Bürgerversicherung? Pro und Contra aus NRW-Sicht

Bürgerversicherung? Pro und Contra aus NRW-Sicht

Wenn Union und SPD über eine neue Bundesregierung reden, wird auch über die Einführung einer Bürgerversicherung gesprochen. Was spricht dafür? Und was dagegen?

Die SPD will die Finanzierung des Gesundheitssystems mit einer Bürgerversicherung auf eine neue Grundlage stellen. Auch Beamte und Selbstständige sollen in gesetzliche Kassen wechseln können. Zudem sollen die Beiträge zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Beschäftigten getragen werden. Doch das Reformprojekt ist umstritten.

Die Sicht der Politik

"Die Bürgerversicherung bringt ein Ende der Ungleichbehandlung, ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin", sagt der aus Leverkusen stammende SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Wenn für alle Versicherten das gleiche gezahlt werde, hätten die Ärzte keine Anreize mehr, Privatversicherten einen früheren Termin zu geben. Wettbewerb bestehe trotzdem, weil es nicht eine Versicherung für alle gebe, sondern weiterhin private und gesetzliche Versicherungen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sieht das anders. Durch die Abschaffung der Privilegien für Privatversicherte gebe es keine Verbesserung für gesetzlich Versicherte. Schon jetzt werde sichergestellt, dass Kassenpatienten in medizinischen Notfällen schnell einen Facharzttermin bekämen.

Die Sicht der Patienten

Kassenpatienten beschweren sich immer wieder über lange Wartezeiten für einen Arzttermin. Erhebungen belegen das. Mit der Bürgerversicherung könnte das aufhören. "Wenn die das wirklich machen würden, alle gleich zu behandeln, fände ich das gut", heißt es bei einer Umfrage im Lukaskrankenhaus Neuss. Auch wird auf die unterschiedliche Ausstattung der Zimmer sowie auf Abstriche bei der Behandlung verwiesen.

Beate Menebröker sieht das anders. Sie ist privat versichert und will an den Privilegien festhalten. "Wenn ich irgendwann mal ins Krankenhaus muss, dann möchte ich nicht unbedingt in einem Mehrbettzimmer liegen, sondern möchte schon die Möglichkeit haben, dass ich in einem Zweibettzimmer in Ruhe genesen kann", sagt sie. Auch seien die medizinischen Leistungen "definitiv besser".

Die Bürgerversicherung: Was soll sie bringen?

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 14.12.2017 | 27:07 Min.

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Die Sicht der Ärzte

Internist Hilmar Böneke aus Lengerich, der auch FDP-Mitglied ist, befürchtet Nachteile für Ärzte. Im Moment sei es so, dass die Privatpatienten durch die höheren Erlöse die Behandlung von Kassenpatienten querfinanzierten. Falle das mit der Bürgerversicherung weg, gebe es "deutlich weniger Anreize" für den Nachwuchs, sich in einer Praxis niederzulassen.

Daran glaubt Hausarzt Michael Paetzold aus Köln nicht. "Da man Ärzte braucht, wird es keine Praxis geben, die durch die Bürgerversicherung pleite gehen würde", sagt der SPD-Kommunalpolitiker. Die neuen Einheitshonorare müssten notfalls angehoben werden.

Stand: 17.12.2017, 06:00