Mehr Clans und mehr Delikte in NRW

Mehr Clans und mehr Delikte in NRW

Die Zahl der Delikte, die sogenannten Clans zugeschrieben werden, steigt in NRW. Innenminister Reul räumte ein, dass der Anstieg auch damit zusammenhängt, dass die Polizei genauer hinschaut.

Die sogenannte Clankriminalität in NRW steigt. 2019 seien rund 6.100 Straftaten von 111 türkisch-arabischen Clans verzeichnet worden, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag in Düsseldorf bei der Vorstellung eines Lagebilds. 2018 waren es demnach noch 4.595 Delikte von 104 Clans gewesen. Der regionale Schwerpunkt liege im Ruhrgebiet.

Der Anstieg hänge aber wohl damit zusammen, dass die Polizei genauer auf Clans blickt und mehr kontrolliert hat. Laut Innenministerium wurden zudem für 2019 mehr Deliktsarten und mehr Clan-Familiennamen erfasst. Es gehe um Straftaten wie Körperverletzung, Raub, Betrug und organisierte Kriminalität. Clans spielten in der gleichen Liga wie die italienische Mafia.

Die SPD bezeichnete das Lagebild als enttäuschend. "Bisher ist kein einziger Boss verhaftet worden. Es geht jetzt darum, die richtigen Schlüsse aus der Lage zu ziehen. Clankriminalität ist Organisierte Kriminalität. Das bedeutet: Innenminister Reul darf sich nicht nur auf die Laufburschen konzentrieren", kritisierte SPD-Innenexperte Sven Wolf.

Mehrfach Razzien seit Amtsantritt von Reul

Am vergangenen Wochenende waren bei einer Razzia gegen Clan-Kriminalität in sechs NRW-Städten 1.500 Polizisten im Einsatz gewesen. Seit dem Amtsantritt von Innenminister Reul hatte es in NRW mehrfach solche Aktionen gegeben.

Aus Sicht des Investigativ-Journalists Olaf Sundermeyer kann Clan-Kriminalität durch Razzien allein nicht bekämpft werden. Um die kriminellen Strukturen nachhaltig zu zerschlagen, bedürfe es vieler Maßnahmen, sagte Sundermeyer dem WDR. Dazu gehöre vor allem, dass den Verantwortlichen der Prozess gemacht wird und sie hinter Gitter kommen.

"Politik der Nadelstiche"

Wenn es nicht gelinge, solche aufwändigen Strafverfahren auf den Weg zu bringen, dann müsse man zu dem Ergebnis kommen, dass all die Razzien nichts gebracht haben, so Sundermeyer. Wichtig sei auch das von Reul angekündigte Aussteigerprogramm: Den in den kriminellen Clan-Strukturen verstrickten Menschen müssten Perspektiven aufgezeigt werden, wie sie auf legalem Weg Geld verdienen können.

"Das sind keine Hühnerdiebe, sondern echte Kriminelle - bis hin zu Schwerverbrechern", sagte derweil Reul. Eine "Politik der Nadelstiche" solle auch in Zukunft dafür sorgen, dass man das "Dunkelfeld dieser Machenschaften" weiter erhelle.

Clan-Kriminalität: "Es gibt eine Parallelgesellschaft"

WDR 5 Morgenecho - Interview 17.08.2020 06:10 Min. Verfügbar bis 17.08.2021 WDR 5


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Da viele Menschen, die den Nachnamen eines Clans tragen, nichts mit Kriminalität zu tun hätten, habe man sich entschieden, die Clannamen nur abgekürzt zu veröffentlichen, sagte Reul. Man wolle genau hinschauen, aber keine ausländerfeindlichen Klischees bedienen. Es komme ja auch niemand auf die Idee, der Polizei Italienerfeindlichkeit vorzuwerfen, weil man bei der Mafia genau hinschaue.

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Stand: 17.08.2020, 18:50

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