Nicht alle Gesundheitsämter wollen Software "Sormas" zur Kontaktverfolgung nutzen

Mann mit Kopfhörer und Mundschutz an Büroschreibtisch vor Bildschirm, auf dem Coronavirus-Darstellung zu sehen ist

Nicht alle Gesundheitsämter wollen Software "Sormas" zur Kontaktverfolgung nutzen

Von Raphael Markert und Torsten Reschke

Die Einführungsfrist für die neue Software "Sormas" läuft heute ab. Sie soll Kontaktverfolgung in den Gesundheitsämtern einheitlich regeln. Der Deutsche Landkreistag befürchtet, dass viele Ämter das Programm nicht nutzen.

Wir sind in Siegburg. Zu Beginn der Pandemie hat man hier tatsächlich für jeden Infizierten Handakten angelegt. Seit einigen Monaten arbeitet das Gesundheitsamt mit „Sormas“. Dem Programm, das nach Willen von Bund und Land jetzt überall eingesetzt werden soll. Für Mitarbeiter Manuel Caspar bietet es viele Vorteile. „Ich kann zu jeder dieser 15.000 infizierten Personen im Rhein-Sieg-Kreis sagen, wer waren die Kontakte, die mit dieser Person in Quarantäne gingen“, sagt Caspar.

Entscheidende Neuerung: Die Gesundheitsämter bekommen mit „Sormas“ die Daten infizierter Personen vom Labor direkt ins System übermittelt. Diese Daten wurden bis Jahresende noch per Fax verschickt. Und: das Programm soll helfen, Daten zwischen den Gesundheitsämtern einfacher auszutauschen. Das Problem: Diese Funktion soll erst in einem späteren Update angeboten werden, stehen den Gesundheitsämtern also noch nicht zur Verfügung. Ein Grund, weshalb sich viele Kommunen weigern, Somas zu installieren und lieber mit ihrem alten System weiterarbeiten wollen.

Landesregierung macht Druck

Doch der Bund und das Land machen Druck. Heute läuft die Frist zur Einführung ab. NRW-Digitalminister Andreas Pinkwart (FDP) will unwillige Gesundheitsämter notfalls per Erlass zur Einführung zwingen.

Das Vorgehen von Bund und Ländern sei „unangebracht“, sagte der zuständige Dezernent des Deutschen Landkreistages, Kay Ruge, dem WDR. Er führe zu geringerer Akzeptanz in den Kommunen für das Programm. Zwar gebe es durchaus viele Kommunen, die Sormas gerne nutzen würden. „Andere werden sagen: Wir installieren zunächst mal, aber wir werden es nicht wirklich nutzen“, so Ruge.

Kritik von Städten und Landkreisen

Vielen Gesundheitsämtern fällt die Umstellung auch deshalb schwer, weil sie in den vergangenen Monaten eigene Software zur Corona-Fallbearbeitung entwickelt haben. „Das läuft reibungslos, und wir sehen noch nicht, dass Sormas all die Funktionen hat, die wir bräuchten, damit es genauso problemlos funktionieren kann“, sagt der Euskirchener Landrat Markus Ramers (SPD). Deshalb werde er „Sormas“ zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einführen.

In Nordrhein-Westfalen sperren sich deshalb auch weitere Kommunen, darunter Köln und Düsseldorf, noch gegen die Einführung der Software. Viele der 53 Gesundheitsämter im Land befürchten zudem, dass es kaum umsetzbar wäre, das Programm gerade dann einzuführen, wenn die Behörden durch hohe Infektionszahlen ohnehin noch stark belastet sind.

Stand: 28.02.2021, 10:06