CDU vertagt Laschet-Nachfolge auf Ende Oktober

CDU vertagt Laschet-Nachfolge auf Ende Oktober

Von Marc Steinhäuser und Jochen Trum

Die NRW-CDU hat entschieden: Erst Ende Oktober nach der Bundestagswahl soll ein Parteitag stattfinden, der einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Armin Laschet wählt. Mehrere Kandidaten müssen nun warten.

Aufgeschoben, einmal mehr: Die CDU in Nordrhein-Westfalen hat am Montagabend ihren Landesparteitag ein weiteres Mal verschoben. Erst Ende Oktober, und damit nach der Bundestagswahl, soll nun ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für CDU-Chef Armin Laschet gewählt werden. Das beschloss der Landesvorstand nach WDR-Informationen trotz einiger Gegenstimmen mit breiter Mehrheit.

Als Grund nennt die Partei die Corona-Lage: Eine zeitnaher Parteitag mit rund 1.000 Personen sei "angesichts der anhaltenden pandemischen Lage nicht möglich", teilte Generalsekretär Josef Hovenjürgen mit. Für den 23. Oktober 2021 habe man den CDU-Parteitag nun aber terminiert. Eine Listenversammlung zur Aufstellung der Kandidaten zur Bundestagswahl soll im Juni allerdings in Präsenzform stattfinden.

Machtkampf in der NRW-CDU ist erneut vertagt

Armin Laschet steigt nach einer Unionsfraktionssitzung winkend in einen Wagen vor dem Bundestag.

Laschet geht nach Berlin - und wer folgt in NRW?

Eigentlich wollte Laschet sein Amt als Landesvorsitzender schon kurz nach seiner Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden abgeben. Doch Corona ließ einen Präsenzparteitag damals nicht zu. Schon im vergangenen Jahr musste der Parteitag coronabedingt entfallen. In diesem Sommer nun sollte er nachgeholt werden.

Mit der neuerlichen Verschiebung folgt die Landespartei jetzt einem Wunsch von Parteichef und Kanzlerkandidat Armin Laschet. Er hatte den späten Termin in den vergangenen Tagen ins Spiel gebracht - wohl auch deshalb, weil sich der Machtkampf um die NRW-Nachfolge dramatisch zugespitzt hatte und drohte, Laschets Wahlkampf im Bund zu überschatten.

Wer profitiert von der Verschiebung?

Um die Nachfolge von Laschet ist ein kompliziertes Gerangel entstanden: Verkehrsminister Hendrik Wüst (45) werden weiterhin beste Chancen zugeschrieben. Er muss eigentlich einfach nur abwarten. Dann könnte er nicht nur Parteichef, sondern auch Regierungschef in Düsseldorf werden. Wüst hat als Landtagsabgeordneter auch die formale Voraussetzung, um im Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden.

Doch die Ambitionen von Wüst trafen nicht überall auf Gegenliebe: Mit vereinten Kräften wehrten sich Innenminister Herbert Reul (68) und Heimatministerin Ina Scharrenbach (44) gegen Wüst und brachten andere Pläne ins Spiel. Etwa die Idee, Reul könne Landeschef werden und die Partei übergangsweise führen. Scharrenbach wiederum wäre eine mögliche Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Mai 2022.

Im Vorfeld hatte sich Innenminister Reul für eine schnelle, einvernehmliche Lösung ausgesprochen. Von einer Verschiebung des Parteitages hielt der 68-jährige Laschet-Vertraute eigentlich nichts. Er verfügt wie Scharrenbach über kein Landtagsmandat, könnte also im Herbst nicht Regierungschef werden. Als Platzhalter für Laschet hätte er die Partei führen können, bis endgültig klar ist, welchen Posten Laschet nach der Bundestagswahl übernimmt.

Politologe hält Verschiebung für "nicht klug"

Ulrich von Alemann

Alemann: "Wäre Desaster für Laschet"

Mit der Verschiebung bleibt eine letzte Hintertür für Laschets Rückkehr nach Düsseldorf nach der Bundestagswahl nun einen Spalt weit offen. Der Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann hält die Verschiebung des Parteitages in den Herbst im WDR-Interview "nicht für klug".

Eine klare Entscheidung vor dem Wahlkampf wäre auch für Armin Laschet besser, so Alemann. Denn: "Wenn Laschet sich ein kleines Türchen offen lässt, er würde nach NRW zurückkehren, wenn er die Wahl nicht gewinnt, wäre das ein Desaster für seinen Wahlkampf", so Alemann.

Kronprinz mit Fragezeichen: Hendrik Wüst und Laschet-Nachfolge Westpol 09.05.2021 UT DGS Verfügbar bis 09.05.2022 WDR

Stand: 10.05.2021, 21:23

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