Warum ein Brexit mit Deal für NRW besser wäre

Montage EU-Flagge und der Union Jack, wehen vor dem britischen Parlament / Nordeingang der Messe Düsseldorf mit Besuchern

Warum ein Brexit mit Deal für NRW besser wäre

  • Zwei Studien zu Auswirkungen des Brexit veröffentlicht
  • Einkommensverluste bei hartem Brexit in Milliardenhöhe für NRW
  • Weicher Brexit könnte NRW-Wirtschaft neue Chancen eröffnen

Der Brexit würde das Bruttoeinkommen in Deutschland wohl in Milliardenhöhe schmälern - besonders betroffen wäre Nordrhein-Westfalen. Das geht aus einer am Donnerstag (21.03.2019) veröffentlichten Bertelsmann-Studie hervor. Komme es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens ohne Vertrag, müssten die Bürger in NRW mit einem Einkommensverlust von fast zwei Milliarden Euro jährlich rechnen.

Bundesweit geht die Bertelsmann-Studie von zehn Milliarden Euro aus. Rein statistisch gesehen seien das pro Kopf rund 115 Euro weniger.

Einkommensverlust von 650 Millionen Euro in Düsseldorf

Laut Studie ist in Deutschland mit regionalen Unterschieden zu rechnen. Bei einem "No-Deal"-Austritt nimmt die Prognose für die bevölkerungsreichen Regierungsbezirke Düsseldorf einen Einkommensverlust von etwa 650 Millionen Euro jährlich und den Regierungsbezirk Köln von knapp 560 Millionen Euro an. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass Großbritannien für den Export eine große Rolle spiele.

Wie der Brexit Firmen in NRW trifft

WDR 5 Profit - aktuell 13.03.2019 04:14 Min. Verfügbar bis 12.03.2020 WDR 5

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Zölle und sinkender Wettbewerb mit negativen Folgen

Ein geordneter Brexit mit Austrittsabkommen würde die Negativfolgen laut Bertelsmann-Studie deutlich abmildern. Als Treiber für die erwarteten Verluste nennt die Prognose Zölle, die Waren verteuerten, aber auch einen wohl sinkenden Wettbewerb in Europa mit negativen Folgen für Preis- und Lohnentwicklung.

Weitere Studie sieht positive Effekte für NRW

Auch eine weitere am Donnerstag veröffentlichte Studie sieht im Falle eines geordneten Brexits nicht nur Negativfolgen für NRW. Demnach könnte insbesondere ein weicher Brexit auch zu positiven Effekten für die Wirtschaft führen, etwa durch neue Zulieferverträge mit europäischen Unternehmen, die bisher mit britischen Firmen zusammengearbeitet haben. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das NRW-Wirtschaftministerium beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Auftrag gegeben hat.

Andreas Pinkwart  beantwortet bei einer Pressekonferenz aktuelle Fragen zur Energie- und Strukturpolitik

Wirtschaftsminister Pinkwart sieht auch Chancen für NRW

"Seit dem Referendum haben sich fast 100 britische Unternehmen bei uns angesiedelt. Und der Trend hält an", betonte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) bei der Vorstellung. Denn viele britische Unternehmen fänden in NRW einen vergleichbaren Wirtschaftsraum mit vielen Standortvorteilen vor: Laut Studie ist etwa die Region Düsseldorf in Bezug auf ihre Wirtschafts- und Bevölkerungsstruktur am besten mit der Region Greater Manchester zu vergleichen, die Region Köln/Bonn mit der Region West Yorkshire. Mehr als zwei Drittel der NRW-Unternehmen haben laut Studie bereits Maßnahmen zur Vorbereitung auf den Brexit getroffen.

So hart trifft der Brexit NRW Aktuelle Stunde 21.03.2019 04:45 Min. UT Verfügbar bis 21.03.2020 WDR Von Torsten Reschke

Stand: 21.03.2019, 11:07

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 andrea 21.03.2019, 12:06 Uhr

    Wenigstens können dann Diejenigen, die für uns angeblich Politik machen, mal nichts dazu. Man wird sehen, ob die Briten allein zurechtkommen. Einige Auswüchse der EU sind desaströs und ruinös - ob die Briten dieses Phänomen ausmerzen werden, bleibt abzuwarten.

  • 6 Max Otto 21.03.2019, 11:14 Uhr

    Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Erheblich teurer ist die EU selbst. Für die Mehrheit kommt Lohnverzicht bis zu Niedriglohn und Altersarmut an. Nur wenige, die viel Geld für Lobbyarbeit ausgeben können, profitieren noch von dem Monster EU. Natürlich wäre es besser die „Scheidung“ sinnvoll zu regeln. Da mache ich mir aber nicht die Mühe die Schuldfrage gerecht zu verteilen. Das Thema hier ist aber eine Übergangszeit, die bestimmt etwas „holprig“ werden kann. Der Markt regelt zwar nicht alles, trotzdem werden sich neue Strukturen bilden. Großbritannien kann dann aber seine Fehler wieder selbst machen während für uns leider weiter EU-Recht vor nationalen Recht gilt. Besser wäre die geordnete Auflösung der EU und ein völliger Neuanfang der Zusammenarbeit auf dem Kontinent Europa. Mit weniger Ländern und weniger Kompetenzen hat die EWG mal sehr gut funktioniert. Da wurde der Wohlstand aufgebaut, der heute durch die EU wieder kontinuierlich abgebaut wird.

  • 5 Capri Bols 21.03.2019, 11:13 Uhr

    Es kommt mir vor, als hinge die Existenz der Welt von diesem Faulenzerstaat Großbritannien ab. Lasst sie doch endlich laufen. Es geht auch ohne sie.

    Antworten (1)
    • linux 21.03.2019, 13:23 Uhr

      "von diesem Faulenzerstaat" Genau da sind wir doch hier in Deutschland aus anderem Holz geschnitzt, wir geben gerne selbst wenn es bei uns viele gibt, und es sollen ja auch mehr werden, die selber nicht rund kommen, H4 bekommt z.B. Kindergeld angerechnet aber in der EU Welt verteilen wir es gerne, selbst wenn wie in einem WDR Beitrag kürzlich erwähnt wurde, man das nicht so genau Kontrollieren kann ob diese Kinder alle Existieren.

  • 4 Petra St. 21.03.2019, 10:45 Uhr

    Gestiegene Kosten bedeuten in der Regel: Verlust von Arbeitsplätzen, um Kosten wieder aufzufangen Kaufkraftverlust - zunächst in den betroffenen Haushalten und anschließend in allen Wirtschaftszweigen (Banken, Geschäftswelt ...) In den oberen Reihen wird alles getan, um die Kosten auf die unteren Schichten abzuwälzen. Es wäre das Neueste, wenn Vorstände von Unternehmen mit Ihren Bezügen, die Kosten auffangen würden - das ist noch nie vorgekommen!

  • 3 Sandra 21.03.2019, 10:12 Uhr

    Da kommt die notwendige Neuberechnung der Grundsteuer ja sehr gelegen. Es ist unglaublich wie viele Steuermilliarden in den letzten Jahren bundesweit ohne irgendeinen Mehrwert für Deutschlands Bürger verschwendet wurden. Während für viele Berufe in denen einen guter Hauptschulabschluss reichen würde, mittlerweile mindestens ein Realschulabschluß oder sogar Abitur gefordert wird, kann Jeder ohne irgendeine Qualifizierung oder Ausbildung Politiker und für uns im schlimmsten Fall Minister werden. Es wird doch von Politikern offiziell eine Bildungs- und Qualifizierungsoffensive gefordert, ja Bitte, und sofort bei Berufspolitikern anfangen. Die Verluste aus dem Brexit wären absolut verschmerzbar, wenn man mit unserem Steuergeld verantwortungs- und sinnvoll umgehen würde.

  • 2 linux 21.03.2019, 10:09 Uhr

    "Harter Brexit kostet Bürger in NRW Milliarden" "Einkommensverlust von fast zwei Milliarden Euro jährlich rechnen." Das die Bürger jetzt schon Jahre um ihre Zinsen für Erspartes geprellt werden hat man da weniger sorgen ist ja zum wohle des Kapitals.

  • 1 Der Kommentator 21.03.2019, 09:37 Uhr

    Naja, ich denke eher, dass das die Geldbörsen der Großverdiener, Manager und Co. schmälern würde. Der Mittelständler bzw. normal und niedrig Verdiener wird davon wahrscheinlich gar nichts mitbekommen. In meinen Augen ist das wieder Panikmache, damit die Schaafherde mitzieht.