Bündnis vermisst Fortschritte bei Inklusion

Ein Junge in einem Rollstuhl nimmt in einer fünften Klasse am Unterricht teil

Bündnis vermisst Fortschritte bei Inklusion

Von Nina Magoley

  • NRW-Schulministerin wollte beim Thema Inklusion alles besser machen
  • Lehrergewerkschaft kritisiert: Nach einem Jahr "nicht viel geschehen"
  • Ministerium reklamiert Zeit

Harte Vorwürfe gegen Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP): Versprochen hatte sie eine "Neuausrichtung der Inklusion" in NRW - stattdessen habe sich nach einem Jahr Amtszeit bis heute faktisch nichts getan. Sagt die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Dorothea Schäfer. Im Gegenteil: Die Bedingungen in den für "Gemeinsames Lernen" konzipierten Schulen hätten sich verschlechtert, der von der Landesregierung eigens gegründete "Fachbeirat inklusive schulische Bildung" habe in dem ganzen Jahr bisher kein einziges Mal getagt.

Bündnis fordert Fortschritte

Gemeinsam mit 35 anderen Organisationen - darunter Lehrer-, Schüler- und Elternvertretungen und die Sozialverbände - hat die GEW nun das "Bündnis für inklusive Bildung" gegründet, das am Montag (18.06.2018) in Düsseldorf vorgestellt wurde. Die Landesregierung betreibe beim Thema Inklusion derzeit "eine bloße Mängelverwaltung", so der Vorwurf des Bündnisses.

Aufgefordert, die angekündigten Maßnahmen zur Förderung der Inklusion in die Tat umzusetzen, verweise das Ministerium häufig auf das Finanzministerium, klagt GEW-Vorsitzende Schäfer.

Personal und Weiterbildung fehlen

Es fehle weiterhin an genügend Lehrpersonal, auch die dringend nötige Weiterbildung, die Lehrer kompetenter machen soll im Umgang mit Inklusionsklassen, sei bisher ausgeblieben, so Schäfer. Zwar sei im Landeshaushalt Geld für neue Lehrerstellen eingeplant, doch nach welchen Kriterien es vergeben wird, sei nicht nachvollziehbar.

Nach Angaben des NRW-Schulministeriums hatten im Schuljahr 2015/16 rund 38 Prozent aller Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf. Im Schuljahr 2000/2001 lag der Anteil noch bei 8,8 Prozent. Zum Schuljahr 2016/17 zählte die Statistik knapp 4.100 Inklusionsschulen in NRW.

Ministerium: Neuausrichtung brauche Zeit

Das Schulministerium nahm zu den Vorwürfen auf Anfrage schriftlich Stellung: Eine erfolgreiche Neuausrichtung der schulischen Inklusion benötige "unter Berücksichtigung von Qualitätsstandards einen konzeptionellen Vorlauf" und beziehe sich daher erst auf das Schuljahr 2019/20. "Erste Maßnahmen" seien bereits ergriffen worden: Mehr als 900 zusätzliche Stellen an weiterführenden Schulen, 600 mehr an Grundschulen.

Auch an den Universitäten sei die Zahl der Lehrkräfte für das Lehramt Sonderpädagogik aufgestockt worden. Die "Eckpunkte zur Neuausrichtung der Inklusion in der Schule", die ab dem Schuljahr 2019/20 greifen sollen, befänden sich derzeit "in der Endabstimmung innerhalb der Landesregierung".

Stand: 18.06.2018, 18:35