Gewalt an Männern: Große Nachfrage bei Hilfetelefon

Ein Mann steht schemenhaft am Fenster und blickt hinaus

Gewalt an Männern: Große Nachfrage bei Hilfetelefon

Von Peter Hild

Vor einem Jahr haben NRW und Bayern ein Hilfetelefon für Männer ins Leben gerufen, die Gewalt erfahren haben. Wegen der großen Nachfrage wird das Angebot nun ausgebaut.

Mehr als 1.800 Männer haben in den vergangenen zwölf Monaten die Psychologen und Therapeuten des Hilfetelefons kontaktiert, "und die Tendenz steigt", berichtet Carolina Trautner (CSU), bayerische Familien- und Sozialministerin bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Montag mit NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU).

Nach wie vor sei Gewalt an Männern ein großes Tabuthema, das man mit dem Hilfsangebot durchbrechen wolle, ergänzte Scharrenbach. Und die große Nachfrage zeige, dass der Bedarf "absolut da sei". Mit April ist auch Baden-Württemberg dem Hilfsangebot beigetreten.

Täglich melden sich neue Opfer

Frau zieht Mann an den Haaren.

Auch Männer werden zu Gewaltopfern ihrer (Ex-)Partnerinnen

Mehr als die Hälfte der Männer, die sich gemeldet haben, sind zwischen 30 und 50 Jahre alt, zwei Drittel erleben eine akute Gewaltsituation, überwiegend durch ihre (Ex-)Partnerinnen oder Familienangehörige. Neben körperlicher Gewalt berichteten fast alle Opfer von psychischen Angriffen.

Und diejenigen, die sich melden, würden immer mehr. "Mittlerweile führen wir ein Telefonat pro Stunde", erzählt Björn Süfke von der man-o-mann Männerberatung in Bielefeld, die in NRW das Hilfetelefon betreut. Per Telefon und Mail habe man täglich bis zu zehn neue Kontakte, die oft sehr dankbar seien, sich nach meist langer Zeit über die Gewalterfahrungen austauschen zu können.

Mehr Schutzwohnungen für männliche Opfer

Um männliche Opfer vor ihren Angreifern schützen, hat die NRW-Landesregierung im vergangenen Jahr in einem Modellprojekt acht so genannte Gewaltschutzwohnungen in Köln und Düsseldorf eingerichtet. "Diese Wohnungen sind stark ausgelastet", sagt NRW-Ministerin Ina Scharrenbach.

In diesem Jahr sollen deshalb weitere solcher Schutzwohnungen entstehen, im Bereich Westfalen-Lippe. Dafür stockt die Landesregierung ihre Investionen im laufenden Jahr um 500.000 auf insgesamt 700.000 Euro auf. Darüber hinaus werden mehr Stellen bei der Männerberatung geschaffen und die täglichen Beratungszeiten von acht auf bis zu zehn Stunden erweitert. Ab Sommer soll außerdem auch eine Online-Beratung mit Chatfunktion angeboten werden.

Stand: 19.04.2021, 12:54