NRW verschärft ab Mittwoch die Corona-Regeln

NRW verschärft ab Mittwoch die Corona-Regeln

Von Martin Teigeler

NRW führt am Mittwoch strengere Corona-Regeln ein. Im Zentrum stehen 2G im Freizeitbereich sowie 3G am Arbeitsplatz. Gesundheitsminister Laumann kündigte schärfere Kontrollen an.

Aufgrund des Anstiegs der Infektionszahlen verschärft Nordrhein-Westfalen ab Mittwoch die Corona-Regeln. "Die aktuelle Entwicklung des Infektionsgeschehens ist besorgniserregend. Hier müssen wir gegensteuern", sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag in Düsseldorf bei der Vorstellung der neuen Corona-Schutzverordnung.

2G, 2Gplus, 3G - Was ab Mittwoch gilt:

Karl-Josef Laumann , 24.06.2021

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

  • Im Freizeitbereich - zum Beispiel in Kinos, Zoos, Schwimmbädern, Kneipen, Restaurants, bei Konzerten, auf Weihnachtsmärkten und in Sportstadien und -hallen soll 2G gelten - also Zugang nur noch für Geimpfte und Genesene.
  • 2G betrifft auch körpernahe Dienstleistungen (mit Ausnahme für pflegerische Dienstleistungen und den Friseurbesuch - hier soll 3G angewendet werden, der Zugang für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete).
  • Laut Land NRW werden "weitgehende 3G-Regelungen etwa bei Messen und Kongressen, nicht freizeitorientierten Versammlungen in Innenräumen und standesamtlichen Trauungen" eingeführt.
  • Für den Zugang in "Einrichtungen mit hohem Infektionsgeschehen" wie etwa Clubs, Tanzveranstaltungen und Karnevalsveranstaltungen gilt das sogenannte 2Gplus - also eine zusätzliche Testpflicht. Laumann sprach von Veranstaltungen, auf denen "geschunkelt" wird.
  • Bei Missachtung der neuen Regeln drohen höhere Geldstrafen. Verstöße gegen die Maskenpflicht kosten künftig 150 Euro. Die Strafen reichen bis zu 5.000 Euro für das Ausstellen eines falschen Testnachweises.
  • Die Zugangsbeschränkungen treffen ungeimpfte Erwachsene. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 15 Jahre sind nach Angaben der Landesregierung von Beschränkungen auf 2G und 2G-plus ausgenommen.
  • Bundesweit gilt ab Mittwoch die 3G-Regel in Bussen und Bahnen sowie am Arbeitsplatz. Die Landesregierung hatte angekündigt, die Kontrollen unter anderem im ÖPNV in NRW sollten zusätzlich einzustellende Security-Mitarbeiter übernehmen.

Minister appelliert erneut an Ungeimpfte

Laumann rechnet durch die 3G-Regelung unter anderem am Arbeitsplatz mit etwa einer Million Bürgertests in Nordrhein-Westfalen pro Tag. Er gehe von landesweit gut einer Million ungeimpfter Arbeitnehmer aus.

Ungeimpfte Menschen sollten sich ihre ablehnende Haltungen zum Impfen nochmal überlegen, sagte Laumann. Ansonsten bliebe diese Gruppe abgesehen von Geschäften und Arbeitsplatz weitgehend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

In NRW sind aktuell laut Robert-Koch-Institut 82,3 Prozent der Menschen über 18 vollständig geimpft. Bei Menschen über 60 sind es 88,7 Prozent, bei den 18- bis 59-Jährigen sind es 79 Prozent. Zum Vergleich: In Sachsen sind nur 67 Prozent der über 18-Jährigen geimpft.

SPD und Grüne: Regierung handelt zu spät

Thomas Kutschaty

SPD-Landeschef Thomas Kutschaty

Die SPD warf Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erneut vor, zu spät auf die vierte Welle zu reagieren. NRW weiche zudem von den Bund-Länder-Beschlüssen ab, sagte SPD-Landeschef Thomas Kutschaty. Bund und Länder hätten eine 2G-Regel für alle körpernahen Dienstleistungen - zum Beispiel für Friseurbesuche - beschlossen. In NRW gelte hier aber nun 3G. Außerdem kritisierte Kutschaty, NRW hätte bereits Möglichkeiten des neuen Bundesinfektionsschutzgesetzes anwenden können.

Die Grünen monierten, die Aussagen Laumanns glichen einem "Offenbarungseid". Erst wenn die Hospitalisierungs-Inzidenz über Stufe 6 steige, wolle sich das Schwarz-Gelb die Frage stellen, was dann zu tun sei, sagte die Co-Vorsitzende der Grünen im Landtag, Josefine Paul. Sie warf der Landesregierung zudem vor, dass für die medizinische Fußpflege die 3G- statt 2G-Regel gelte. Auch Versäumnisse der Regierung bei der Impfkampagne prangerte Paul an. Am Mittwoch debattiert der Landtag in Düsseldorf über die aktuelle Corona-Lage.

Beim Besuch einer Impfstelle in Köln plädierte Wüst am Dienstagmorgen für eine "breite" Diskussion über eine Impfpflicht. Eine klare Position zum Thema bezog der CDU-Politiker allerdings nicht. Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) indes zeigt sich mittlerweile offen für eine verpflichtende Corona-Schutzimpfung. Auch Laumann schließt eine Impfflicht nicht mehr aus.

Stand: 23.11.2021, 16:57