Studie sieht Deeskalation durch Bodycams für Polizisten

Bodycamaufnahmen als Beweismittel für Prozess in NRW

Studie sieht Deeskalation durch Bodycams für Polizisten

  • Wissenschaftliche Studie im Auftrag der alten Landesregierung
  • Überraschende Ergebnisse zu Polizeiverhalten und Deeskalation
  • Abschreckende Wirkung auf aggressive Menschen belegt
  • Polizeiverhalten verändert sich jedoch häufig

Die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gelsenkirchen hatte von Mai 2017 bis Ende Januar 2018 den Einsatz der Körperkameras untersucht. Auftraggeber war die alte Landesregierung von SPD und Grünen, die Studie wurde aber auch nach dem Regierungswechsel weitergeführt.

Bodycam einführen - aber nicht einfach so!

WDR 5 Westblick - aktuell 16.08.2019 04:56 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 WDR 5

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Teilweise überraschende Ergebnisse

Das Ergebnis der Studie: Bodycams wirken auf den ersten Blick deeskalierend. Außerdem lägen "keine Hinweise auf eine systematische Gefährdung von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten durch den Einsatz von Bodycams vor", heißt es in dem 151-seitigen Bericht.

Es gibt für die Forscher also einen abschreckenden Effekt der Kameras an den Schultern von Polizisten und Polizistinnen. Allerdings ist trotzdem die Zahl der Übergriffe auf Beamte mit Kamera höher als auf Polizisten ohne Bodycam, "Entgegen der Erwartung", wie die Forscher schreiben.

Bessere Schulung für die Beamten notwendig

Der Grund liege darin, dass manche Polizisten und Polizistinnen ihr Verhalten stark anpassten, sich mit Kamera zu defensiv verhalten hätten. Dies würde Übergriffe begünstigen. Laut der Studie spricht das aber nicht gegen den Einsatz der Bodycams, sondern für eine bessere Schulung der Beamten.

In Nordrhein-Westfalen gibt es noch keinen flächendeckenden Einsatz der Kameras. Bisher wurden sie nur bei Pilotversuchen genutzt. Das Innenministerium erklärte allerdings auf WDR-Nachfrage, die Kameras würden noch in diesem Jahr landesweit eingeführt.

Stand: 16.08.2019, 11:29