Corona-Inzidenzen steigen - aber sind Verschärfungen nötig?

Steigende Corona-Zahlen: Impfkampagne stockt Aktuelle Stunde 22.07.2021 UT Verfügbar bis 29.07.2021 WDR Von Jan Hofer

Corona-Inzidenzen steigen - aber sind Verschärfungen nötig?

Von Christian Wolf

In NRW-Kommunen drohen wieder Beschränkungen. Doch sind die wirklich nötig? Die Aussagekraft der Inzidenzen ist durch die Impfungen anders. Minister Laumann will eine "neue Formel".

Als NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Anfang Juli weitreichende Corona-Lockerungen verkündete, klang das fast so wie das Ende der Pandemie. Ein "Leben wie vor Corona" sei im Grunde wieder möglich und eine "weitgehende Rückkehr in die Normalität". Diskotheken könnten öffnen, Volksfeste seien möglich.

Schon damals gab es Kritik an den angeblich zu forschen Schritten in NRW und es wurde auf die ansteckende Delta-Variante verwiesen, die schon in anderen Ländern die Zahlen steigen ließ. Genau das passiert nun auch in NRW und es stellt sich die Frage, ob nun die Lockerungen wieder zurückgenommen werden.

NRW-Inzidenz bei 14,4, Solingen bei 54

Die landesweite Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner an sieben Tagen) lag am Donnerstag laut Robert Koch Institut bei 14,4. Die Rate ist in NRW seit dem 9. Juli stetig nach oben geklettert. Für landesweite Beschränkungen ist sie aber noch zu niedrig.

Anders sieht das in einzelnen Kommunen aus. Dort sind die Werte schon deutlich höher. Spitzenreiter ist Solingen mit einer Inzidenz von 54. Ab Freitag gelten dort wieder mehr Beschränkungen.

Regeln in NRW sind an Inzidenzen gekoppelt

Denn noch immer ist es so, dass die Corona-Regeln in NRW an die Inzidenzen gekoppelt sind. Die meisten Freiheiten gibt es in der Stufe 0 mit Inzidenzen zwischen 0 und 10. Liegen die Zahlen zwischen 10,1 und 35, gilt Stufe 1. Danach kommt Stufe 2 bis zur Inzidenz von 50 und alles darüber gehört zur Stufe 3. Zwischen den Stufen gibt es ein paar Tage als Übergangsfrist.

Die Stadt Münster ist am Mittwoch von Stufe 0 wieder in Stufe 1 geklettert. Das führt unter anderem dazu, dass auf dem Wochenmarkt die Maskenpflicht gilt und die Zahl der Gäste in Schwimmbädern begrenzt wird. Auch in Düsseldorf bahnt sich eine Hochstufung an.

Je mehr Städte und Kreise demnächst in höhere Stufen mit strengeren Regeln kommen, desto mehr dürfte darüber diskutiert werden, ob allein die Inzidenzen dafür ausreichen. Denn rund 50 Prozent der Menschen in NRW sind mittlerweile vollständig geimpft. Selbst wenn die sich infizieren, werden wohl weniger schwer erkranken als vorher.

Intensivmediziner für Dreiklang

 Prof. Christian Karagiannidis, Präsident Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin

Christian Karagiannidis ist Präsident der Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin

Sind höhere Inzidenzen also nicht mehr so aussagekräftig? Ja und nein, würde der Kölner Intensivmediziner Christian Karagiannidis sagen. Die Inzidenzen seien zwar weiterhin wichtig, um die Infektionsdynamik in der Bevölkerung zu zeigen. Durch die Impfungen seien sie aber "nicht mehr ohne Weiteres übertragbar" darauf, wie viele Menschen schwer erkranken, sagte Karagiannidis am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. "Das Verhältnis wird sich deutlich verringern durch die Impfquoten." Deshalb brauche es einen "Dreiklang" aus Inzidenz, Patienten im Krankenhaus und auf Intensivstationen. Im Moment sei die Belastung für die Krankenhäuser "extrem gering".

Laumann will "neue Formel"

Ob in NRW der Mechanismus, der bislang rein auf die Inzidenzen basiert, geändert wird, ist noch unklar. Das Gesundheitsministerium will sich dazu nicht konkret äußern. Minister Laumann sagte am Donnerstag im WDR-Interview: "Ich glaube, wir brauchen eine neue Formel." Diese solle aber nicht nur für NRW gelten, sondern "für ganz Deutschland". Das Robert-Koch Institut und die Ständige Impfkommission arbeiteten "mit Hochdruck" daran.

Laumann: "Gesundheitsversorgung in Flutgebieten sicher"

WDR 5 Morgenecho - Interview 22.07.2021 07:41 Min. Verfügbar bis 22.07.2022 WDR 5


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Stand: 22.07.2021, 10:33