Ruhrtriennale-Chefin bezweifelt europäische Demokratie

Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp

Ruhrtriennale-Chefin bezweifelt europäische Demokratie

Von Christoph Ullrich

  • Ruhrtiennale-Intendantin Carp sieht kaum noch demokratische Länder
  • Carp übt deutliche Kritik an überhitzten Debatten
  • Die 63-Jährige geht in ihre zweite Spielzeit als Ruhrtriennale Chefin

Bereits bei der Vorstellung des diesjährigen und vom Land geförderten Programms der Ruhrtriennale äußerte sich Stefanie Carp kritisch zu den demokratischen Prozessen in Europa. Im Jahr der Europa-Wahl stehen kritische Fragen zum Kontinent im Mittelpunkt des Kulturfestivals. Carp sprach in diesem Zusammenhang von einer "angeblichen europäischen Demokratie".

Carp über Demokratie, Differenzierung und Freiheit der Kunst

WDR 5 Westblick - aktuell 19.03.2019 12:17 Min. WDR 5

Download

Kaum Länder, "die demokratisch zu nennen sind"

Im Interview mit dem WDR-5-Magazin "Westblick" präzisierte sie diese Kritik. Es gebe nicht mehr viele Länder, "die demokratisch zu nennen sind", so Carp. Als Negativbeispiel nannte sie Ungarn. Außerdem sagte sie, dass "unsere Demokratien, auf die wir so stolz sind, von vornherein ein rassistisches Konstrukt waren."

Würde man es ernsthaft bedenken, beruhten sie von Anbeginn auf "der Vorherrschaft der weißen Rasse gegenüber anderen." Carp sagte, man müsse sich im Klaren sein, wen eine solche Gesellschaft alles ausschließe.

Sie könne nichts für Kurzschlüsse und aufgeregte Debatten

Gefragt, ob sie mit solchen Aussagen provoziere, antwortete Carp, sie könne nichts dafür, "wenn Menschen zu dummen Kurzschlüssen neigen." Sie bezeichnete sich als links und jemand, der sich für Gleichheit und Gerechtigkeit einsetze.

Ruhrtriennale - Europa im Visier

WDR 3 Resonanzen 12.03.2019 07:03 Min. WDR 3

Download

Nicht die erste Irritation ihrer Amtszeit

Carp hatte bereits im vergangenen Jahr Aufsehen erregt. Damals ging es um die schottische Band Young Fathers, welche die umstrittene, Israel-kritische BDS-Kampagne unterstützt. Die Initiative steht im Verdacht, antisemitisch zu sein. Carp hatte die Band zuerst aus, dann wieder eingeladen. In der darauf folgenden Debatte kam es zu heftigen öffentlichen Debatten rund um die Ruhrtriennale. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte seine Teilnahme an dem Festival ab.

Zwischenzeitlich geriet die parteilose Kulturministerin Pfeiffer-Poensgen in die Kritik, weil sie an Carp festhielt. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Ruhrtriennale mit mehreren Millionen Euro. Nach den Vorgängen im vergangenen Jahr, hatte man Carp einen Stellvertreter an die Seite gestellt.

Stand: 19.03.2019, 13:46