Corona und der Fußball: Ein Fall für den Steuerzahler?

Leeres Stadion von Schalke 04

Corona und der Fußball: Ein Fall für den Steuerzahler?

Von Christoph Ullrich

  • Land hat diverse Bürgschaften für Stadien übernommen
  • Hohe Summen stehen zur Debatte
  • Hilfen stammen meist aus der Zeit bis 2010

Der Profi-Fußball kann scheinbar aufatmen, zumindest die Klubs der ersten und zweiten Bundesliga. Mehrere Medien berichten, dass Rechteinhaber eine wichtige Tranche der TV-Gelder überweisen werden - erst einmal unabhängig davon, ob in dieser Saison noch gespielt wird, oder nicht.

Insolvenzen wären für das Land ein Problem

Seit Mitte März ruht wegen des Corona-Virus der Fußball. Die verordnete Zwangspause legte in einigen Fällen arg auf Kante genähte Etats offen, trotz Milliardeneinnahmen, die der Sport jährlich generiert. Beim FC Schalke 04 ist sogar von "einer potenziell existenzbedrohenden wirtschaftlichen Situation" die Rede. So soll es in einer Mail aus dem Vereinsumfeld stehen, über die Medien berichtet haben.

Für das Land Nordrhein-Westfalen wäre eine Insolvenz oder gar ein Ende des Traditionsvereins aus dem Ruhrgebiet eventuell mit hohen Kosten verbunden. Der Knackpunkt ist das Stadionumfeld. Die Arena auf Schalke wurde im Sommer 2001 eröffnet. Den Bau des Stadions und weitere Umbauten sicherte das Land von damals bis 2011 mit hohen Bürgschaften ab, das geht aus Unterlagen des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums hervor, die dem WDR vorliegen.

Schalke mit hohen Bürgschaften abgesichert

So konnte der Club fast 130 Millionen Euro an Krediten aufnehmen. 2015 gab es noch einmal Landesbürgschaften für weitere 47 Millionen. Eine fünfte und letzte Absicherung wurde im Sommer 2019 gewährt. Hier ging es um einen Kredit von 56 Millionen Euro, den die Schalker Stadion-GmbH aufnehmen wollte. Sollte Schalke und seine Beteiligungen - zum Beispiel wegen des Corona-Virus - Kredite nicht mehr zahlen können, müsste das Land mit Steuergeldern von wahrscheinlich 38,5 Millionen Euro einspringen.

Ähnliche Szenarien drohen in den Bundesligen nur noch beim VfL Bochum - dort hätte NRW im Falle einer Zahlungsunfähigkeit rund 5,7 Millionen an Verpflichtungen. In der Dritten Liga hat der MSV Duisburg mit den Folgen der Corona-Pause zu kämpfen. In dieser Spielklasse gibt es deutlich weniger Fernsehgelder, das Land steht wegen des MSV-Stadions bei etwas mehr als 4,5 Millionen Euro in der Verpflichtung.

Finanzministerium schweigt zu den Daten

Das NRW-Finanzministerium will die Zahlen nicht kommentieren. Ein Ministeriumssprecher verweist auf Anfrage auf das "Bürgschaftsgeheimnis, wonach alle Verhandlungen, Beratungen, Unterlagen und Auskünfte vertraulich zu behandeln sind. Dies schließt auch die Angabe mit ein, ob überhaupt eine Landesbürgschaft beantragt worden ist".

Dennoch dürfte es für die Politik hier im Land ein Interesse daran geben, dass die Fußballvereine in NRW - zumindest die mit noch laufenden Bürgschaften - halbwegs schadlos durch die Corona-Pause kommen. Ansonsten müsste der Staat für Kredite einer milliardenschweren Unterhaltungsindustrie einspringen.

Korrektur: In einer früheren Version ist auch von einer bestehenden Bürgschaft im Zusammenhang mit dem Aachener Tivoli die Rede. Dies ist nicht korrekt. Die Bürgschaft im Zusammenhang mit Alemannia Aachen besteht nicht mehr. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Stand: 17.04.2020, 12:05