30.000 Kinder und Jugendliche sind in Quarantäne

3D-Model der Delta-Variante des Coronavirus'

30.000 Kinder und Jugendliche sind in Quarantäne

Von Martin Teigeler

Die aktuellen Corona-Zahlen in NRW werden zunehmend zum Thema im Wahlkampf. 30.000 Schülerinnen und Schüler sind in Quarantäne. Die SPD kritisiert Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Laschet.

Auf Antrag der SPD-Opposition berät der Landtag am Donnerstag um 16 Uhr in einer Sondersitzung über die wieder angestiegenen Corona-Infektionszahlen. Corona sei ein Problem bei Kinder und Jugendlichen, die sich nicht impfen lassen können, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty am Montag in Düsseldorf. Gerade bei den Fünf- bis 14-Jährigen sei in NRW die "absolute Warnstufe" erreicht. Hier müsse man gegensteuern. Das Corona-Management von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sei "ein einziges Schulterzucken".

Thomas Kutschaty

SPD-Landeschef Thomas Kutschaty

Der SPD-Politiker warnte vor den Folgen von Long Covid bei Kindern und legte einen Sieben-Punkte-Forderungskatalog vor. Bei Corona-Fällen müsse es künftig eine neue fünf Tage lange Quarantäne für Schulklassen geben, bei der sich Schülerinnen und Schüler nach fünf Tagen mit einem PCR-Test freitesten lassen können, so Kutschaty. So würde weniger Unterricht ausfallen als bei einer 14-Tage-Quarantäne. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte selbst bereits vergangene Woche vorgeschlagen, die strikten Quarantäne-Regeln in Schulen zu lockern.

Schulministerin: Niedriges Niveau

Laut NRW-Schulministerium waren am 26. August landesweit 286 Lehrkräfte und 30.018 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne, bei 6.561 Schülern und 112 Lehrkräften sei eine Corona-Infektion bestätigt worden. Zum Vergleich: Anfang November 2020 waren allein 73.836 Schülerinnen und Schülern in Quarantäne.

"Die von den Schulen gemeldeten Infektionsfälle sind nach wie vor auf einem niedrigen Niveau". NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer

"Selbstverständlich spiegelt sich das ansteigende Infektionsgeschehen auch in Schule wieder. Die von den Schulen gemeldeten Infektionsfälle sind jedoch nach wie vor auf einem niedrigen Niveau", erklärte Schulministerin Gebauer.

SPD-Mann Kutschaty forderte mehr digitale Angebote von Schulministerin Gebauer für Kinder, die in Quarantäne sind. Weitere SPD-Forderungen, um den Anstieg der Infektionszahlen in NRW in den Griff zu bekommen: Mehr Luftfilter an Schulen, mehr Kinderkrankentage für Eltern, schärfere Kontrollen der 3G-Regeln, eine 2G-Regelung wie in Hamburg sowie eine Wiedereinführung der Kontaktnachverfolgung in NRW.

Veranstalter können 2G-Regel einführen

Zum 2G-Vorschlag der SPD teilte das NRW-Gesundheitsministerium am Montag mit, es bleibe Veranstaltern, Fußballvereinen oder Gastronomen unbenommen, "in ihrer Verantwortung eine 2G-Regel einzuführen". Ob die Veranstalter dann auch weniger Auflagen beachten müssten, ließ das Ministerium allerdings offen.

Die Corona-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen ist abermals gestiegen. Binnen sieben Tagen meldeten die Gesundheitsämter in dem Bundesland 127,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts am Montagmorgen hervorgeht. Am Vortag lag die Inzidenz bei 124,3 und eine Woche zuvor bei 103,3. Kein anderes Bundesland hatte so viele Neuinfektionen wie NRW, der Bundesschnitt lag am Montagmorgen bei 75,8.

Behindert der Wahlkampf die Corona-Bekämpfung?

Kutschaty erneuerte auch seinen Vorwurf, dass Ministerpräsident Laschet wegen seiner Kanzlerkandidatur nicht genug Zeit finde für das Corona-Krisenmanagement in NRW. Beim TV-Triell am Sonntagabend hatte auch Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock Laschet fehlende Luftfilter an NRW-Schulen vorgeworfen. Der CDU-Chef verteidigte seine Krisenstrategie in Nordrhein-Westfalen. Laschet verwies am Sonntag darauf, dass überall die Zahlen wieder anstiegen.

Das Ringen um die richtigen Corona-Maßnahmen und der Bundestags-Wahlkampf dürften auch bei der Landtags-Sondersitzung ineinander übergehen.

Stand: 30.08.2021, 17:06

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