Was hat der Brexit-Beauftragte Merz in NRW bewirkt?

Was hat der Brexit-Beauftragte Merz in NRW bewirkt?

  • Merz sieht keinen Konflikt zwischen Brexit-Amt und CDU-Kandidatur
  • NRW-Büro in GB weit außerhalb von London
  • Bislang 870 neue Arbeitsplätze in Aussicht

Anfang 2018 übernahm Friedrich Merz (CDU) das Ehrenamt des Brexit-Beauftragten in NRW. Während die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien in der heißen Phase sind, ist Merz in eigener Mission unterwegs: Er will CDU-Bundesvorsitzender werden.

Einen Konflikt zwischen dem angestrebten Parteiamt und dem Brexit-Ehrenamt sieht Merz nicht: "Das ist überhaupt kein Problem."

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sieht sogar einen Vorteil in seiner Kandidatur: "Ich glaube sein Gewicht als Türöffner dürfte durch seine Kandidatur eher zugenommen haben. Und das wertet uns eher auf, als dass wir dadurch einen Nachteil erleiden müssen."

Brexit: "Es gibt keinen Dominoeffekt"

WDR 2 | 23.11.2018 | 04:28 Min.

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Risiken und Chancen des Brexit

Die Gefahren für die Wirtschaft in NRW durch den Brexit sind groß: Sollte der zwischen der EU und GB ausgehandelte Deal scheitern, dann befürchtet NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Verlust von 100.000 Arbeitsplätzen in NRW. Das sind die Risiken.

Aber der Brexit bietet auch Chancen, britische Arbeitsplätze nach NRW zu locken. Genau das sollen Friedrich Merz und die landeseigene Firma NRW Invest leisten.

Im Juni 2018 eröffnete deshalb ein Büro "in London", so das NRW-Wirtschaftsministerium damals. Tatsächlich ist das Büro rund 70 Kilometer von London entfernt in Tonbridge.

Keine eigene NRW-Repräsentanz in London

Während andere Bundesländer im Herzen von London präsent sind, ist das NRW-Brexit-Büro rund 70 Kilometer außerhalb.

Tonbridge (UK) in der Nähe von London:

"In London" habe man ein Büro eröffnet, um angesichts des Brexits Firmen nach NRW zu locken. So wurde es bei der Eröffnung im Juni 2018 vom NRW-Wirtschaftsministerium kommuniziert. Tatsächlich liegt das Büro in Tonbridge.

"In London" habe man ein Büro eröffnet, um angesichts des Brexits Firmen nach NRW zu locken. So wurde es bei der Eröffnung im Juni 2018 vom NRW-Wirtschaftsministerium kommuniziert. Tatsächlich liegt das Büro in Tonbridge.

Der Ort mit rund 40.000 Einwohnern liegt circa 70 Kilometer südöstlich vom Herzen Londons entfernt in der Grafschaft Kent.

An einem Kreisverkehr in Tonbridge ist eine Häuserzeile mit Klinkerbauten.

In Hausnummer 9 befindet sich die Agentur "Springboard Marketing". Deren Geschäftsführer Andrew Harfoot wurde von der landeseigenen Firma NRW Invest beauftragt, die NRW-Interessen im Königreich zu vertreten. Kein Türschild weist darauf hin, dass hier jemand im Auftrag von NRW Invest tätig ist. Bis Westpol sich für das Gebäude interessiert ...

... danach wurde schnell mit einem bunten DIN-A4-Ausdruck nachgeholfen. Andrew Harfoot ist dort übrigens der einzige von NRW beauftragte Mitarbeiter.

Der grüne NRW-Abgeordnete Stefan Engstfeld sagt: "Ich hätte mir gewünscht, dass wir in der City of London präsent gewesen wären und dass wir einfach mit mehr Personal ausgestattet sind. Und der Startzeitpunkt war einfach eindeutig zu spät." Fährt der Brexit-Zug an NRW vorbei?

Nach Ansicht von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) muss das Büro nicht in der City of London sein. NRW sei nicht an den dort ansässigen Banken interessiert, die würden wenn, dann ohnehin nach Frankfurt wechseln: "Ganz besonders sind wir an produktiven Arbeitsplätzen interessiert, an Digital-Unternehmen, Unternehmen im Bereich der Lebenswissenschaften, an Logistik – die sind nicht in London, das ist viel zu teuer für die dort."

Fallbeispiel aus Krefeld

Die Spedition Stromps aus Krefeld hat sich seit über 100 Jahren auf den Warenaustausch mit Großbritannien und Irland spezialisiert. Gibt es keinen geregelten Brexit, drohen der Firma lange Wartezeiten bei der Zollabfertigung und ein erheblicher bürokratischer Mehraufwand.

Christoph Rochow von der Spedition Stromps

Christoph Rochow

Die Folgen des Brexit spürt Stromps aber schon heute. Die Spedition arbeitet mit Fahrern in GB zusammen. Aber dort gebe es einen zunehmenden Fahrermangel, erklärt Christoph Rochow. Der Grund: "Ein Teil des osteuropäischen Fahrerpersonals, das seit vielen Jahren zuverlässig in Großbritannien arbeitet, kehrt wieder in die Heimatmärkte zurück."

Gute Lage von NRW

Die Lage von NRW sei für den GB-Handel ideal, so Rochow: "Wir sind in drei Stunden mit dem Lkw in Rotterdam und können von dort nach GB verschiffen."

Kein Wunder also, dass es enge Wirtschaftsbeziehungen zwischen NRW und der Insel gibt: Jährlich werden Waren im Wert von 13,3 Milliarden Euro aus NRW nach GB exportiert.

Vage Aussichten

Laut NRW-Wirtschaftsministerium haben bislang sieben Unternehmen Interesse bekundet, nach NRW zu kommen. Es könnten dadurch 870 Arbeitsplätze entstehen. Unterschrieben sei aber noch nichts.

Stand: 25.11.2018, 06:00