Laschets Nachfolge als CDU-Chef: Fünf Kandidaten aus NRW werden gehandelt

CDU: Tag der Entscheidung? Aktuelle Stunde 11.10.2021 42:38 Min. UT Verfügbar bis 18.10.2021 WDR Von Nils Rode

Laschets Nachfolge als CDU-Chef: Fünf Kandidaten aus NRW werden gehandelt

Von Christian Wolf

Das Rennen um die Nachfolge von Armin Laschet als CDU-Chef ist eröffnet. Fünf Personen werden dabei immer wieder genannt. Das Besondere: Sie kommen alle aus NRW.

Die Botschaft von Generalsekretär Paul Ziemiak am Montagmittag ist klar: Es braucht eine Erneuerung in der CDU - mit mehr Mitgliederbeteiligung. Darauf hätten sich Präsidium und Vorstand geeinigt, verkündet er in Berlin.

Das bedeutet: Die Zeit von Armin Laschet als CDU-Vorsitzender läuft aus - ohne dass er das Wort "Rücktritt" überhaupt in den Mund genommen hat. Er wird als Parteichef mit der kürzesten Amtszeit in die CDU-Geschichte eingehen.

Denn, so der Plan der CDU, schon am 30. Oktober kommen die CDU-Kreisvorsitzenden zu einer Konferenz zusammen, um zu diskutieren, wie viel Mitgliederbeteiligung bei der Suche nach einem neuen Chef oder Chefin eigentlich gewünscht ist.

Nur drei Tage später, am 02. November, trifft sich dann der Bundesvorstand, um eine endgültige Entscheidung auf Grundlage der Empfehlung der Kreisvorsitzenden zu treffen. Wird es eine Mitgliederbefragung geben? Und wenn ja, wie sieht der Weg dahin aus? Außerdem wird das Gremium festlegen, wann der CDU-Bundesparteitag stattfinden wird, bei dem der neue Vorsitzende gekürt wird. Und nicht nur das: Auch der Bundesvorstand wird dann komplett neu gewählt. Diese Legitimation brauche es jetzt, so Ziemiak.

Fünf Männer aus NRW sind im CDU-Rennen

Doch wer wirft seinen Hut nun als Nachfolger von Laschet in den Ring? Offiziell hat sich noch niemand geäußert und eine Kandidatur angekündigt. Doch es kursieren einige Namen: Jens Spahn, Friedrich Merz, Norbert Röttgen, Ralph Brinkhaus und Carsten Linnemann. Alle fünf eint nicht nur, dass sie Männer sind. Sie stammen auch noch alle aus dem NRW-Landesverband.

Schon in den vergangenen Monaten hatte es eine ungewöhnliche Machtkonzentration auf die NRW-Gruppe gegeben. Mit Parteichef und Kanzlerkandidat Laschet, Generalsekretär Paul Ziemiak und Fraktionschef Ralph Brinkhaus waren alle drei Spitzenposten mit NRW-Politikern besetzt. Andere mächtige Landesverbände gingen leer aus. Ob die es gut finden, dass jetzt wieder nur Männer aus NRW gehandelt werden, wird sich zeigen. Sie könnten auch sagen: Ihr aus NRW habt eure Chance gehabt, jetzt sind andere dran.

Das sind die möglichen Nachfolgekandidaten:

Jens Spahn

Jens Spahn auf Bundespressekonferenz zur Impfkampagne 08.09.2021

Der Gesundheitsminister hat turbulente Zeiten hinter sich. Zu Beginn der Coronapandemie konnte er sich als zuverlässiger Krisenmanager präsentieren. Doch irgendwann drehte die Stimmung und es war eher von Missmanagement die Rede. Die guten Beliebtheitswerte sanken dementsprechend. Inzwischen hat sich Spahn aus diesem Tal wieder etwas herausgekämpft. Doch der makellose Shootingstar ist er nicht mehr.

Mit seinen 41 Jahren würde Spahn allein vom Alter her für einen Neuanfang stehen. Doch neu ist er natürlich nicht. Schon 2018 wollte er CDU-Chef werden, als die Wahl auf Annegret Kramp-Karrenbauer fiel. Auf deren Nachfolge bewarb sich Spahn 2020 nicht, sondern trat mit Laschet als "Tandem" an. Doch ein Team wurde aus den beiden nie. Dafür gilt Spahn als zu ambitioniert und machtbewusst.

Der CDU-Vorsitz würde nun perfekt in seine Karriereplanung passen. Denn als Parteichef und dann womöglich auch Fraktionschef im Bundestag wäre Spahn der neue starke Mann und könnte sich aus dieser Position auf eine theoretische Kanzlerkandidatur in vier Jahren vorbereiten. Der CDU dürfte er dann wieder einen etwas konservativeren Anstrich verleihen.

Friedrich Merz

Friedrich Merz beim gemeinsamen Wahlkampfabschluss der drei mitteldeutschen CDU-Landesverbände.

Auch der Sauerländer gilt als konservativ. Mit ihm wäre der Bruch zu dem, was die CDU in den letzten Jahren unter Angela Merkel an Modernisierung vollzogen hat, am größten. Kritiker sagen sogar, dass Merz nicht mehr so ganz zeitgemäß sei und eher für eine Politik der frühen 2000er Jahre stehe, als er noch Fraktionschef im Bundestag war.

Geht es um einen wirklichen Neuanfang, hätte Merz zwei Nachteile: Mit 65 Jahren steht er nicht gerade für Aufbruch und außerdem haftet ihm nach zwei Niederlagen im Kampf um den Parteivorsitz ein bisschen der Verlierer-Ruf an.

Eine dritte Kandidatur lässt er bislang offen. Vergangene Woche sagte Merz: "Ob ich nochmal für den Parteivorsitz kandidiere oder nicht, das ist eine Frage, mit der ich mich nicht abschließend beschäftigt habe." Eine erneute Kandidatur bei einer Kampfabstimmung auf einem Parteitag schließt Merz aber aus. Er finde es richtig, "dass wir über Mitgliederbeteiligung sprechen". Denn: Unter den einfachen Mitgliedern sieht Merz seine Machtbasis – im Gegenteil zu den Parteitagsdelegierten und Funktionären, die ihn schon zwei mal abgelehnt haben.

Norbert Röttgen

Norbert Röttgen (CDU) kommt ans Konrad-Adenauer Haus vor den Gremiensitzungen der Partei nach der Bundestagswahl 2021.

Der Rheinländer ist ebenfalls kein Unbekannter. Röttgen hat auch schon eine Kandidatur um den CDU-Vorsitz hinter sich - gegen Laschet. Doch anders als Spahn und Merz steht er mehr für das liberale Gesicht der Partei. Mit ihm dürfte die Modernisierung der Merkel-Jahre weitergehen.

Röttgen ist zudem weder ein Laschet-Gefolgsmann, noch gehört er sonst zu Richtungs-Gruppierungen in der CDU. Allerdings wird er genau deshalb auch als Solitär ohne große Machtbasis wahrgenommen. In der Öffentlichkeit ist Röttgen weniger für polarisierende Parolen als für inhaltliche Analysen bekannt.

Ralph Brinkhaus

Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion, am Rednerpult des Bundesparlaments.

Als der Westfale 2018 überraschend zum Vorsitzenden der Bundestagsfraktion von CDU und CSU gewählt wurde, war das als Bruch mit Merkel verstanden worden. Denn Brinkhaus hatte sich gegen den langjährigen Vertrauten der Kanzlerin, Volker Kauder, durchgesetzt. Doch danach ging Brinkhaus nicht auf Konfrontation. Stattdessen wurde weiterhin geräuschlos zusammengearbeitet.

Schon im Frühjahr, als der Kampf zwischen Laschet und Markus Söder um die Kanzlerkandidatur ihren Höhepunkt erreichte, wurde Brinkhaus immer wieder mal als Alternative genannt. Doch wirkliche Chancen wurden im nie attestiert. So könnte es nun wieder laufen. Brinkhaus gilt als Außenseiter, der nur zum Zuge kommen dürfte, wenn sich die drei Hauptfavoriten gegenseitig aus dem Rennen schießen.

Carsten Linnemann

Carsten Linnemann (CDU) bei einer Sitzung des Bundestages.

Ebenfalls als lachender Dritter könnte am Ende der Paderborner Linnemann dastehen. Seine Machtbasis ist der Wirtschaftsflügel der Partei. Als Chef der CDU- Mittelstandsvereinigung MIT führt Linnemann die einflussreichste Gruppierung der Partei an. Sollte Merz den Wirtschaftsleuten zu wenig Aufbruch sein, könnte die Stunde von Linnemann schlagen. Mit 44 Jahren würde er einen Neuanfang darstellen. Ein Parteichef Linnemann wäre trotzdem eine Überraschung.

Und sonst noch?

Auch die Namen der drei Ministerpräsidenten Daniel Günther (Schleswig-Holstein), Tobias Hans (Saarland) und Michael Kretschmer (Sachsen) werden dieser Tage genannt, wenn es um junge Hoffnungsträger der Partei geht. Günther machte allerdings schon deutlich, dass er sich bei der Neuaufstellung der Partei nicht an "vorderster Front" sehe. Er und Hans stehen außerdem im kommenden Jahr vor nicht einfachen Landtagswahlen. Kretschmer muss sich hingegen vor allem um den politischen Kampf gegen die Rechtspopulisten von der AfD kümmern, die bei der Bundestagswahl in Sachsen besonders stark geworden waren.

Stand: 11.10.2021, 16:31

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