Tödlicher Brand: Wieso saß Amad A. unschuldig in Haft?

Ein junger Mann in der Nahaufnahme. Er trägt einen modischen Kurzhaarschnitt und hat den Kragen seines Anoraks lässig aufgestellt.

Tödlicher Brand: Wieso saß Amad A. unschuldig in Haft?

Von Rainer Kellers

  • Sondersitzung im Landtag zum Brand in der JVA Kleve
  • Syrer saß zwei Monate lang unschuldig im Gefängnis
  • Fragen und Antworten zu der tragischen Verwechslung

Ein 26-jähriger Flüchtling aus Syrien ist bei einem Brand in der Justizvollzugsanstalt Kleve gestorben. Am Freitag (05.10.2018) kamen im Landtag der Rechts- und Innenausschuss zu einer Sondersitzung zusammen.

Syrer unschuldig in Haft: Justizskandal?

WDR 5 Morgenecho - Interview 05.10.2018 04:58 Min. Verfügbar bis 04.10.2019 WDR 5

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Was ist passiert?

Am Abend des 17. September brach in der Einzelzelle des Syrers Amad A. ein Feuer aus. Der 26-Jährige trug schwere Verbrennungen davon. Zehn weitere Insassen und Vollzugsbeamte erlitten Rauchvergiftungen. Am 29. September starb Amad A. im Krankenhaus. Wie das Feuer ausbrach, ist noch unklar.

Wieso kam Amad A. ins Gefängnis?

Es handelt sich um eine Verwechslung. Amad A. war Anfang Juli in Geldern von der Polizei kontrolliert worden. Dabei stellte sich heraus, dass zwei Haftbefehle auf seinen Namen existierten. Diese galten aber nicht ihm, sondern einem Mann aus Mali, der den Namen Amad A. als Aliasname benutzt hatte. Gesucht wurde dieser Mann von der Polizei in Hamburg, weil er eine Geldstrafe wegen Diebstahls nicht bezahlt hatte.

Hätte den Polizisten auffallen müssen, dass Amad A. der Falsche war?

Ja. Das sagte am Freitag (05.10.2018) auch Innenminister Herbert Reul (CDU) im Landtag. Die Polizisten hätten zwingend weitere Maßnahmen zur Überprüfung der Identität vornehmen müssen. Es sei ein schwerer polizeilicher Fehler passiert, gab Reul zu.

Warum fiel die Verwechslung zwei Monate lang nicht auf?

Verdacht schöpfte in der JVA Kleve offenbar niemand. Im Juli fragte die Hamburger Staatsanwaltschaft nach, ob die Identität des Gesuchten geklärt sei. Das verneinte die JVA. Trotzdem blieb der Mann weiter in Haft. Eine zweite Anfrage erreichte Kleve laut NRW-Justizministerium erst am 25. September.

Einen Tag vor dem Tod des Mannes teilte die Polizei in Kleve der Hamburger Staatsanwaltschaft mit, dass der Falsche im Gefängnis saß. Der tatsächlich gesuchte Mann aus Mali ist offenbar noch auf freiem Fuß.

Hat Amad A. seine Unschuld beteuert?

Laut Justizministerium hat Amad A. bei seiner Einlieferung nicht von einer Verwechslung gesprochen. Bei einem Gespräch mit der Anstalts-Psychologin am 3. September allerdings bestritt er die ihm vorgeworfenen Taten in Hamburg. Er sei nicht der Gesuchte und auch nie in Hamburg gewesen. Die Psychologin vermerkte anschließend, sie habe von Amad A. den Eindruck eines "undurchsichtigen jungen Mannes". Nochmals überprüft wurde die Identität von Amad A. nicht.

Wer trägt die Verantwortung?

Die Staatsanwaltschaft Kleve hat Ermittlungen gegen mehrere Polizisten wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung im Amt eingeleitet.

Brand in JVA Kleve: Opposition spricht von Justizskandal 03:16 Min. Verfügbar bis 02.10.2019

Stand: 05.10.2018, 16:29