CDU-Machtpoker: Röttgen und Laschet wieder vor Duell

CDU-Machtpoker: Röttgen und Laschet wieder vor Duell

Von Martin Teigeler

  • NRW-CDU überrascht von der Kandidatur Norbert Röttgens
  • Ex-Landeschef verteigt seine Bewerbung für Bundesvorsitz
  • Er sei nach NRW-Wahlpleite 2012 "wieder aufgestanden"

Der eigene Landesverband wusste wohl von nichts. "Wir kommentieren das nicht", sagte eine Sprecherin der NRW-CDU am Dienstag (18.02.2020) in Düsseldorf zur überraschenden Kandidatur von Norbert Röttgen für den Bundesvorsitz. Offenbar hat der Ex-Landeschef seinen Heimatverband nicht mal vorab über die Bewerbung informiert.

CDU-Landesvorstand: "Comedytruppe"

"Auf dieser Kandidatur liegt kein Segen", sagte ein Mitglied des CDU-Landesvorstands dem WDR. Röttgen habe doch keinen wirklichen Rückhalt an der Basis. Spöttisch ergänzte der Christdemokrat mit Blick auf die Personalspekulationen: "Wir erinnern allmählich an eine Comedytruppe. Das sieht nach einer Sozialdemokratisierung der CDU aus."

Röttgen verteidigte vor der Bundespressekonferenz selbstbewusst seine Kandidatur. Er sei ja der Erste, der eine Bewerbung erklärt habe, so der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag.

Kritik an Absprachen

Zugleich kritisierte der Bundestagsabgeordnete mögliche Absprachen über eine Teamlösung zwischen den bisher als Favoriten gehandelten Anwärtern: Ministerpräsident Armin Laschet, Ex-Union-Bundestagsfraktionschef Friedrich Merz und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – allesamt wie Röttgen aus NRW. Er lehnte es ab, zu "verteilen", so dass drei Aspiranten zufrieden seien und in der CDU "Friede, Freude, Eierkuchen" herrsche, sagte Röttgen.

Als Röttgen Laschet schlug

Norbert Röttgen vor dem Wahlplakat der  CDU

Von 2010 bis 2012 war Norbert Röttgen Landesvorsitzender der CDU in NRW

Röttgen und Laschet waren schon vor zehn Jahren Kontrahenten. Nach der CDU-Landtagswahl-Pleite 2010 wurde ein Nachfolger von Landesparteichef Jürgen Rüttgers gesucht. In einer Urwahl setzte sich der damalige Bundesumweltminister Röttgen mit 54,8 zu 45,2 Prozent gegen Laschet durch. Doch 2012 trat Röttgen nach einem verpatzten Wahlkampf und der historischen Wahlniederlage gegen Hannelore Kraft (SPD) zurück. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warf ihn aus dem Kabinett. Laschet wurde NRW-Landeschef – und 2017 Ministerpräsident.

Röttgen: "Ich bin wieder aufgestanden"

Zu seinem Debakel bei der NRW-Wahl 2012 (CDU-Ergebnis 26,2 Prozent) sagte Röttgen heute: Er habe für die damalige Niederlage Verantwortung übernommen – und er sei danach "wieder aufgestanden". Dies sei ein "biographischer Teil von mir" und könne ihm bei der Übernahme künftiger Führungsaufgaben sogar helfen, so Röttgen, der sich in den letzten Jahren einen Namen als außenpolitischer Experte gemacht hat.

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Die Bewerbung des moderaten CDUlers Röttgen könnte einem möglichen moderaten Kandidaten Laschet durchaus schaden bei einer Kampfkandidatur, heißt es aus Parteikreisen. Ein NRW-Christdemokrat: "Beide haben eine Grünen-Nähe, sprechen die gleiche Klientel an. Röttgen hat aber null Chance auf den Vorsitz. Der Makel von 2012 bleibt." Gespannt warten nun alle ab, wie Armin Laschet reagiert. Der CDU-Landesvorsitzende wird heute 59 Jahre alt. Die Geburtstagsüberraschung hat er sich wohl anders vorgestellt.

Will sich Röttgen nur ins Gespräch bringen?

Laut Politologe Klaus Schubert aus Münster ist Röttgens Kandidatur auch so zu verstehen, dass er sich für ein mögliches Führungs-Team, "etwa als Chef-Außenpolitiker ins Gespräch bringen möchte". Und wer ist nun der Favorit im CDU-Rennen? Schubert: "Für Laschet spricht, dass er als NRW-Landeschef und Ministerpräsident eine echte Hausmacht mitbringt.“

Stand: 18.02.2020, 17:26