Ein Beauftragter gegen Kindesmissbrauch für NRW?

Kind hält sich die Arme schützend vor das Gesicht

Ein Beauftragter gegen Kindesmissbrauch für NRW?

  • Viele Fälle von Kindesmissbrauch in NRW
  • Landesregierung prüft Beauftragten einzusetzen
  • Baustein in der Prävention

Nach den schweren Missbrauchsfällen in Lügde und anderen Städten prüft die nordrhein-westfälische Regierung, ob ein Beauftragter gegen Kindesmissbrauch auf Landesebene nötig ist. NRW-Kinderminister Joachim Stamp (FDP) stehe dem offen gegenüber, teilte das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration am Samstag (20.04.2019) mit.

Entscheidung falle im Rahmen eines Gesamtkonzepts

Vorstellbar wäre ein Beauftragter ebenso wie eine Kommission zur Prävention sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige. Die Entscheidung werde im Rahmen eines Gesamtkonzepts für einen effektiveren Schutz von Kindern getroffen.

Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte mehrfach an die Länder appelliert, solche Stellen zu schaffen - zuletzt nach Bekanntwerden des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im lippischen Lügde.

Sexuelle Gewalt: "Familie ist ein zentraler Tatort"

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.04.2019 06:43 Min. WDR 5

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Aus Sicht des nordrhein-westfälischen Kinderministeriums können Missbrauchsbeauftragte die vielfältigen Strukturen des Kinderschutzes nicht ersetzen. Konkret stünden hier Jugendämter, Kitas, Schulen, Vereine und weitere Akteure vor Ort in der Verantwortung. Innerhalb eines guten Gesamtkonzepts könnten Beauftragte aber ein Baustein bei der Missbrauchsprävention sein.

25 Beratungsstellen werden bereits gefördert

"Sexualisierte Gewalt ist bisher noch stark tabuisiert, was ihre Aufdeckung und Verfolgung, aber auch Hilfe für die Opfer erschwert", sagte Stamp. Der Beauftragte des Bundes leiste schon "einen wichtigen Beitrag, den Skandal der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in das breite gesellschaftliche Bewusstsein zu heben".

Die Landesregierung habe begonnen, die Verfahren und Abläufe im Kinderschutz auf den Prüfstand zu stellen. Dabei gehe es um mögliche strukturelle, personelle, organisatorische und fachliche Defizite.

Außerdem sollen mehr Beratungsangebote spezialisiert werden. Fachkräfte sollen so qualifiziert werden, dass sie sexuelle Gewalt gegen Kinder und typische Täterstrategien besser erkennen können. Nach Angaben des Ministeriums fördert das Land 25 spezialisierte Beratungsstellen mit mehr als eine Million Euro pro Jahr.

Stand: 20.04.2019, 14:17