Weniger Azubis mit Ausbildung zufrieden

80.000 Euro hat die Qualifizierungsagentur low-tec in Aachen investiert.

Weniger Azubis mit Ausbildung zufrieden

Von Rainer Striewski

  • DGB NRW stellt "Ausbildungsreport 2019" vor
  • Großteil der Auszubildenden mit Ausbildung grundsätzlich zufrieden
  • Digitalisierung verändert fast alle Ausbildungsberufe

Gut zwei Drittel der Auszubildenden in NRW sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Aber: Mit 67,9 Prozent Zufriedenheitsquote wurde der schlechteste Wert seit zwölf Jahren erreicht. Das geht aus dem "Ausbildungsreport 2019" hervor, den die Gewerkschaft DGB NRW am Mittwoch (04.12.2019) vorgestellt hat. Für den Report wurden über 5.000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen in NRW nach der Qualität ihrer Ausbildung befragt.

Verstöße gegen Jugendarbeitsschutzgesetz

Der in der Öffentlichkeit erweckte Eindruck, dass es genügend Ausbildungsplätze gebe, sei nach wie vor nicht zutreffend, betonte Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW, bei der Vorstellung der Zahlen. "Lediglich rund ein Fünftel der Betriebe in NRW bildet überhaupt aus. Hier muss dringend gegengesteuert werden."

Gegengesteuert werden muss laut DGB auch bei den Arbeitszeiten: 16 Prozent der befragten Auszubildenden unter 18 Jahren gaben laut Bericht an, entgegen der gesetzlichen Vorgaben durchschnittlich mehr als 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. 4,4 Prozent der Befragten müssen zudem mehr als fünf Tage pro Woche im Betrieb arbeiten.

Digitalisierung wird immer relevanter

Fast 80 Prozent der befragten Auszubildenden gaben an, dass Aspekte der Digitalisierung in ihrem zukünftigen Beruf von großer Relevanz sein werden. Allerdings fühlen sich nur 67 Prozent gut auf diese Herausforderung vorbereitet. Hier brauche es mehr Qualifizierung, an der es aber derzeit noch fehle, erklärte Eric Schley, Abteilungsleiter Jugend beim DGB NRW.

DGB kritisiert "Finanzierungsstau" an Berufsschulen

Schuld daran ist laut Studie auch die schlechte Ausstattung der Berufsschulen, die von vielen Auszubildenden kritisiert wird. Lediglich 34 Prozent der Befragten beurteilten die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule mit sehr gut oder gut. "Hier muss ein enormer Finanzierungsstau überwunden und in gute Ausstattung investiert werden", so Schley.

Auch Unternehmer für bessere Schulausstattung

Auch den Unternehmen bereitet das schlechte Abschneiden der Berufsschulen Sorge. "Diese Zahlen verdeutlichten, dass Berufsschulen dringend mehr Lehrkräfte und eine modernere, digitale Ausstattung benötigten", teilte die Landesvereinigung der Unternehmensverbände in NRW mit.

Allerdings zeige die hohe Zahl freier Lehrstellen auch, dass die vom DGB geforderte Ausbildungsplatzgarantie sowie die Ausbildungsumlage an der betrieblichen Realität vorbei gehe, so der Unternehmerverband. Dadurch bestehe die Gefahr, Ausbildung am Bedarf der Betriebe vorbeizusteuern.

DGB-Ausbildungsreport für Deutschland: Wie geht's den Azubis?

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 22.08.2019 04:36 Min. Verfügbar bis 21.08.2020 WDR 5

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Stand: 04.12.2019, 13:39