Brauchen NRW-Schulen wieder eine komplette Maskenpflicht?

Ein Junge setzt sich eine Corona-Schutzmaske im Klassenzimmer auf

Brauchen NRW-Schulen wieder eine komplette Maskenpflicht?

Der Druck auf NRW-Schulministerin Gebauer wächst: Der Deutsche Lehrerverband NRW fordert die Lockerungen bei der Maskenpflicht zurückzunehmen. Nötig sei ein vollumfänglicher Schutz.

Der Deutsche Lehrerverband NRW rät dringend zu einer Ausweitung des Corona-Infektionsschutzes an den Schulen des Landes - mit einer Rückkehr zur alten Maskenpflicht. Verbands-Präsident Andreas Bartsch sagte dem WDR am Montag: "Ich halte die Entscheidung, die Maskenpflicht zum jetzigen Zeitpunkt auszusetzen, für hochriskant. Wir sind am Beginn des Winters und müssten eigentlich aus der Erfahrung des letzten Jahres gelernt haben." Sein Eindruck sei, "dass die Schüler lernfähiger sind als die Politik", denn rund Dreiviertel würden die Maske auch ohne Pflicht am Sitzplatz im Klassenraum tragen.

Jetzt gehe es nicht darum, die Schülerinnen und Schüler zu entlasten, sondern es gehe um den Infektionsschutz. Und der müsse "vollumfänglich" sein, forderte Bartsch. Ansonsten drohten Quarantänen und dass Elternhäuser wieder belastet würden.

Verband: Impfpflicht für Lehrkräfte wäre unverhältnismäßig

Eine Impfpflicht für Lehrkräfte ist nach Ansicht des Verbandspräsidenten hingegen nicht nötig. 90 Prozent seien doppelt geimpft, eine Pflicht zur Immunisierung sei darum unverhältnismäßig. Die Akzeptanz sei hoch, "weil Lehrer auch gern am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und gerne in Ferien fahren", erklärte der Funktionär.

Kutschaty (SPD): Umgehende Wiedereinführung der Maskenpflicht

Unterstützung erhält der Lehrerverband von SPD-Fraktionschef Kutschaty. Er sagte am Montag: "Die Fallzahlen steigen dramatisch, wir müssen jetzt schnell was tun, je später man auf die Bremse tritt, desto härter werden die Konsequenzen sein." Er forderte die Landesregierung auf, "dass sie umgehend die Maskenpflicht an Schulen wieder einführt". Dies sei nötig, um den Präsenzunterricht an den Schulen zu sichern.

Elternverein NRW für Beibehaltung der Maskenregeln

Ganz anders sieht es hingegen der Elternverein NRW. Die Landesvorsitzende Andrea Heck plädierte am Montag im Gespräch mit dem WDR für eine Beibehaltung der Lockerungen. Auch wenn ihre Mitglieder in der Frage gespalten seien: Die einen freuten sich, dass die Kinder am Platz keine Maske tragen müssen, die anderen seien besorgt angesichts der Infektionszahlen. Heck verwies auf Beispiele, in denen sich die Schulleitung mit den Eltern darauf geeinigt habe, dass die Kinder trotzdem auch am Platz weiterhin Masken tragen. Darum plädiert Heck dafür, "dass wir flexibel bleiben, dass wir wachsam bleiben". Und sie fordert Luftfilter, die gerade jetzt in der kalten Jahreszeit sinnvoll sein könnten.

Gebauer verteidigte Masken-Entscheidung

Auf Anfrage bekräftigte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag erneut ihre Position: "Die Aufhebung der Maskenpflicht am Sitzplatz war auch aufgrund von umfassenden Sicherheitsvorkehrungen in Schulen verantwortbar." Es bleibe jedem "unbenommen, für sich zu entscheiden, die Maske auch weiterhin im Unterricht zu tragen".

Bereits am Freitag hatte sie in einer lebhaften Landtags-Debatte gesagt, die Schulen im Land sind "sichere Orte".

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Wie stark sind Kinder und Jugendliche von der Pandemie betroffen?

Angesichts dieser Diskussion stellt sich die Frage, wie dramatisch die Infektionslage bei den Schülerinnen und Schülern in NRW wirklich ist. Zahlen des NRW-Gesundheitsministeriums belegen, dass die Zahl der Corona-Infektionen in den jungen Altersgruppen deutlich höher liegt, als bei den Älteren. Auch wenn die Zahlen nach den Sommerferien noch höher lagen, der Anstieg der Infektionen unter jungen Menschen ist signifikant. Bei der Aufschlüsselung nach 10-Jahresaltersgruppen liegt die Inzidenz bei den 10-19-Jährigen aktuell mit 212,9 am höchsten. Der Wert für ganz NRW beträgt aktuell 123,2.

Ein möglicher Grund dafür, dass die junge Altersklasse hervorsticht, ist wohl auch, dass Schülerinnen und Schüler - im Gegensatz zu anderen Altersgruppen - regelmäßig getestet werden und Infektionen hier stärker auffallen. Das räumt auch Andreas Bartsch, Präsident des Lehrerverbands NRW ein: "Weil wir testen, haben wir klare Zahlen vorliegen". Und der Schluss aus diesen Zahlen müsse sein, den Infektionsschutz zu erhöhen, damit Schüler die Infektionen nicht in ihre Familien tragen und an die Großeltern weitergeben.

Welchen Effekt die Lockerung der jüngsten Maskenpflicht in NRW auf die Infektionszahlen hat, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Die 7-Tage-Inzidenz bildet das Infektionsgeschehen in der Vergangenheit ab. In der Regel dauert es 14 Tage, bis seriös abgeschätzt werden kann, welchen Einfluss eine Corona-Schutzmaßnahme - oder ihr Weglassen - auf die Verbreitung des Virus hat. NRW hatte die Maskenpflicht am Sitzplatz im Klassenraum jedoch erst vor einer Woche aufgehoben.

Wo steht NRW im Vergleich zu anderen Bundesländern?

Und auch diese Zahlen sind wichtig, um das aktuelle Infektionsgeschehen einzuordnen: Im Vergleich zu anderen Bundesländern liegt NRW bei der 7-Tage-Inzidenz im unteren Bereich. Am Montag gibt das Robert Koch-Institut für NRW einen Wert von 123,2 an - das ist weit unter dem Bundesdurchschnitt von 201,1. Spitzenreiter ist Sachsen mit 491,3 gefolgt von Thüringen mit 427,5 und Bayern mit 316,2 Infektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage.

Bayern hatte zwischenzeitlich die Maskenpflicht in den Schulen gelockert, dies mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen aber wieder zurückgenommen.

Stand: 08.11.2021, 18:00