Armin Laschet: Der Keine-Experimente-Kandidat

Armin Laschet, 10.09.2020

Armin Laschet: Der Keine-Experimente-Kandidat

Von Stefan Lauscher

Armin Laschet ist neuer Vorsitzender der CDU. Beim Rennen um den CDU-Vorsitz setzte er sich in der Stichwahl gegen Friedrich Merz durch. Ein Portrait.

Armin Laschet hat das Kandidatenrennen für sich entschieden. Im Vorfeld sahen in viele Beobachter in der Pole-Position. Als Ministerpräsident in NRW ist er täglich in den Medien und dauerpräsent in Nachrichtensendungen und Talkshows. Die Frage ist nun: Kann er Kanzler?

"Stahlbad" Corona-Krise

Seit dreieinhalb Jahren ist er Ministerpräsident des größten Bundeslandes, seit zehn Monaten muss er sich täglich an der Corona-Front bewähren, Laschet selbst nennt es „ein Stahlbad“. Sein Krisenmanagement war nicht immer pannenfrei. Aber wirklich große Schnitzer hat er sich auch nicht erlaubt. Nordrhein-Westfalen ist, auch im Vergleich zu anderen Bundesländern, bisher ganz gut durch die Krise gekommen.

Drei Männer stehen an Mikrofonen vor einen großen Plakat mit der Aufschrift Impfzentrum Düsseldorf

Armin Laschet ist kein Überflieger. Kein großer Kommunikator. Keiner, dem die Herzen zufliegen. Eher der emsige Arbeiter. Wenn andere Länderchefs mit schnellen, harten Ankündigungen vorpreschen, denkt Laschet lieber noch einmal nach, hört sich Argumente an, wägt ab. Seine Kritiker nennen das „zögerlich“. Er sagt: „Ich bin wie ich bin“.

Aachener mit rheinischer Unverwüstlichkeit

Der Mann mit Reihenhaus in Aachen-Burtscheid wird im kommenden Monat 60. Rütteln am Zaun des Kanzleramtes: Nicht sein Stil. Er ist bodenständig, aufgewachsen im katholischen Milieu. Europa ist ihm wichtig, nicht erst seit seiner Abgeordnetenzeit im EU-Parlament.

Armin Laschet (CDU) sitzt mürrisch schauend mit verschränkten Armen auf der Regierungsbank

Laschet auf der Regierungsbank

Und: Auch nach vielen Jahren in der Politik hat er sich eine angenehme, rheinische Unverwüstlichkeit bewahrt: Er kann noch über sich selbst lachen. Sagt, dass er „Spaß“ an Politik hat. Das sind Töne, die man im verbissenen Berlin lange nicht mehr gehört hat.

Zur Biografie Laschets gehört, dass er mehrfach parteiinterne Wahl verloren hat und erst im zweiten Anlauf erfolgreich war: 2012 CDU-Landesvorsitzender, 2013 Fraktionschef im Landtag, 2017 Ministerpräsident. Diesmal muss es, wenn das was werden soll mit Bundesvorsitz und Kanzlerkandidatur, gleich im ersten Anlauf klappen. Dafür hat er Jens Spahn als möglichen Parteivize mit ins Boot geholt. Das soll für Stimmen bei den Jungen und Konservativen sorgen. Strategisch ein kluger Schachzug.

Politiker der Mitte

Und das Programm? Armin Laschets Programm ist klar. Es heißt: Weiter so. Mitte. Merkels Mitte. „Ich finde, wir sollten soviel Kontinuität wie möglich dieser Politik der Mitte erhalten“ sagt er. Perspektivisch würde er auch im Bund wohl gerne mit der FDP regieren – so wie in NRW. Aber auch Schwarz-grün: Für Laschet wäre das kein Problem.

CDU-Vorsitz: "Laschet will in der Mitte bleiben"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 05.01.2021 02:34 Min. Verfügbar bis 11.01.2022 WDR 5 Von Sabine Henkel


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In den Umfragen stand der Kandidat Laschet lange Zeit nicht gut dar, hat zuletzt aber deutlich aufgeholt. Ohnehin folgen Parteitage immer ihrer eigenen Logik. Denn dort wählen nicht Mitglieder von der Basis, sondern Delegierte, Mandatsträger, Parteifunktionäre. Und die entscheiden weniger aus dem Bauch, sondern vor allem strategisch. Armin Laschet steht für Mitte, für Berechenbarkeit, für: keine Experimente. Das ist sein großes Pfund im Kandidatenrennen.

Stand: 15.01.2021, 12:34