Die Kinder in einer Kindertagesstätte machen eine Corona-Pooltestung (Lollitest).

NRW schafft anlasslose Corona-Tests in Kitas nach Ostern ab

Stand: 11.03.2022, 16:26 Uhr

Die Zeit der flächendeckenden Corona-Tests in Kitas ist bald vorbei. Nach Ostern soll es keine anlasslosen Testungen mehr geben. Das kündigte Familienminister Stamp an.

Von Christian Wolf

Die einen dürften diesen Schritt begrüßen, bei anderen wird er zu neuen Sorgen führen: In den nordrhein-westfälischen Kitas fallen die anlasslosen Corona-Tests bald weg. NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) kündigte das am Freitag an. So stelle das Land den Einrichtungen nach Ostern keine kostenlosen Schnelltests mehr zur Verfügung.

Joachim Stamp

Familienminister Joachim Stamp

Schon nach dem 3. April wird das Angebot für PCR-Pooltests beendet. Bislang können in den Kommunen einzelne Kita-Gruppen gebündelt die besonders sicheren PCR-Testungen bekommen. Wird dort ein positiver Fall entdeckt, werden die Kinder noch einmal einzeln nachgetestet. Das Land finanziert dieses aufwendigere Verfahren. Laut Stamp nehmen es bislang ein Viertel der Kommunen in Anspruch. Nach dem 3. April soll damit aber Schluss sein. Dann sind bis Ostern nur noch Schnelltests möglich.

Ärzte fordern Ende der Corona-Tests

Der Minister sagte, dass es zuletzt einen "intensiven Austausch" mit Kinderärzten und Wissenschaftlern gegeben habe. Deshalb nun dieser Schritt.

Erst wenige Stunden vor Stamps Ankündigung hatten Mediziner ein Ende der anlasslosen Corona-Testungen für Kinder gefordert. Die bisherigen zum Schutz gedachten Maßnahmen belasteten die Jungen und Mädchen eher als sie nutzten, kritisierte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Auch wenn die Infektionszahlen bei Kinder hoch seien, "spiegelt das die reale Krankheitssituation bei den Kindern überhaupt nicht wieder".

Die beiden BVKJ-Landesverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe betonten: "Wir sehen in unseren Praxen kaum Kinder, die an Corona erkrankt sind, wir erleben massenhaft Kinder, die bei völliger Gesundheit oder banalem Schnupfen aufgrund von Testmaßnahmen der Kita teilweise zum wiederholten Male fernbleiben müssen." Das sei der falsche Weg. "Wenn wir Kinder schützen wollen, dann muss endlich wieder gelten, dass wir über Krankheit reden und nicht über die Tatsache, dass ein gesundes Kind eventuell Viren in sich trägt."

SPD will an Tests festhalten

Die SPD kritisiert Stamps Entscheidung. Sie sei "verantwortungslos" und das Testangebot müsse "unbedingt aufrechterhalten werden", sagte Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion. "Engmaschige Tests sind unverzichtbar, um Infektionen zu erkennen und weitere Ansteckungen möglichst zu verhindern." Stamp müsse erklären, wie er Kita-Beschäftigte, Kinder und Familien künftig schützen wolle.

Langes Warten auf Testergebnisse

Zuletzt hatte es insbesondere um die PCR-Pooltests Diskussionen gegeben. Mancherorts mussten Eltern nach einem positiven Tests mehrere Tage auf das individuelle Ergebnis ihres Kindes warten. Bis dahin blieben die Kleinen zu Hause und Eltern mussten sich um die Betreuung kümmern. Dieser Stress fällt demnächst weg.

Andere Eltern werden das Test-Ende eher skeptisch sehen. Denn dadurch dürfte so manch eine Infektion demnächst unentdeckt bleiben und sich das Virus in Familien ausbreiten.

Viele Beschränkungen fallen weg

Die Entscheidung zum Ende der Corona-Tests in den Kitas muss auch im Zusammenhang mit den Corona-Entwicklungen auf Bundesebene gesehen werden. Denn in dieser Woche hatten Gesundheitsminister Karl Lauterbach und Justizminister Marco Buschmann einen Kompromiss zum weiteren Vorgehen verkündet. Demnach sollen nach dem 20. März die meisten der derzeitigen Beschränkungen aufgehoben werden.