Armin Laschet: Germany‘s Next Chancellor?

Armin Laschet: Germany‘s Next Chancellor?

Von Jochen Trum

Ein Parteitag wie eine Casting-Show. Ein Sieger, der seinem Vater vieles verdankt. Unterkühlte und unsichere Verlierer. Und der Werbeblock des Gesundheitsministers. Eine Analyse.

Endlich, werden sich viele denken. In der CDU und außerhalb. Endlich ist es entschieden, endlich gibt es einen neuen CDU-Vorsitzenden, endlich ist der schier endlose Wahlkampf vorüber.

Niemand konnte zu Beginn letzten Jahres ahnen, dass die Suche nach einer Nachfolge für Annegret Kramp-Karrenbauer nahezu ein Jahr dauern würde. Dass sich die CDU über quälende Wochen mit sich selbst beschäftigen würde, und das in einer Zeit, in der das Land mit einer Krise historischen Ausmaßes ringt.

Höhepunkt seiner Karriere

Der neue Parteivorsitzende Armin Laschet spricht nach seiner Wahl beim digitalen Bundesparteitag der CDU.

Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender

Nun ist es Armin Laschet. Tatsächlich. Der Aachener hat geschafft, was ihm bis vor einiger Zeit kaum jemand zugetraut hätte. Landesvorsitzender, Fraktionsvorsitzender, Ministerpräsident und jetzt Bundesvorsitzender der CDU. Nun steht er in einer Reihe mit Adenauer, Kohl und Merkel. Und jetzt vielleicht sogar Kanzler?

Kurz vor seinem 60. Geburtstags ist Laschet jedenfalls auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Laschet hat immer daran geglaubt, dass es klappen kann. Er war von seinem Kurs überzeugt. Keinen Bruch mit der Ära Merkel, keine Polarisierung, sondern die Partei und ihre unterschiedlichen Lager zusammenhalten, das war und ist sein Credo. Einen Sieg von Friedrich Merz, so machte es gelegentlich in kleineren Runden den Anschein, konnte oder wollte der Aachener sich schlicht kaum vorstellen.

Ein Rede für Herz und Seele

Laschet hat es verstanden, in der Partei die richtigen Saiten zum Klingen zu bringen. Er hat viel telefoniert, Delegierte bearbeitet, bis zuletzt. Sein über Jahre aufgebautes Netz kam ihm dabei zugute. Ob am Ende wirklich seine gute Rede den Ausschlag gegeben hat, behaupten zwar nun viele, wissen tut es aber niemand. Sicher, die Rede war emotional. Sie hatte einen Anfang und ein Ende, kreiste um ein das zentrale Thema Vertrauen und war ideal auf die Bedürfnisse einer Partei abgestimmt, die isoliert und vielleicht auch ein bisschen orientierungslos vor den heimischen Rechnern hockt.

Als einziger der drei Kombattanten hat Laschet es verstanden, dass eher die Mechanismen einer Casting-Show gefragt sind als die eines klassischen Präsenzparteitags. Leise Töne, Pausen an den richtigen Stellen und Menschliches wohl dosiert, das wirkte auf dem Schirm intimer und intensiver als verbale Hammerschläge. Herz und Seele der CDU hat Laschet erreicht.

Der Auftritt der anderen

Friedrich Merz hat es wieder nicht geschafft. Seine Rede hatte zwar einige bemerkenswerte Passagen, war besser als in Hamburg 2018, konnte aber einfach nicht zünden. Zu kühl, zu technokratisch. Und Norbert Röttgen, der ein achtbares Ergebnis eingefahren hat, war sichtlich nervös. Und Nervosität, auch das ist eine Lehre des Online-Formats, verspielt sich vielleicht in einer gefüllten Halle, aber auf dem Bildschirm nicht.

So sehr sich die Union nun für den digitalen Parteitag auf die Schulter klopft: Manch einem wird aufgegangen sein, dass dieses Format für eine demokratische Partei kein erstrebenswerter Normalzustand sein sollte.

Vertraute von Jens Spahn übrigens dürften wohl hoffen, dass auch der ambitionierte Gesundheitsminister aus seiner Bekanntschaft mit den Tücken des Online-Formats die richtigen Schlüsse zieht. Dass er die Fragerunde für einen Laschet-Werbeblock nutzte, hat jedenfalls in Teilen der Partei für „blankes Entsetzen“ gesorgt.

Das Kraftwerk der Bundespartei

Der Landesverband NRW ist nun auf dem Höhepunkt seines Einflusses in der CDU. Aus dem Westen kommen jetzt der Vorsitzende, ein Stellvertreter, zwei Präsidiumsmitglieder, der Generalsekretär, der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, zwei Bundesminister und weitere hochrangige Mitglieder der Bundesregierung.

Das hat es so noch nicht gegeben und die CDU NRW ist das Kraftwerk der Bundespartei. Sie trägt damit aber auch eine besondere Verantwortung für das politische Gelingen in der Zeit nach Angela Merkel. Den weitsichtigeren unter den führenden Vertretern der Partei an Rhein und Ruhr ist das schon seit längerem klar.

Spagat zwischen Düsseldorf und Berlin

Niemand kann zeitgleich an zwei Orten sein. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Spagat zwischen Regierungsverantwortung in Düsseldorf und Parteiarbeit in Berlin gelingt. Dabei könnte helfen, dass es in der Hauptstadt eine funktionierende Regierung mit einer Kanzlerin gibt. Und helfen könnte auch, dass Armin Laschet sich nun nicht um jeden Preis als neuer Parteichef auf der Berliner Bühne profilieren muss, dafür hat er Düsseldorf und das größte Bundesland. Und hier wartet, so viel ist gewiss, weiterhin eine Menge Arbeit.

Laschets Aufsteiger-Republik

Die Opposition wetzt deshalb schon die Messer. Nichts ist leichter, als auf den leeren Stuhl des Regierungschefs im Landtag zu verweisen und ein handfestes Führungsvakuum auszurufen, wenn es für den Ministerpräsidenten wichtige Termine in Berlin gibt.

Sicher, Kurt Beck war ein erfolgreicher Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und ist als SPD-Chef in Berlin gescheitert. Auch Annegret Kramp-Karrenbauer war an der Saar eine echte Nummer, an der Spree hat es nicht geklappt. Aber das ist kein Naturgesetz.

Laschet hat, das attestieren ihm mittlerweile Freund wie Feind, eine Bombenkonstitution. Die wird er wohl auch brauchen. Sein Zigarillo-Konsum steigt vielleicht. Aber er ist ehrgeizig, ihn treibt etwas an.

Vor zwölf Jahren hat Armin Laschet ein Buch geschrieben: „Die Aufsteiger-Republik. Zuwanderung als Chance.“ Darin findet sich neben der am Samstag publikumswirksam recycelten Geschichte seines Vaters („vom Bergarbeiter zum Schulleiter“) der Satz: „Unserer Gesellschaft sind der Glaube und die Zuversicht an den Aufstieg in weiten Teilen abhanden gekommen.“ Der Gesellschaft vielleicht, Armin Laschet selbst nicht.

Eine gute Wahl? Armin Laschet und die Bundes-CDU

WDR RheinBlick 22.01.2021 28:45 Min. Verfügbar bis 22.01.2022 WDR Online


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Stand: 17.01.2021, 20:10

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