Erster Antisemitismusbericht für NRW

Frau mit Kippa

Erster Antisemitismusbericht für NRW

  • Judenfeindlichkeit und antisemitische Hetze nehmen langfristig zu
  • Antisemitismusbeauftragte legt ersten Jahresbericht vor
  • Judenfeindliches Klima in Deutschland

Über eine Zeitraum von mehreren Jahren (2015-2019) hat die Zahl der antisemitischen Übergriffe in Deutschland zugenommen. Das geht aus dem jetzt vorgelegten Antisemitismusbericht der Landesregierung hervor. Während das Bundesinnenministerium 2015 noch 1.366 "antisemitische Hassverbrechen" zählte, waren es im vergangenen Jahr 1.799.

In NRW registrierte die Polizei 2019 insgesamt 310 antisemitische Straftaten. 291 davon seien dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen gewesen. Ein Jahr zuvor waren es noch 350 Straftaten gewesen.

Zu den Taten zählten Beschimpfungen und körperliche Verletzungen, aber auch immer wieder Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen. Noch am 30. Dezember 2019 warfen Täter auf dem jüdischen Friedhof in Geilenkirchen mehr als 40 Grabsteine um und besprühten einige mit Farbe.

Umfrage: "Holocaust könnte wieder geschehen"

16 Prozent der erwachsenen Bevölkerung würden "Juden als Gruppe ablehnen". Das gehe aus einer im Oktober 2019 veröffentlichen Studie des World Jewish Congress hervor, für die 1.000 deutsche Erwachsene ab 18 Jahren befragt wurden, fast ein Viertel davon in NRW, so der Antisemitismusbericht. 34 Prozent stimmten demnach der Aussage zu, der Holocaust würde von anderen heutigen Ungerechtigkeiten ablenken, 39 Prozent fanden, dass die Ideologie Adolf Hitlers immer noch präsent in Deutschland sei. Ein Viertel der Befragten geht davon aus, dass der Holocaust heute wieder geschehen könnte.

Das Klima für Juden in Deutschland ist dem Bericht zufolge so schlecht wie in kaum einem anderen europäischen Land: 29 Prozent haben verbale oder physische Gewalt miterlebt. Damit rangiert Deutschland auf dem zweiten Platz hinter Polen. 59 Prozent der in Deutschland lebenden Juden hätten Angst vor verbalen, 47 Prozent vor physischen Attacken. Damit liege Deutschland ebenfalls an zweiter Stelle hinter Frankreich.

Wenig Projekte explizit gegen Antisemitismus

Es ist der erste Antisemitismusbericht der Landesregierung, den die seit Anfang letzten Jahres eingesetzte Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) am Dienstag (14.04.2020) vorstellte. Größtenteils fasst der Bericht Zahlen und Studien zusammen, die bereits bekannt waren.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Antisemitismus ehrenamtlich: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Bei der Auflistung der vom Land NRW geförderten Projekte gegen Antisemitismus wird deutlich, dass solche, die sich ausschließlich dem Thema Judenfeindlichkeit entgegen stellen, rar sind. Die Fördersummen liegen zumeist im fünfstelligen Bereich. Die meisten der erwähnten Projekte richten sich gegen Rassismus und Diskriminierung im Allgemeinen. Die ehemalige Bundesjustizminsterin Leutheusser-Schnarrenberger arbeitet als Antisemitismusbeauftragte ehrenamtlich und hat nach eigener Aussage einen Mitarbeiter.

Anstieg antisemitischer Straftaten in NRW

WDR 5 Westblick - aktuell 15.04.2020 07:17 Min. Verfügbar bis 15.04.2021 WDR 5


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Stand: 14.04.2020, 18:12