Coronakrise: Warnungen werden eindringlicher

Joachim Stamp, stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Coronakrise: Warnungen werden eindringlicher

Von Nina Magoley

  • Coronakrise zerrt auch Politikern an den Nerven
  • Familienminister Stamp spricht aufgewühlten Appell
  • Als zweifacher Vater selbstbetroffen

Es war ein sichtlich berührter Familienminister, der da beim täglichen Briefing der Landesregierung am Mittwoch (18.03.2020) regelrecht in Rage geriet. Zwar appellierte Joachim Stamp (FDP) schon zum wiederholten Mal an die Bevölkerung, jeder müsse jetzt sein "Ego zurücknehmen und Disziplin zeigen". Doch heute merkte man dem 49-Jährigen an, dass die für alle außergewöhnliche Situation auch Politikern allmählich an die Nerven geht.

Gerichtet war der Appell an die vielen Menschen in NRW, die auch gestern noch allen Anweisungen zum Trotz das schöne Wetter genutzt hatten, um sich in den Städten, am Rheinufer und in Parks in großen Gruppen zu treffen.

"Gut gemeint, aber unverantwortlich"

Dabei gilt seit Montag die strikte Anweisungen, jede Form von sozialen Kontakten, die nicht zwingend notwendig sind, zu unterlassen. Selbst private Grillpartys im eigenen Garten seien tabu. Schüler, die sich jetzt zu "Corona-Partys" verabredeten und womöglich "aus derselben Bierflasche trinken": "Un-ver-ant-wortlich", rief der Minister, und konnte dabei seine persönliche Fassungslosigkeit kaum verbergen. Dadurch entstünden wieder neue soziale Kontaktgruppen, die die Ausbreitung des Virus beschleunigen.

Stamp hatte - gegen den Beschluss der Bundesregierung - zunächst noch dafür gekämpft, dass in NRW Spielplätze offen bleiben. Auch das habe wegen ignoranten Verhaltens der Eltern nicht funktioniert.

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Selbst ältere Menschen - die als Risikogruppe für einen schweren Verlauf der Viruserkrankung gelten - sei der Ernst der Lage offenbar noch nicht bewusst, sagte Stamp. "Kinder dürfen jetzt auf keinen Fall von den Großeltern betreut werden", appellierte er eindringlich und betonte dabei jedes Wort: "Kinder müssen jetzt zuhause von den eigenen Eltern betreut werden."

Menschen mussten sterben, "weil es anderen egal war"

"Und wenn manche Leute sagen 'ich hab' doch mein Leben gelebt, dann ist es jetzt eben so'" - es gehe nicht nur um die eigene Situation, "sondern um die Gemeinschaft". Solidarität sei das Ziel, "nicht wie in Italien, wo ältere Menschen sterben mussten, weil es anderen egal war".

Er wisse , dass das für viele "brutal harte" Anforderungen seien, als Vater zweier Töchter sei es auch für ihn nicht einfach, eine Lösung zu finden. Dennoch sei "das Gebot der Stunde", alles zu tun, um die Infektionskette des Virus zu unterbrechen. "Wenn wir jetzt nicht diszipliniert sind, wird uns das nicht gelingen", rief er. Dann könnten auch noch "drastischere Maßnahmen" drohen.

Zuvor hatte auch Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) seine Betroffenheit deutlich spüren lassen angesichts der Aussicht, dass möglicherweise nicht genug Beatmungsgeräte in den Krankenhäusern zur Verfügung stehen, wenn demnächst die Zahl der schwer Erkrankten in die Höhe schießen sollte.

Corona-Briefing NRW #2 - Auf dem Spielplatz der Glaubwürdigkeit

WDR RheinBlick 17.03.2020 17:00 Min. Verfügbar bis 17.03.2021 WDR Online

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Stand: 18.03.2020, 17:14