Norbert Röttgen: Smart, eloquent, eigensinnig

Norbert Röttgen, CDU

Norbert Röttgen: Smart, eloquent, eigensinnig

Von Jochen Trum

Im Rennen um den CDU-Vorsitz galt Norbert Röttgen als ernstzunehmende Konkurrenz für Armin Laschet und Friedrich Merz. Doch bei der Wahl war er letztendlich der Erste, der ausschied.

Schon im ersten Wahlgang war für Norbert Röttgen der Traum vom CDU-Bundesvorsitz vorbei. Der smarte und eloquente Außenpolitiker kam auf gerade einmal 224 der abgegebenen Stimmen und lag damit weit abgeschlagen hinter seinen Konkurrenten.

Dabei sah es zuletzt gar nicht mal schlecht für ihn aus. Zwar hatte er mit seiner Kandidatur viele überrascht, aber eines hatte er in den vergangenen Monaten erreicht: Er ist in aller Munde. Niemand in der Union bezweifelt, dass "der Norbert" auch nach dem Parteitag eine Rolle in der CDU spielen wird. Alles an ihm ist geschliffen - und bundesweit fliegen ihm mittlerweile mehr Herzen zu als anfangs zu erwarten war.

Wie aus dem Ei gepellt

Norbert Röttgen ist stets wie aus dem Ei gepellt. Ob als Minister, als Abgeordneter, im Fernsehstudio oder am Rednerpult. Selbst beim Laubfegen im heimischen Garten sieht er aus, als sei das Foto für den Katalog eines Händlers von Outdoor-Mode entstanden. Der Mann strebt nach Perfektion, im Aussehen, im Verhalten, im Reden. Er weiß, dass er einen scharfen Verstand hat, und das lässt er andere auch allzu gern spüren.

"Deutschlands beste Jahre kommen noch", behauptete Norbert Röttgen 2009. Damals veröffentlichte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter diesem Titel ein Buch. Daraus sollte Optimismus sprechen. "Warum wir keine Angst vor der Zukunft haben müssen", war der Untertitel.

So sieht sich der 55.jährige Jurist bis heute: mutig, zukunftsoffen, tatkräftig. Aber das Buch sollte auch zeigen: Seht her, hier ist einer, der es in der Politik der Bundesrepublik noch zu etwas bringen wird. An Ehrgeiz und Selbstbewusstsein hat es dem Katholiken aus Meckenheim nie gemangelt.

Sicherheitspolitiker

Seit 1982 ist Röttgen CDU-Mitglied, in den 90er Jahren war er Landesvorsitzender der Nachwuchsorganisation Junge Union. Bei der Wahl 1994 griff er erstmals nach einem Mandat für den Deutschen Bundestag, das er 1998 – Helmut Kohl wurde abgewählt – gegen den Trend behaupten konnte.

Nach acht Jahren im Parlament bestand er bei der Wahl 2002 zusätzlich zu seinem Direktmandat im Wahlkreis Rhein-Sieg II auch auf einem sicheren Listenplatz. Eigene Interessen vor Parteiinteressen? Netz und doppelter Boden? Die Lokalpresse sprach seinerzeit von parteiinternem Missfallen.     

Eigener Kopf

Norbert Röttgen hat seinen eigenen Kopf. Das zeigte sich auch 2006, da war er bereits parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag. Der Politiker ließ seine verblüfften Kollegen wissen, dass er als Fraktionsgeschäftsführer auf den lukrativen Posten des Hauptgeschäftsführers des BDI (Bund der Deutschen Industrie) wechseln wollte. Sein Bundestagsmandat wollte er aber auch als Cheflobbyist der deutschen Wirtschaft behalten. Die Empörung war groß, am Ende entschied sich Röttgen dann doch für die Politik, BDI-Chef Jürgen Thumann musste sich jemand anderen suchen.

Umweltminister und Karrierepläne

Röttgen machte gleichwohl Karriere. Im Herbst 2009 rückte er als Nachfolger von Sigmar Gabriel (SPD) an die Spitze des Bundesumweltministeriums. Und nach der verlorenen Landtagswahl 2010, als die CDU einen Nachfolger für Landeschef Jürgen Rüttgers suchte, war es Röttgen, der sich mit Armin Laschet ein Duell lieferte. Röttgen gewann die Mitgliederbefragung, vermutlich auch, weil er in den vorausgegangenen Diskussionsrunden rhetorisch punkten konnte.  

Debakel Landtagswahl 2012

Norbert Röttgen spricht auf einem Podium vor der Presse

Röttgen im Wahlkampf 2012

Doch dann kam die vorgezogene Landtagswahl 2012, bei der Röttgen für die CDU als Spitzenkandidat antrat. Nicht vergessen haben viele die bittere Wahlniederlage, die der smarte Bundespolitiker seiner Partei eintrug. Er brachte gar die Kunst fertig, das eigene Lager zu demobilisieren.

Seine beharrliche Weigerung, sich für den Fall der Niederlage mit der Rolle des Oppositionsführers in Düsseldorf zu bescheiden, trug im Kritik und Spott ein. Dabei haben sie alle auf ihn eingeredet, genutzt hat es nichts. Unbelehrbar ist deswegen ein Adjektiv, das seitdem nicht mehr von seiner Seite weicht.

Am Ende kostete ihn das Debakel im Westen auch den Job des Umweltministers, Kanzlerin Merkel servierte Röttgen kurzerhand ab: Entlassung. Einen Rücktritt hatte „Muttis Klügster“ abgelehnt.

Norbert Röttgen auf WDR 2: "Erneuerung und Zukunftskompetenz"

WDR 2 15.01.2021 03:51 Min. Verfügbar bis 15.01.2022 WDR 2


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Jetzt ist sie also gelaufen, die Wahl um den CDU-Bundesparteivorsitz. Auch wenn Röttgen als einer der Verlierer vom Platz geht: Dass ein smarter, eloquenter und kundiger Mann wie Röttgen in der bundesdeutschen Politik einen Platz haben wird, dürfte nur noch der politische Gegner bezweifeln.   

Stand: 16.01.2021, 11:50

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