CDU-Kandidaten Laschet, Merz und Röttgen: Die drei Männer aus NRW

Ein leeres Rednerpult der CDU

CDU-Kandidaten Laschet, Merz und Röttgen: Die drei Männer aus NRW

Von Jochen Trum

Ab Freitag entscheiden 1.001 CDU-Delegierte über die neue Parteispitze. Zur Wahl stehen drei Männer aus NRW: Ein Westfale und zwei Rheinländer. Eine Nahaufnahme.

Im Jahr 2005 unter Wahlsieger Jürgen Rüttgers hat die CDU an Rhein und Ruhr verstanden, was sie erreichen kann, wenn sie geschlossen auftritt. Nach einigen Höhen und Tiefen in den letzten Jahren konnte sie diese Einigkeit weitgehend bewahren.

Heute ist der Landesverband NRW in der Bundespolitik zahlenmäßig gut vertreten: Der Generalsekretär im Adenauerhaus, Paul Ziemiak, stammt aus dem Westen (Iserlohn), ebenso wie der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Ralph Brinkhaus (Gütersloh). Mit Jens Spahn und Anja Karliczek (beide Münsterland) gibt es zwei Bundesminister, hinzu kommen Staatssekretäre wie Günter Krings (Mönchengladbach) oder Thomas Rachel (Düren).

CDU-Vorsitz: "Laschet will in der Mitte bleiben"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 05.01.2021 02:34 Min. Verfügbar bis 11.01.2022 WDR 5 Von Sabine Henkel


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Und nun also noch ein Bundesvorsitzender aus dem Westen? Wenn eins sicher ist, dann das. Inhaltliche Unterschiede zwischen den drei Politikern gibt es durchaus, auch wenn niemandem verborgen bleibt, dass sie derselben Partei angehören. Das C können sie alle intonieren. Einen Unterschied zwischen den Bewerber gibt es vor allem im Stil.

Aus dem Sauerland: Friedrich Merz mit e

Friedrich Merz spricht beim NRW-Tag der Jungen Union in Soest, 28.09.2019

Friedrich Merz

Friedrich Merz schöpft seine Stärke vor allem aus der Gegnerschaft zu Angela Merkel. Zwischen den beiden hat sich über Jahre ein regelrechter Dualismus entwickelt. Oder auch so etwas wie eine christdemokratische Dialektik. Die Schmach, von Merkel 2002 aus dem Weg geräumt worden zu sein, hat ihn erst zu dem gemacht, der er gefühlt die letzten Jahre über war: Antithese und Führungsreserve.

Und Merkel hat sich durch den damaligen Coup, den Fraktionsvorsitz an sich zu ziehen, Respekt erworben, seine Niederlage war ihr Triumph, eine Grundlegung ihrer Karriere. Das eine geht nicht ohne das andere. Sie können also nicht miteinander, aber vielleicht kann er auch nicht ohne sie. Je mehr es "merkelte" im Land und der Union, desto größer erschien der Sauerländer. Verschwindet mit seiner Nemesis Angela Merkel also auch Friedrich Merz von der politischen Bühne?

Wenn es nach den Wirtschaftspolitikern und den Konservativen in der Union geht, darf das nicht passieren. Man mag Merz für einen Mann von gestern halten, wie das vor allem viele außerhalb der Union tun. Doch sein schneidiges Auftreten, die Klarheit, mit der er im ihm eigenen Stakkato formulieren kann, machen aus ihm einen profilierten Kopf. Der Wille zur Macht ist bei ihm am deutlichsten zu spüren und das muss kein Nachteil sein. Hätte er das ein oder andere Fettnäpfchen in den letzten Monaten ausgelassen, stünden seine Chancen vielleicht etwas besser.

Aus dem Rhein-Sieg-Kreis: Norbert Röttgen

Norbert Röttgen ist stets wie aus dem Ei gepellt. Ob als Minister, als Abgeordneter, im Fernsehstudio oder am Rednerpult. Selbst beim Laubfegen im heimischen Garten sieht er aus, als sei das Foto für den Katalog eines Händlers von Outdoor-Mode entstanden. Der Mann strebt nach Perfektion, im Aussehen, im Verhalten, im Reden. Er weiß, dass er einen scharfen Verstand hat, und das lässt er andere auch allzu gern spüren.

Mit seiner Kandidatur hat er viele überrascht, aber eines hat er schon jetzt erreicht: Er ist in aller Munde, niemand in der Union bezweifelt, dass "der Norbert" auch nach dem Parteitag eine Rolle in der CDU spielen wird. Alles an ihm ist geschliffen und bundesweit fliegen ihm mittlerweile mehr Herzen zu als anfangs zu erwarten war.

Nur im eigenen Landesverband, da sieht das etwas anders aus. Nicht vergessen haben viele die bittere Wahlniederlage, die der gelernte Rechtsanwalt seiner Partei bei der vorgezogenen Landtagswahl 2012 eintrug. Er brachte gar die Kunst fertig, das eigene Lager zu demobilisieren. Seine beharrliche Weigerung, sich für den Fall der Niederlage mit der Rolle des Oppositionsführers zu bescheiden, trug im Kritik und Spott ein. Dabei haben sie alle auf ihn eingeredet, genutzt hat es nichts.

Unbelehrbar ist deswegen ein Adjektiv, das seitdem nicht mehr von seiner Seite weicht. Egal, wie die Wahl am Samstag ausgeht, dass ein smarter, eloquenter und kundiger Mann wie Röttgen in der bundesdeutschen Politik einen Platz haben sollte, dürfte nur noch der politische Gegner bezweifeln.

Aus dem äußersten Westen: Armin Laschet

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bei der Neujahrsansprache 2021

Dass Armin Laschet häufig unterschätzt wurde in seiner politischen Karriere, ist inzwischen fast ein Allgemeinplatz. Das mag an Äußerlichkeiten liegen, seiner mitunter fröhlichen Art etwa, dem verschmitzten Lächeln, seiner rheinischen Art zu sprechen („Januwar“). Wie er gestikuliert, sich bewegt - gravitätisch wirkt das alles nicht. Eher normal, unscheinbar, manchmal auch unbeholfen.

Doch das ist nur die eine Seite. Wer Armin Laschet näher kennt, sieht auch seine Stärken. Der Aachener ist gleichermaßen traditionsbewusst wie anschlussfähig. Er ist nicht dogmatisch, kann zuhören, Argumente und Stimmungen aufnehmen. Dabei hat er politische Überzeugungen, die er eben nicht wechselt, wie andere die Unterhemden. Und er hat ein stattliches Netzwerk in der Partei aufgebaut.

Laschet ist Katholik, er ist Europäer, er ist liberal und weltoffen. Dass er in der Partei ist, in der einst auch Konrad Adenauer und Helmut Kohl waren, scheint ihn jedes Mal, wenn er es ausspricht (und das tut er nicht selten), mit Stolz zu erfüllen. Geschichte, politische Symbolik, patriotisches Pathos, dafür hat er einen Faible. Und auch, wenn beim Regieren in NRW mal was daneben geht, seine Freude am Amt scheint das nicht zu schmälern.

Sicher, er ist mit der Zeit etwas dünnhäutiger geworden, fährt auch schon mal aus der Haut. Aber er ist weder nachtragend noch scheint er an sich oder anderen zu verzweifeln. Mut und Optimismus haben ihn bislang nicht verlassen, mit Niederlagen kann er umgehen, mit Siegen auch. Kanzler ist kein Lehrberuf. Alle, die es bisher waren, haben sich erst im Amt dran gewöhnen können.

Stand: 13.01.2021, 11:30