auch noch bezahlt werden.

Bis zu 30 Prozent Umsatzverlust

Der Handelsverband NRW beziffert den Umsatzverlust seit Einführung der 2G-Regel mit 25 bis 30 Prozent. In den fünf Bundesländern, wo die 2G-Regel abgeschafft wurde - darunter Bayern, Hessen und Baden-Württemberg -, sei der Umsatzverlust dagegen auf 15 Prozent zurückgegangen.

Bundesweit stellte der Verband am Montag ein Rekord-Tief bei der "Anschaffungsneigung" der Kunden fest: "Fehlende Konsumanlässe, pandemiebedingte Einschränkungen beim Einkaufen vor Ort und die Unsicherheit bezüglich der weiteren Corona-Entwicklung" hielten Verbraucher von größeren Anschaffungen ab.

"2G hat die Impfquote nicht gesteigert"

Menschen stehen an der 2G-Kontrolle am Eingang zu einem Geschäft in der Schlange

Warteschlange wegen 2G-Kontrolle

Sauer seien die Einzelhändler auch deshalb, weil die 2G-Regel unter anderem eingeführt wurde, um die Impfquote zu erhöhen, sagt NRW-Sprecherin Peretzke. "Das ist gescheitert", stellt sie fest, "insofern macht es jetzt überhaupt keinen Sinn mehr, wenn wir weiter diese Belastung tragen müssen".

Und: Die Kontrollen sind nur in "Non-Food"-Geschäften Pflicht. Wer auch Lebensmittel im Angebot hat, kann sich die Kontrollen am Eingang sparen.

Würde eine neue Coronaschutzverordnung den Händlern nur noch Stichprobenkontrollen auferlegen, wäre das eine große Erleichterung, sagt die Verbandssprecherin. Das ließe sich durch das vorhandene Personal "auf der Fläche" gut auffangen.

FDP will Regel abschaffen

Bis Dienstag will sich die schwarz-gelbe NRW-Koalition auf eine neue Version der Coronaschutzverordnung einigen. Sie soll dann ab Donnerstag in Kraft treten. Die FDP im Landtag machte vorab bereits Druck: "2G im Handel muss fallen", sagte Fraktionschef Christof Rasche im "Deutschlandfunk". Die Regel entbehre inzwischen jeder Verhältnismäßigkeit, viele Geschäfte stünden vor der Pleite.

FDP-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart hatte bereits vor einer Woche im WDR ein Ende der 2G-Kontrollen im Einzelhandel gefordert. Eine solche Sonderregelung sei "sicherlich notwendig" gewesen, "aber wenn sie sehr lange andauert, dann leidet die eine Branche ganz besonders". Die Politik müsse alles tun, die Regelungen immer wieder neu auszubalancieren.

NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst mahnt zwar zur Vorsicht bei Lockerungen. Beim nächsten Zusammentreffen von Bund und Ländern am 16. Februar aber sollten "gemeinsam Öffnungsperspektiven für den Moment entwickelt werden, zu dem Klarheit besteht, dass das Risiko einer Überlastung des Gesundheitssystems nicht mehr gegeben ist". Das schrieb Wüst in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" am vergangenen Wochenende.

Wüst: FFP2-Masken könnten künftig ausreichen

Für den Einzelhandel sieht auch Wüst demnach dringenden Handlungsbedarf: Hier müssten als allererstes "Einschränkungen zurückgenommen werden, die im Verhältnis zu ihrem Nutzen große Belastungen auslösen". Auch er weist darauf hin, dass die Umsetzung und Kontrolle der 2G-Regel für viele Einzelhändler "große Anstrengungen" bedeute.

Wüst ist der Auffassung, dass künftig das Tragen einer FFP2-Maske als Schutz im Handel ausreichend sei.