Corona-Regeln in NRW: Jetzt gilt 3G statt Inzidenzstufen

Corona-Regeln in NRW: Jetzt gilt 3G statt Inzidenzstufen

Von Martin Teigeler

3G statt Inzidenzstufen: Nach Baden-Württemberg führt auch NRW Anfang August neue Corona-Regeln ein. Gesundheitsminister Laumann rief mit einem Intensivmediziner dazu auf, sich impfen zu lassen.

Kurswechsel in der Corona-Pandemie - das Inzidenzstufen-Modell ist nach Baden-Württemberg bald auch in NRW Geschichte. Stattdessen gilt mit der neuen Corona-Schutzverordnung ab Freitag künftig die 3G-Regel. Dies kündigte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag in Düsseldorf an. Das bedeutet, dass bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens nur noch Menschen offenstehen, die geimpft, genesen oder getestet sind. Die neue Verordnung gilt zunächst bis 17. September.

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Erneuter dringender Impf-Appell

Aktuell liegt die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen bei 58,8 pro 100.000 Einwohner. Laumann sprach angesichts der neuen Regeln von einem "schönen Tag" und einer "Zeitenwende". Zugleich rief der Minister mit einem Intensivmediziner eindringlich dazu auf, sich wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante impfen zu lassen.

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Die Abstands- und Hygieneregeln sollen weiterhin gelten. Wer in Clubs oder Diskotheken gehen oder an sonstigen Tanzveranstaltungen teilnehmen will, braucht als Nicht-Geimpfter oder Nicht-Genesener künftig einen negativen PCR-Test. Gleiches gilt bei sexuellen Dienstleistungen.

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Details zu 3G-Regeln

3G gilt demnach bei einer Sieben-Tage-Inzidenz über 35 für einen Besuch der Innengastronomie, bei einer Hotelübernachtung oder beim Sport in Hallen. Die 3G-Regel gilt demnach auch für Veranstaltungen in Innenräumen (zusätzlich Hygienekonzept), für körpernahe Dienstleistungen und Großveranstaltungen im Freien ab 2.500 Personen. Für den Besuch von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen gilt 3G laut Ministerium generell - also nicht erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35.

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Zur Frage, welche neue Kennzahl es zur künftigen Bewertung der Corona-Lage gibt, sagte Laumann, man habe noch keine Kennzahl. Sein Ministerium habe aber auch schon in der Vergangenheit nicht nur auf die Sieben-Tage-Inzidenz geschaut, sondern zum Beispiel auch auf den R-Wert und die Belegung der Intensivbetten.

Die SPD im Landtag begrüßte die 3G-Regel grundsätzlich, verlangte aber klare Kriterien für den Fall ansteigender Fallzahlen. Die Landesregierung habe "keinen Plan, wie sie künftig auf steigende Infektionszahlen reagieren und nach welchen Kriterien sie mögliche Maßnahmen konkret begründen will. Ihr Handeln bleibt damit weitestgehend intransparent", so der SPD-Abgeordnete Josef Neumann.

Maske ist weiter Pflicht

Die Maskenpflicht etwa im Einzelhandel sowie in Bussen und Bahnen gilt im ganzen Bundesland weiter. Die Impfzentren sollen wie geplant zum 30. September geschlossen werden. In den Arztpraxen und durch Angebote der Kommunen wie Impfbusse sollen die Impfungen weitergehen. Laumann warb dafür, dass sich 12- bis 17-Jährige impfen lassen.

Wer mit einem Vektor-basierten Impfstoff wie Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurde, kann laut Ministerium ab Ende Oktober (in der Pressekonferenz hatte Laumann von September gesprochen) eine Auffrischungsimpfung mit mRNA-Impfstoffen erhalten. Auch über 80-Jährige sollen eine dritte Impfung bekommen, wenn die Zweitimpfung über sechs Monate her ist.

Die neuen NRW-Regeln ähneln dem neuen Modell in Baden-Württemberg: Dort gilt bereits seit Montag die 3G-Regel statt Inzidenzstufen. Für Ungeimpfte bedeutet das auch dort eine Testpflicht in vielen Bereichen.

Lage in den Krankenhäusern "entspannt"

Rund 60 Prozent der NRW-Bevölkerung ist vollständig gegen Corona geimpft. Laut Robert Koch-Institut (RKI) verfügen gut 10,75 Millionen Menschen im bevölkerungsreichsten Bundesland über den vollen Impfschutz. 665 Patienten (172 davon auf Intensivstationen) werden derzeit wegen Corona in Krankenhäusern in NRW behandelt - mit leicht steigender Tendenz. Landesweit sind aber 645 Intensivbetten mit Beatmungstechnik frei. Laumann sprach von einer "entspannten Situation" in den Krankenhäusern.

Der Aachener Intensivmediziner Gernot Marx sagte, vollständig Geimpfte seien vor schweren Verläufen von Corona geschützt. Keiner der behandelten fast 450 Intensivpatienten der letzten Monate sei vollständig geimpft gewesen. Es gebe keinen rationalen Grund, sich nicht impfen zu lassen, sagte Minister Laumann. Die Lage sei eindeutig. Der Appell von Mediziner Marx: "Bitte lassen Sie sich impfen. Wir sind immer noch in einer Pandemie. Wir sind noch nicht über dem Berg."

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Stand: 17.08.2021, 18:31