Atommüll: Ahaus will keinen mehr haben

Castor-Behälter stehen im Forschungszentrum Jülich in einer Lagerhalle.

Atommüll: Ahaus will keinen mehr haben

  • Sichere Lagerung des radioaktiven Mülls bislang völlig ungeklärt
  • Strom aus Atomkraft wird in Deutschland längst nicht mehr produziert
  • Ahaus wehrt sich gegen neue Lieferungen ins dortige Zwischenlager

Riesige Mengen radioaktiver Brennelemente liegen derzeit im Atommüllzwischenlager Ahaus im Münsterland, nur wenige hundert Meter von der nächsten Wohnsiedlung entfernt: 329 Castor-Behälter unterschiedlichen Typs. Die Genehmigung für diese Lagerung endet 2036, für den schwach- und mittelaktiven Teil des Mülls bereits 2020.

Trotzdem soll demnächst noch mehr Atommüll aus Jülich und München in Ahaus eingelagert werden - obwohl es bei der zuständigen staatlichen Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) bislang keine konkrete Planung für eine sichere Lagerung über 2036 hinaus gebe. Das erklärte die "Atommüllkonferenz", ein bundesweiter Zusammenschluss aus 70 Anti-Atom-Initiativen, am Dienstag (06.11.2018) in Düsseldorf. Bei der BGZ heißt es dagegen, "bis zum Auslaufen der jeweiligen Genehmigung" sei "ausreichend Zeit" vorhanden.

Jülich: Lagergenehmigung abgelaufen

Modell einer Atomkugel in der Hand eines Wissenschaftlers

Atomkugel aus dem Forschungszentrum Jülich

Allein aus Jülich sollen im kommenden Jahr 152 Castor-Behälter nach Ahaus transportiert werden. Und die Zeit drängt: Die Genehmigung für die dortige Lagerung ist seit Jahren abgelaufen. 2014 ordnete das NRW-Wirtschaftsministerium als zuständige Atomaufsicht an, das Lager zu räumen. Spezielle Hochsicherheitsfahrzeuge stehen schon bereit - nach neuen Auflagen des Bundesumweltministeriums müssen Atomtransporte gegen terroristische Angriffe besonders geschützt sein.

Ahaus wartet auf Gerichtsentscheidung

Doch die Stadt Ahaus konnte beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster eine Aufschiebung der Genehmigung für den Transport erwirken. Ende 2017 erhob die Stadt außerdem eine Anfechtungsklage gegen die Aufbewahrung weiteren Atommülls in Ahaus. Auch gegen einen für 2019 geplanten Castortransport aus dem Forschungsreaktor in Garching bei München hat Ahaus geklagt. "Bis jetzt haben wir keine Antwort", sagt Hans-Georg Althoff, erster Beigeordneter der Stadt. Solange das OVG nicht entschieden hat, dürfe kein Castortransport Richtung Ahaus rollen.

Eine Million Jahre Lagerzeit

Radioaktiver Atommüll fällt dort an, wo Atomkraft produziert wird. In NRW waren das die Standorte Jülich, Hamm-Uentrop und Würgassen. Alle drei Atomkraftwerke sind bereits seit Jahrzehnten abgeschaltet. Doch die verbrauchten Brennelemente sind radioaktiv und müssen laut Gesetz eine Million Jahre lang an einem sicheren Ort gelagert werden.

1.500 Atommüll-Fässer kommen nach NRW

WDR 5 Westblick - aktuell | 12.07.2018 | 04:21 Min.

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass das zuständige Bundesamt für Entsorgungssicherheit (BfE) im Juli 2016 den sofortigen Transport der strahlenden Abfälle ins Zwischenlager Ahaus angeordnet habe.

Stand: 06.11.2018, 16:00