"Cold Cases": Erfahrene Spürnasen zur Mordermittlung gesucht

Untersuchung mit Mikroskop

"Cold Cases": Erfahrene Spürnasen zur Mordermittlung gesucht

Mehr als 1.000 Morde aus fünf Jahrzehnten sind bisher in NRW nicht aufgeklärt. Das Innenministerium ruft pensionierte Ermittler jetzt auf, bei der Aufklärung dieser "Cold Cases" mitzuhelfen.

Fast 24 Jahre ist es her, dass die damals 20-jährige Cindy Koch in Oberhausen tot in ihrer Wohnung gefunden wurde - mit Spuren schwerer Verletzungen. Die Polizei fand heraus, dass sie am Abend zuvor mit einem Mann aus der Disko nach Hause gekommen war.

Doch die Ermittler kamen diesem Unbekannten nie auf die Spur. Was in der Nacht geschah, blieb ein Mysterium, der Mordfall Cindy Koch ist bis heute ungelöst.

"Aktenzeichen XY...ungelöst"

Man sieht auf dem Bild die ermordete Frau Cindy Koch

Der Mörder von Cindy Koch ist bis heute unbekannt

Die Akten zu 1.160 solcher ungeklärten Mordfälle schlummern in den Archiven der Polizei in NRW. Fast 500 davon liegen mehr als 30 Jahre zurück. Findet die Polizei keine Spur zu einem Täter, dann schließen die Ermittler die Akte erst einmal. "Cold Cases" nennen Ermittler solche Fälle. Eigentlich sollen diese Akten immer mal wieder hervorgeholt werden.

So wurde auch der Fall Cindy kürzlich noch einmal aufgerollt. Die damals sichergestellten Spuren wurden mit neuester Technik untersucht. Dabei konnte auch die DNA des mutmaßlichen Täters analysiert werden. In der ZDF-Fernsehsendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" fragten Ermittler im Juli nach neuen Hinweisen.

Keine Zeit im Polizeialltag

Aber: "Es ist kein Geheimnis, dass Cold Cases neben dem Tagesgeschäft bearbeitet werden müssen", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag - und warb deshalb für neue Jobs mit genau dieser Aufgabe. Das Innenministerium sucht pensionierte Mord-Ermittler, die sich dieser "Cold Cases" annehmen können.

Unterhose mit Blutflecken, Schere

Alte Spuren mit neuen Techniken untersuchen

"Wir suchen Leute mit einer immer noch guten Spürnase, die Lust haben, jeden Stein nochmal umzudrehen, um die Täter zu kriegen", sagte Reul. 28 Stellen seien dafür ausgeschrieben. Die Stellen sollen mit ehemaligen Ermittlerinnen und Ermittlern besetzt werden, die Erfahrung haben in der Tatortarbeit, Aktenführung oder der Leitung von Mordkommissionen.

Die NRW-Polizei soll damit eine "besonderen Aufbauorganisation" (BAO) bekommen, in der ungelöste Fälle aus den vergangenen 50 Jahren bearbeitet werden. Seit 2017 gibt es beim Landeskriminalamt eine Datenbank für ungeklärte Tötungsdelikte. Insgesamt seien dort bereits 261 Fälle digital registriert, 23 wurden bislang neu aufgerollt. Die BAO soll die Aufarbeitung der Cold Cases künftig systematisieren, verbessern und beschleunigen.

Neue Jobs ab Oktober

Die künftige Arbeit der alten "Spürnasen" solle darin bestehen, Akten zu digitalisieren, Fälle strukturiert aufzuarbeiten, Aufklärungschancen zu erkennen und Ermittlungskonzepte zu erarbeiten, verkündete Reul. Neue Erkenntnisse über einen Fall, aber auch neue Techniken oder Rechtsgrundlagen könnten manchen Ermittlungen neuen Schub geben. Starten soll die Abteilung voraussichtlich im Oktober.

Stand: 30.07.2021, 12:14

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